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Taschenmesser : Die Sackmesser von den Uhrmachern

Bild: Pardey

Swiza? Bei diesem Namen horchten bis vor kurzem allenfalls Freunde von Uhren auf. Nun gibt es mehr. Und zwar eine Neuerfindung des Schweizer Taschenmessers.

          Seit genau 112 Jahren werden unter der Schweizer Marke Swiza Uhrwerke, Wecker und Tischuhren gefertigt. Da wäre etwa aktuell für den Schreibtisch eines allerdings entschieden konservativen Chefs das Modell Business Class: Aus edlen Materialien gefertigt, zeigt diese Uhr leicht angewinkelt auf drei analogen Zifferblättern ebenso viele Zeitzonen zum Kostenpunkt von 750 Franken. Auch der kleine vergoldete Reisewecker Loupe, der für 280 Franken tatsächlich eine ausklappbare Lupe mitführt, ist so ein auf die Tradition verweisendes Stück und trägt daher stolz auf dem Zifferblatt die Jahreszahl 1904, das Gründungsjahr von Swiza.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun aber verkünden die Schweizer im Internet seit der Uhrenmesse Baselworld 2015, man habe „das legendäre Schweizer Taschenmesser neu erfunden“. Seit November vergangenen Jahres konnte man diese Messer bei uns kaufen und ausgiebig erproben. Und außerdem gibt es von Swiza ein breites Spektrum von Armbanduhren und Gepäckstücken wie etwa Trolleys und Rucksäcke. Entschieden erinnert das doch an andere Marken mit dem Schweizerkreuz, diese Diversifikation hat aber tatsächlich ihre eigene Geschichte.

          Rückgänge nach Nine-Eleven

          Jahrzehntelang gab es Schweizer Taschenmesser, die wir in Deutschland gern Offiziersmesser nennen, während die Schweizer einfach alemannisch Sackmesser dazu sagen, in so gut wie jedem Fachgeschäft von zwei Herstellern: Victorinox und Wenger. Die Messer der beiden traditionsreichen Konkurrenten, Victorinox wurde 1884, Wenger 1893 gegründet, ähnelten sich fast so sehr wie die beiden bloß verschieden verpackten Schokokeksriegel der entzweiten Twix-Brüder. Beide Marken führten - in unterschiedlicher Rahmung - das Schweizerkreuz auf ihren Produkten. Und beide hatten ihre Fans, die fleißig darüber debattieren konnten, ob das Scherchen von Wenger seiner stabileren Feder wegen tatsächlich besser sei als das von Victorinox. Beide Messerhersteller legten sich neben der Stahlwarenvielfalt weitere Standbeine zu und brachten Uhren auf den Markt; sie lizenzierten Accessoires wie Reisegepäck und Kleidung, Victorinox brachte sogar Parfüm heraus.

          2005 droht Wenger die Insolvenz. Mit dem Verbot selbst kleinerer Taschenmesser auf Flügen im Gefolge von Nine-Eleven ist das Auslandsgeschäft beispielsweise auf Flughäfen massiv eingebrochen. Auch Konkurrent Victorinox bekommt das zu spüren, kann die Rückgänge um fast ein Drittel aber dank schierer Größe besser wegstecken und übernimmt Wenger. Offiziell heißt es, dies geschehe dem guten Ruf der Schweizer Messer zuliebe, kein ausländischer Investor solle den ruinieren. Und so existieren zunächst für das breite Publikum beide Marken und Produktlinien wie bisher parallel nebeneinander her. Doch 2013 erklärt Victorinox, die Marke Wenger bei Messern nicht mehr verwenden, einzelne Modelle aber unter der Marke Victorinox weiter anbieten zu wollen. Daraufhin verlässt Wenger-CEO Peter Hug das Unternehmen. Praktisch aber ist es so, dass man bis heute im Versand wie im lokalen Handel originale Wenger-Messer bekommt.

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