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Motorsense von Stihl : Mit dem Saubermann gegen Gestrüpp

Einstellungssache: Am Rädchen lässt sich die Drehzahl vorwählen. Bild: Lukas Weber

Die Motorsense FS94C-E von Stihl kostet rund das Vierfache der namenlosen Konkurrenz und ist trotzdem vermeintlich schwach motorisiert. Was darf man für sein Geld erwarten?

          Wenn der Winter auf sich warten lässt, hat das manchmal Vorteile. So bleibt im langen Herbst Zeit, auf der Pferdeweide und am Waldrand allerlei Gestrüpp zu beseitigen. Das ist mit Handgerät ein mühsames Unterfangen. Deshalb haben wir vor Jahren eine namenlose Motorsense im elektronischen Kaufhaus erworben, die seitdem brav ihren Dienst versieht. Als uns das Angebot ins Haus geflattert ist, doch mal ein professionelles Modell zu versuchen, haben wir zugegriffen. Es kostet mit rund 550 Euro mehr als den vierfachen Betrag. Was darf man dafür erwarten?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Stihl FS94C-E gehört mit einem Motörchen von nur 24 Kubikzentimetern und 0,9kW zu den zarten Geräten im Programm des Waiblinger Herstellers, dessen dickster Freischneider ist fast dreimal so stark. Das klingt mager, aber die patentierte Spülvorlage beschert dem Zweitakt-Motor nicht nur Abgase, die deutlich sauberer sind als jene von Motoren mit Katalysator, sondern auch einen geringeren Verbrauch und ein hohes Drehmoment in mittleren Drehzahlen. Über vier zusätzliche Spülkanäle wird Luft so gelenkt, dass sie vor dem Auslass einen Puffer bildet und dadurch das Kraftstoff-Luft-Gemisch daran hindert, unverbrannt zu entweichen.

          Drehzahlbegrenzung dank Ecospeed

          Das Arbeiten mit reduzierter Drehzahl kann in vielen Fällen nützlich sein, weil die Höchstleistung nicht immer gebraucht wird. Folgerichtig ist die FS94 mit einer Funktion ausgestattet, die der Hersteller Ecospeed nennt: Am rechten Handgriff ist ein Rad untergebracht, mit dem die Drehzahl begrenzt werden kann. Die Vorauswahl kann mit dem Gashebel überstimmt werden. Dritte Besonderheit ist eine Einrichtung namens Ergo Start – statt des gewohnten schwungvollen Reißens genügt ein ruhiger Zug. Über eine zusätzliche Feder zwischen Kurbelwelle und Anwerfseilrolle wird der Motor in Bewegung gesetzt.

          Das funktioniert famos, vom Widerstand der Verdichtung ist kaum etwas zu spüren. Die Sense kam fast immer auf den ersten Versuch und tuckerte dann zuverlässig im Leerlauf. Unser privates Gerät startet zwar auch ohne Mucken, es braucht aber viel länger, bis der Motor rund läuft – und dann eigentlich auch nur mit Vollgas. Ein Segen und den Aufpreis von rund 50 Euro wert ist der Doppel-Tragegurt, der die Last auf beide Schultern verteilt.

          Die Stihl Motorsense kommt auch mal mit geringerer Drehzahl aus.

          Für die Arbeit im dichten Gestrüpp haben wir Messer mit zwei und drei Blättern verwendet, mit dem Mähkopf Brennnesseln und holzigen Ampfer niedergestreckt. Das kann, im nicht ganz fairen direkten Vergleich, das nominell fast doppelt so starke Billiggerät ebenso gut, es braucht dafür aber volle Drehzahl, die unter Gebrüll und heftigen Erschütterungen erreicht wird. Die Stihl ist hingegen so leise, dass man fast auf Ohrenschutz verzichten könnte, und vibriert kaum. Subjektiv erscheint die Drehzahl niedriger, als sie ist, tatsächlich werden 9800 Umdrehungen in der Minute erreicht. Arbeiten über mehrere Stunden ist problemlos möglich, ohne dass ein unangenehmes Gefühl in den Fingern aufkommt. Erfreulich ist das relativ geringe Gewicht von einsatzbereit rund sechs Kilo, das sind 2200 Gramm weniger, als unser altes Gerät auf die Waage bringt.

          Stihl deutlich sparsamer

          Erstaunt hat uns, wie oft man in der Praxis ohne die volle Leistung auskommt. Dann wird am Rädchen gedreht und in Muße mit abermals reduziertem Geräusch das verfilzte Gras neben den Zaunpfählen gekürzt. Das senkt zugleich den Verbrauch weiter. Dieser lässt sich schlecht beziffern, weil eine Motorsense nicht immer unter voller Last, sondern gelegentlich auch im Leerlauf betrieben wird. Nach einer Dreiviertelstunde im Einsatz mit möglichst wenig Unterbrechungen und möglichst hohen Drehzahlen waren etwa 0,6 Liter verbraucht – sie passten in unserem Testgerät in den Tank, Stihl gibt allerdings nur 0,54 Liter Inhalt an. Zum Vergleich: Unsere alte Motorsense schluckt 20 bis 30 Prozent mehr.

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          Lohnt es sich also für einen privaten Kunden, solch ein professionelles Gerät zu kaufen? Der Komfortgewinn gegenüber den unter Phantasienamen zum Sparpreis angebotenen Modellen vermutlich fernöstlicher Herkunft ist hoch, die Arbeitsleistung indessen nicht erkennbar größer als mit dem Billigheimer. Wir meinen, wer viel schneidet, spart besser auf ein zugegeben arg teures Modell. Wer es nur gelegentlich braucht, kommt auch mit dem Gerät für rund 130 Euro hin oder leiht sich eines.

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