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Nutzung des Regenwassers : Regen bringt Segen

Im Hof der Elemente in Dresden Bild: EPA

Wie man Regenwasser nutzt oder dem Boden zurückgibt, ist in vielen Vorschriften geregelt. Dass der größte Teil davon natürlicherweise verdunstet, kam darin bisher nicht vor. Das soll sich jetzt ändern.

          Wasser ist in vielen Gegenden der Erde ein knappes Gut, und selbst dort, wo es reichlich vorhanden ist wie hierzulande, wandelt sich der Umgang damit. Wurde früher das Regenwasser einfach in die Kanalisation geleitet, ist es heute das Ziel, die natürliche Versickerung auch in Siedlungsgebieten weitgehend wiederherzustellen. Inzwischen belegen die meisten Kommunen versiegelte Flächen, die das Regenwasser nicht an den Boden abgeben, mit einer Gebühr. Das kommt diesem Ziel zugute, wenngleich die ursprüngliche Absicht die gerechtere Verteilung der Kosten für die Kanalisation war.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der nächste Schritt ist schon eingeleitet: Derzeit ist der Entwurf eines Arbeitsblatts der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall über die Bewirtschaftung von Regenwasser in der Diskussion (DWA A-102), das eine ganze Reihe bestehender technischer Richtlinien ersetzen und ergänzen wird. Das Ziel: Künftig sollen die Wassereinleitungen möglichst dem Zustand vor der Bebauung entsprechen. Neben Versickerung (20 bis 50 Prozent) und Abfluss (etwa zehn Prozent) kommt dann die für das Kleinklima wichtige Verdunstung hinzu – in natürlicher Umgebung macht sie meist deutlich mehr als die Hälfte aus. Es ist abzusehen, dass die Kommunen, sobald die Baugesetze und Wassergesetze der Länder angepasst sind, den technischen Regeln folgen und künftig für die Baugenehmigung in Neubaugebieten entsprechende Einrichtungen fordern werden.

          Der Betonspeicher wird in das Erdloch gelassen... Bilderstrecke

          Die Sorge, dass die Kanalisation leiden könnte, wenn nun auch noch ein großer Teil des Regens verdunstet, so dass die Rohre austrocknen und gespült werden müssen, ist freilich unbegründet. Das sei ein Scheinargument, sagt Klaus König, der bisher einzige öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für die Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser in Deutschland. Es gebe die Möglichkeit, das Abwasser durch Wehre aufzustauen oder den Kanalquerschnitt durch Inliner zu verengen. Und seit der Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes von 2010 sind ohnehin getrennte Wege für Regenwasser und Schmutzwasser vorgeschrieben. Tatsächlich sind immer noch viele Kanäle für jene Abwassermengen ausgelegt, die früher mal erwartet wurden.

          Nach den Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft hat in Deutschland im Jahr 1990 jeder Einwohner täglich fast 150 Liter Trinkwasser verbraucht, die Prognosen gingen steil nach oben. Stattdessen ist der Verbrauch seitdem drastisch gesunken, er hat sich seit 2007 knapp über 120 Liter eingependelt. Das ist im Wesentlichen eine Folge wassersparender Haushaltsgeräte; so hat eine Waschmaschine Anfang der siebziger Jahre noch 140 Liter je Waschgang verbraucht, moderne sind inzwischen bei 50 Liter angelangt. Auch der Wasserbedarf der Toilettenspülung und der Duschen wurde deutlich reduziert.

          Weil das Bewusstsein für die Bewirtschaftung des Wassers steigt, werden immer mehr Rückhalteeinrichtungen für das Regenwasser gebaut. Nach Branchenschätzungen gibt es in Deutschland rund 2,3 Millionen Einheiten, knapp 60 000 kommen alljährlich neu hinzu. Schon jeder dritte Neubau wird mit einer Zisterne ausgestattet. Das Unternehmen Mall Umweltsysteme aus Donaueschingen, das Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung anbietet, hat dazu im Frühjahr dieses Jahres eine Umfrage unter 16 000 Bauunternehmen gestartet. Die sagen eine weiter starke Nachfrage voraus und bauen fast alle Zisternen in neue Immobilien und zum Teil auch in den Bestand ein. Interessant ist die Beurteilung der Materialien: Fast drei Viertel halten Beton für besser geeignet, gelobt wird dabei vor allem die höhere Stabilität und die Langlebigkeit.

          Für die Bauunternehmen seien die Fertigzisternen aus Beton leichter einzubauen, erklärt König. Wenn die Grube ausgehoben ist, kann die Betonzisterne einfach eingelassen und wieder mit dem Aushub verfüllt werden. Regenwasserbehälter aus Kunststoff sind dafür nicht stabil genug. Sie müssen, während der Spalt mit Verfüllmaterial aufgeschüttet und dieses verdichtet wird, parallel dazu mit Wasser aufgefüllt werden, damit sie sich nicht verformen. Mit entsprechendem Deckel kann die Betonzisterne sogar mit dem Auto überfahren werden, und sie lässt sich auch bei hohem Grundwasserstand verwenden. Neuer Beton ist leicht alkalisch und kann damit saures Regenwasser etwas neutralisieren, der Vorteil schwindet mit der Zeit. Für den Kunststoff spricht dagegen das geringere Gewicht und der leichtere Transport, immerhin wiegt eine Betonzisterne mit sechs Kubikmeter Inhalt – ausreichend für ein Einfamilienhaus mit Garten – mehr als fünf Tonnen, eine gleichgroße aus Kunststoff nur etwa 250 Kilogramm.

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