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Trail Running am Mont Blanc : Geht’s noch?

Gipfel der Schmerzen: 170 Kilometer um den Mont Blanc – ein Drittel der Läufer wird es nicht schaffen. Bild: Pascal Tournaire/UTMB

Trail Running boomt, bei Extrem-Veranstaltungen wie dem Ultra-Lauf am Mont Blanc wird es auf die Spitze getrieben. Die gnadenlose Strecke treibt die wagemutigen Athleten bis an die Schmerzgrenze.

          Um den Mont Blanc herum führen beliebte Wanderwege durch grandiose Natur. Tausende stiefeln im Sommer drauflos, wer eine Hüttenunterkunft buchen will, der ist gut beraten, das weit im voraus zu tun. In gemütlichem Tempo lässt sich die Runde in zehn Tagen absolvieren, in sechs, wenn man zügiger unterwegs ist. Irgendwann wollten Leute herausfinden, ob das Mont-Blanc-Massiv in einem Stück umrundet werden kann, wie schnell das zu schaffen ist, wenn man an die Grenzen dessen geht, was die Beine hergeben. Damit nahm der Wahnsinn seinen Lauf.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Will man ausgemergelte Gestalten sehen, die richtig fertig sind, verdreckt und so entkräftet, dass sie kaum noch ein Lächeln zustande bringen, die aus dem Knie bluten und wie Galeerensklaven riechen, dann kommt man Ende August/Anfang September im Ortskern von Chamonix am Fuße des Mont Blanc voll auf seine Kosten. Auf der Place du Triangle de l’Amitié schleppen sie sich ins Ziel, die Ultra-Bergläufer. Jedenfalls jene, die das Ziel erreichen. Das gelingt nicht jedem.

          Das rund 170 Kilometer lange UTMB-Rennen (Ultra-Trail du Mont Blanc) ist der berüchtigte Königslauf der boomenden Sportart des Trail Runnings, dieses Jahr zum 15. Mal ausgetragen. Der UTMB ist so schrecklich, dass die Organisatoren sich kaum retten können vor der Lawine der Anmeldungen. Mehr als 2300 Teilnehmer wollen sie nicht, damit sich auf den zum Teil sehr schmalen Gebirgspfaden ohne Überholmöglichkeit die Staus in Grenzen halten. Engstellen wirken wie ein Flaschenhals, Schnellere kommen kaum vorbei an den Keuchenden und den Kriechenden. Weil immer jemand im letzten Moment absagt, wurden diesmal mehr Anmeldungen akzeptiert. Doch es sagte kaum jemand ab, und so starteten 2537 Frauen und Männer.

          Alles in allem versammeln sich 8000 Teilnehmer, dazu Zehntausende Begleitpersonen und Besucher. Bilderstrecke
          Alles in allem versammeln sich 8000 Teilnehmer, dazu Zehntausende Begleitpersonen und Besucher. :

          Längst gibt es rund um den Globus zahlreiche ähnlich extreme Geländelauf-Spektakel. Beim UTMB indes versammelt sich die von Ausrüstern geförderte Weltelite der Trail Runner, um die ein erstaunlicher Starkult zelebriert wird. Chamonix ist das hochalpine Hollywood, auf dessen Pflaster die Gewinner ihre Fußspuren hinterlassen. Alles ruft „Allez, allez!“ In einer rührenden Geste pflegt der Erste den Letzten in Empfang zu nehmen. Bewerber für eine Teilnahme müssen einen Nachweis ihrer Leistungsfähigkeit erbringen, in Qualifikationsläufen Punkte sammeln, glaubhaft machen, dass sie unterwegs aller Voraussicht nach nicht vom Rettungshubschrauber abgeholt werden müssen, und schließlich noch Glück bei der Verlosung der begehrten Startnummern haben. UTMB ist die Formel 1 der Füße.

          170 Kilometer bedeutet: vierfacher Marathon. Wer also die Distanz eines Marathons hinter sich hat, der befindet sich noch ziemlich am Anfang des Rennens. Die große Schleife führt von Chamonix aus entgegen dem Uhrzeigersinn um die gewaltige Viertausender-Szenerie mit dem höchsten Gipfel der Alpen. Immer wieder hinauf in große Höhen und hinunter ins Tal. 19 Kommunen in drei Ländern werden durchlaufen, darunter Saint Gervais und Les Contamines in Frankreich, Courmayeur in Italien, Champex-Lac und Trient in der Schweiz. Die Läufer sind angewiesen, für alle Fälle den Personalausweis mitzunehmen. Lange Anstiege ziehen sich bis auf 2000 Meter und mehr. Croix du Bonhomme (2433 Meter), Col de la Seigne (2516), Col des Pyramides (2565) und Grand Col Ferret (2537) sind die höchstgelegenen Punkte.

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