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Sanierung von Abwasserrohren : Tief in die Röhre geschaut

So geht es weiter: Begehbare Abwasseranlage der Kommune Bild: Helmut Fricke

Viele Abwasserrohre sind undicht, und ihre Besitzer wissen es oft gar nicht. Saniert werden sie heute von innen Rohr in Rohr, Erdarbeiten sind nur noch ausnahmsweise nötig.

          Wer am Hang wohnt und sich die Abwasserleitung mit den darüberliegenden Anwohnern teilt, ist manchmal arm dran. Wenn das Rohr Richtung Hauptkanal der Gemeinde verstopft, steigt in den Keller eine eklige Brühe hoch, während die nichtsahnenden Nachbarn von oben weiter nachgießen. Mit etwas Pech regnet es gerade, und der Ablauf der Dächer drängt kräftig hinterher. Das ist der rechte Zeitpunkt, einen Rohrreinigungsservice zu bemühen. Solche Dienstleister kommen zumindest in den Ballungsgebieten sogar nachts und am Wochenende. Dann allerdings gegen erhöhte Gebühr, doch die Zahlungsbereitschaft steigt meist mit dem Wasserpegel.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Gepäck haben die Leute vor allem ein elektrisch betriebenes Rohrreinigungsgerät, wie es oft die Hausmeister größerer Liegenschaften besitzen. Es wird am nächsten Revisionsschacht eingesetzt. Die Motorspirale arbeitet im Prinzip wie die handbetriebenen Exemplare aus dem Sanitäts-Werkzeugkasten. Mit verschiedenen Köpfen zum Fräsen oder kurzen Ketten frisst und rüttelt sie sich durch alles, was den Ablauf behindert. Dabei die Rohrwand nicht zu beschädigen erfordert etwas Feingefühl des Benutzers. Die Spirale, die steif genug ist, um sie weiterschieben zu können, aber ausreichend flexibel für die Biegungen, läuft durch das Gerät und wird Stück um Stück verlängert. Das geht so lange gut, wie die Kraft des Motors und die des Anwenders reichen. Zwischendurch wird das Ende immer wieder herausgeholt, um es von allem zu befreien, was nicht ins Abwasserrohr gehört - eine Arbeit für Unerschrockene.

          „In den meisten Fällen sind es Wurzeln“

          Manchmal ist aber schon früh Schluss. Wir hatten das Erlebnis nach knapp zehn Metern. Der Kopf der Spirale schlackerte hilflos in einem bis dahin unentdeckten Schacht umher. Statt ineinander mündender Rohre aus der Nachbarschaft gibt es auch die Lösung mit einer offenen Rinne; das Abwasser aus mehreren Leitungen sammelt sich im Schacht und sucht seinen gemeinsamen Ablauf. Mangels Führung durch das Rohr endet hier die Arbeit der Spirale.

          Zeit für eine nähere Untersuchung ist es dann ohnehin, denn der Ursache der Verstopfung muss auf den Grund gegangen werden. So gut wie immer ist das eine Querschnittsverengung, an der Unrat hängenbleibt, der mit der Zeit den Kanal zusetzt. „In den meisten Fällen sind es Wurzeln“, sagt Falko Chrost von der Micro GbR, die sich auf Rohr- und Kanalsanierung spezialisiert hat. Das feine Geflecht von Bäumen und Sträuchern folgt dem nährstoffreichen Wasser, das durch undichte Anschlüsse der Rohre sickert, und bildet dort ein Netz, das die festeren Bestandteile des Abwassers aufhält. Bis in die siebziger Jahre waren die Muffen nicht durch Gummidichtungen verbunden, hier dringen die Wurzeln besonders gern ein. Manchmal wurde auch nur schlampig gearbeitet; die Rohre lassen sich leichter zusammenstecken, wenn man auf die Gummiringe verzichtet. Andere Ursachen sind Fremdkörper, oder die alten Rohre aus Steinzeug sind gebrochen, weil der Boden sich gesenkt hat. Monatsbinden oder größere Mengen feuchter Tücher stauen sich an diesen Stellen, zuweilen findet der Kanalarbeiter aber auch Erstaunliches wie Regenschirme in der Leitung.

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