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Sichere Zäune für Weidetiere : Der Wolf am Schafspelz

Seit Beginn dieses Jahrhunderts breitet sich das schneidige Raubtier vom Osten her wieder in deutschen Wäldern aus. Bild: dpa

Herzlich willkommen sind Wölfe vor allem bei jenen, die keinen Schaden von ihnen haben. Die Viehhalter sehen das anders. Wie können sie ihre Weidetiere gegen den Riss schützen?

          Erst hat man ihn ausgerottet, jetzt wird der Wolf wieder eingeladen. Seit Beginn dieses Jahrhunderts breitet sich das schneidige Raubtier – die Bezeichnung „Beutegreifer“ wäre politisch korrekt, ist aber unhandlich – vom Osten her wieder in deutschen Wäldern aus. Das teilt die Gesellschaft in Freunde und Gegner: Hurra, der Wolf ist da, rufen die einen, sie sind vor allem in den Städten zu Hause. Ein solches Tier passt nicht in unsere Kulturlandschaft, meinen die anderen, also gebt es zum Abschuss frei. Zwischen den Märchen der Gebrüder Grimm und einer seltsamen Willkommenskultur stehen die harten Zahlen. Sie werden von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf auf der Basis der Landesstatistiken erhoben.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Demnach sind im Jahr 2016 – neuere Daten gibt es noch nicht – den 150 bis 160 am Anfang des Jahres amtlich bestätigten erwachsenen Wölfen in Deutschland exakt 1079 Nutztiere zum Opfer gefallen. Das sind in den weitaus meisten Fällen Schafe sowie Ziegen, außerdem Rinder und Wild im Gehege. Auch Pferde sind nicht sicher. In dieser Woche sind in Bad Wildbad mehr als 40 Schafe Opfer eine Wolf-Attacke geworden. Erschreckend für die Tierhalter und Gegenstand der aktuellen politischen Debatte ist, dass die Übergriffe mit der Zahl der Wölfe exponentiell zunehmen – sie wächst um jährlich ein Drittel. Nach der von der Tierhaltergemeinschaft Wnon, die sich für ein geregeltes Miteinander einsetzt, veröffentlichten Hochrechnung gibt es derzeit in Deutschland knapp 1000 Wölfe einschließlich der Jungtiere.

          Es gibt eine beträchtliche Dunkelziffer

          Die offiziellen Zahlen würden künstlich klein gehalten, erklärt Gerd Dumke. Der Agraringenieur und Züchter von Texel-Schafen hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Wölfen beschäftigt; er reist durch die Lande und hält Vorträge, die sich auf Erkenntnisse aus dem In- und Ausland stützen und die Alarmglocken schrillen lassen. An Wölfen werde offiziell nur registriert, was eindeutig durch Fotobeweis oder die Aussage eines Fachkundigen belegt sei, und hinsichtlich der Schäden an Nutztieren „gibt es eine beträchtliche Dunkelziffer“. Denn erstens müsse zweifelsfrei anhand der DNS-Spuren bewiesen sein, dass es sich um einen Wolfs-Schaden handele – das ist nicht immer möglich, etwa wenn ein Lamm spurlos verschwunden ist oder Weidetiere in Panik den Zaun durchbrechen. Und zweitens lohnt es sich nur, den Schaden zu melden, wenn eine Entschädigung winkt. Das ist, obwohl Wölfe weite Strecken zurücklegen, außerhalb der offiziellen Gebiete je nach Bundesland meist nicht der Fall, der ideelle Wert, etwa von Hunden, Pferden oder Zuchttieren, wird in der Regel ohnehin nicht ersetzt. Kommt hinzu, dass es von der öffentlichen Hand nur dann eine Ausgleichszahlung gibt, wenn ein Mindestmaß an Vorsorge getroffen worden ist.

          In den weitaus meisten Fällen sind Schafe sowie Ziegen, außerdem Rinder und Wild im Gehege unter den Opfern. Bilderstrecke

          Diese beginnt bei 90 Zentimetern. Das ist eine Zaunhöhe, die für Schafe völlig ausreicht, und als Kompromiss zu verstehen, weil eine Umzäunung dieser Dimension oft schon vorhanden ist. Da selbst ein Zwergschnauzer eine solche Barriere überwinden kann, dient das mehr der Beruhigung. Die Voraussetzungen für eine Entschädigung unterscheiden sich je nach Bundesland, manche schreiben 120 Zentimeter vor. Inzwischen haben sich die Anbieter von Schutzzäunen des Themas angenommen, sie beraten und übernehmen auch gleich die Installation. Zäune bedeuten die Zerschneidung der Landschaft, das ist nicht überall zulässig und oft nicht zu vertretbaren Kosten möglich, etwa zum Schutz von Deichschafen oder Kühen auf der Alm.

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