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Revell und der Modellbau : Kleben geblieben

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Die Gießäste eines Bausatzes kommen aus großen Spritzgussmaschinen. Die Herstellung einer aus zwei Teilen bestehenden Form kostet den Hersteller bei komplexen Modellen einen fünfstelligen Eurobetrag. Bild: Delius Klasing

Phantasie aus der Spritzgussmaschine: Zu den Kunststoffmodellbausätzen von Revell aus mehr als 60 Jahren gehören Großserienautos, legendäre Flugzeuge und Schiffe genauso wie der Millennium Falcon.

          Sportwagen und Wohnmobile, Großsegler und Schlachtschiffe, Lokschuppen und Atomkraftwerke: das ist nur ein kleiner Teil des Universums an Vorbildern, das Revell seit 1949 in der Form von Kunststoffbausätzen nachempfunden hat. Wobei in jeder Pappschachtel mit den grauen Teilen auf ihren Spritzgussästen und der Bauanleitung natürlich auch viel Phantasie steckt. Denn der Kauf eines Bausatzes ist letztlich immer auch die Investition in den Traum davon, mit Kleber, Farbe, Skalpell und jeder Menge Geduld das auf dem Deckelbild oft eindrucksvoll inszenierte Modell zum Leben zu erwecken.

          Nach Deutschland kamen die Revell-Bausätze 1956. Es war eine Epoche, in der Miniaturen technischer Objekte noch stark von Spielzeug aus tiefgezogenem Blech und dem Funktionsmodellbau mit Metallbaukästen geprägt waren. Damals entstand in Bünde (Westfalen) das deutsche Tochterunternehmen des kalifornischen Kunststoff-Spritzgussspezialisten Precision Specialties. Dieser verkaufte seine Spielzeuge unter der Marke Revell, daraus entstand später der Firmenname.

          Die ersten Kataloge begeisterten angehende Modellbauer vor allem mit den Modellen von Schiffen und Flugzeugen. Pferdekutschen und Eisenbahn fanden ebenso ihre Nische. Und dass sogar ein Disney-Eichhörnchen und ein vor Technikbegeisterung nur so strotzendes Atomkraftwerk zu den ersten Angeboten gehörten, war wohl dem Heimatmarkt von Revell und der damaligen Begeisterung für das neue Kapitel der Energietechnik geschuldet. Die Sets waren keineswegs Pfennigartikel, und es kamen ja noch die Verbrauchsmaterialien wie Farben dazu. Aber im Gegensatz zu den ganz großen Metallbaukästen waren die Kunststoffbausätze durchaus taschengeldtauglich.

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          Die Luft- und Seefahrt sind stets zwei Schwerpunkte im Revell-Programm geblieben. Dabei sorgten regelmäßig neu erarbeitete Modelle für Abwechslung. Manchmal weckte die Kreativität der Designer aber auch Verdacht. In den 1980er Jahren arbeiteten sie an der Bausatzminiatur eines Stealth-Fighters. Das ließ die Militärbehörden aufhorchen: Woher hatte der Spielzeughersteller bloß so genaue Details über das geheime Projekt erfahren? Spione aus Ostwestfalen? Letztlich steckte aber hinter dem Projekt nichts anderes als sorgfältige Recherche in den einschlägigen Magazinen der Branche. Und die Details vom Cockpit bis zum Antrieb? Hatten sich die Modellbauer einfach selbst ausgedacht.

          Natürlich hat sich seit den 1950er Jahren viel verändert im Kunststoffmodellbau. Das Thema Autos bekam immer mehr Gewicht, feste Maßstäbe (zum Beispiel 1:72 für Flugzeuge) machten das Bauen und Sammeln ganzer Flotten attraktiver, Raumfahrt und Science-Fiction (einst „Perry Rhodan“, heute „Star Wars“) kamen als Modellwelten dazu. Und längst hat sich das Programm erweitert. Dazu gehören neben Modellen mit vorlackierten Elementen seit knapp zehn Jahren auch funkferngesteuerte Spielzeuge.

          Die Geschichte von Revell Deutschland erzählt ein neues Buch von Andreas Berse und Ulli Taubert, das am morgigen Montag (8. Oktober) erscheint. „Die Revell-Story“ rückt dabei nicht den Modellbau in den Vordergrund. Statt des filigranen Montierens, Klebens, Lackierens und Dekorierens geht es vor allem um die vielfältige Produkt- und Firmengeschichte. Hauptdarsteller sind dabei die historischen Baukästen mit originaler Verpackung aus der Sammlung von Japp Zwart. Die Kollektion des niederländischen Bausatz-Liebhabers gilt als das weltweit größte Archiv zum Thema.

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