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Veröffentlicht: 22.12.2015, 10:00 Uhr

Prep&Cook von Krups im Test Im Sog des Thermomix

Multifunktionskochgeräte wie der „Thermomix“ von Vorwerk dürften ein beliebtes Weihnachtsgeschenk sein. Nicht weniger attraktiv sind ähnliche Konzepte anderer Hersteller. Wir haben die Prep&Cook von Krups getestet – und können die ganze Aufregung um den neuen Trend in der Küche nicht verstehen.

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© obs Prep&Cook von Krups

Es gibt zwei nachvollziehbare Gründe, zu Hause nicht zu kochen. Man hat keine Zeit oder kann es nicht. Gegen fehlende Kompetenz lässt sich mit abendlichen Kursen, autodidaktischen Übungen oder der Lektüre von Büchern vieles unternehmen. Zeitmangel ist schon schwerer zu bekämpfen. In Deutschland liegt momentan ein weiteres Hilfsmittel voll im Trend, das den Kochvorgang vereinfachen und beschleunigen soll: die Küchenmaschine mit Kochfunktion. Rein statistisch zeigt Vorwerk mit seinem Multifunktionskochgerät Thermomix, dass viele Menschen erstmals ihre Liebe zur Küche entdecken. Laut Hersteller ist das aktuelle Gerät über eine Million Mal verkauft worden. Ein Ende dieses Entwicklung ist nicht in Sicht.

Marco Dettweiler Folgen:

Andere Hersteller wie Kenwood, Kitchen Aid oder Krups haben längst nachgezogen und verkaufen ebenfalls ihre Version des Küchenhelfers. Die Stiftung Warentest konnte jüngst sogar sechs Produkte miteinander vergleichen. Wir testeten die neue Küchenmaschine von Krups, die „Prep&Cook“ heißt. Die Maschine stand bei uns in der Küche, damit wir mit ihm verschiedene Vor-, Haupt- und Nachspeisen zubereiten konnten. Außer dem Multi-Zerkleinerer, den es nur bei Krups und Kenwood gibt, haben die Multifunktionsküchenmaschinen von Vorwerk, Kenwood, Kitchen Aid und anderen Herstellern etwa die gleichen Funktionen. Man kann mit ihnen zerkleinern, mixen, andünsten, kochen, kneten, dampfgaren und schmelzen. Insofern können viele grundsätzliche Aussagen, die im Folgenden gemacht werden, auch auf andere Geräte übertragen werden.

37743193 Und das ist nur ein Teil der Gerätschaften © David Bonnier Bilderstrecke 

Nun ist so ein Küchengerät wohl nicht nur für Anfänger gedacht, er soll auch Fortgeschrittenen einige Arbeitsvorgänge abnehmen. Beispiel Risotto: Da wir wissen, wie viel Aufmerksamkeit und Zeit dieses beansprucht, wollten wir die Aufgabe der Prep&Cook überlassen, um uns ganz auf das Hauptgericht zu konzentrieren. Beim ersten Arbeitsschritt waren wir noch angetan, weil wir nicht heulen mussten. Die Zwiebel wird lediglich geschält und halbiert, danach erledigt das „Ultrablade-Universalmesser“ den Rest. Nach wenigen Sekunden ist die Zwiebel klein gehackt, sie wird dann erwartungsgemäß in Olivenöl gedünstet.

Der Aufforderung des Rezeptes, durch die recht schmale Öffnung die Reiskörner einzufüllen, ist nicht einfach nachzukommen. Denn das funktioniert nur mit einem Gefäß, das einen Ausguss hat, sonst landen die Körner neben dem Behälter. Nach knapp einer halben Stunde war das Risotto fertig. Was uns erspart blieb, war das kontinuierliche und langsame Nachgießen von Fond oder Brühe. Genau das könnte dazu geführt haben, dass uns das Ergebnis nicht so gut gefiel. Der Reis war zu weich, er hatte zudem eine wässrige Geschmacksnote.

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Schon beim Zubereiten dieses einfachen Rezepts lassen sich vier Nachteile einer Multifunktionsküchenmaschine festhalten. Erstens funktioniert so ein Gerät nach dem Blackbox-Prinzip. Man füllt die Zutaten ein, drückt eine oder mehrere Tasten und wartet, bis es fertig ist. Durch den zum Teil durchsichtigen Deckel, der auch anläuft, und durch die – eigentlich zu schließende – Öffnung ist nicht viel zu erkennen. Zweitens wird dadurch ein zentrales Element des Kochens verhindert: das fortwährende Kontrollieren durch Beobachten und Abschmecken. Durch die schmale Öffnung ist das Entnehmen von Proben mühsam und aufgrund des sich drehenden Aufsatzes am Boden nicht ratsam. Der Deckel lässt sich zwar zwischendurch abnehmen, das Gerät stoppt auch automatisch das Programm. Doch dann verliert der Behälter Flüssigkeit, weil der Dampf entweicht und in kondensierter Form am Rand des Deckels entlang läuft. Drittens ist das Kochgut nach der vorgegebenen Zeit meist nicht in dem Zustand, den man sich erhofft hat. Um die exakte Zeit bestimmen zu können, muss man einige Risotto bei gleichmäßigen Parametern wie Reis- und Fondmenge zubereiten. Und viertens macht der Abwasch danach mehr Arbeit als beim herkömmlichen Zubereiten. Ein Messer mit Schneidebrett und ein Kochtopf oder Bräter mit Kochlöffel genügen, um ein klassisches Risotto zuzubereiten. Das Gefäß, um die Brühe abzumessen und herzustellen, wird auch für die Prep&Cook gebraucht.

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