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Parcelcopter 3.0 : Fliegender Bote von DHL

So hätte es sein sollen: Der neue Parcelcopter von DHL ist ein autonom fliegender Kippflügler mit Tragflächen, die sich um die Querachse kippen lassen. Bild: Andreas Heddergott

Von der Drohne zum Flugzeug: Der Paketdienst DHL präsentiert die dritte Generation seiner autonomen Fluggeräte. Ganz glatt verlief die Präsentation allerdings nicht.

          Was soll man davon halten, wenn ein Paketkopter, der unter widrigsten Bedingungen fliegen soll, der unbemannt auch bei Wind und Eis, Regen und Nebel dort noch startet und landet, wo sich Flugzeuge oder Hubschrauber nicht einsetzen lassen, ausgerechnet wegen widriger Wetterverhältnisse nicht in die Luft gehen kann? So geschehen in der vergangenen Woche bei der Weltpremiere der nunmehr dritten Paketdrohne von DHL. Sie ist, wie die seit 2013 gezeigten Vorgängermodelle, nicht nur dazu gedacht, Medikamente und andere Dinge in unwegsame Gebiete zu bringen, sondern in erster Linie ein Forschungsprojekt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Transportierte die erste Post-Drohne im Dezember 2013 in knallgelber Lackierung handpilotiert ein Ein-Kilogramm-Paket mit Erkältungsmedikamenten über zwei Kilometer von einer Bonner Apotheke über den Rhein zum Post-Tower an den Bonner Rheinauen, war der Job, den die Nachfolgerin im Herbst 2014 zu absolvieren hatte, bereits deutlich anspruchsvoller: Die Drohne mit vier elektrisch betriebenen Rotoren flog eigenständig über das Wattenmeer, um die Apotheke auf der Nordseeinsel Juist zu versorgen. Die 12 Kilometer lange Strecke wurde erstmals automatisch abgeflogen.

          Flug unter ungünstigen Bedingungen

          Der neue Parcelcopter 3.0 soll sich ebenfalls unter ungünstigen Bedingungen beweisen: Er fliegt zwischen Reit im Winkl und der Winklmoosalm, muss dazu einen Aufstieg von 700 auf mehr als 1200 Meter absolvieren und legt rund acht Kilometer in sechs bis neun Minuten zurück. Das Gesamtkonzept des Paketkopters wurde grundlegend geändert. Das betrifft zum einen das Fluggerät. DHL und die Konstrukteure der RWTH in Aachen verabschieden sich vom Quadcopter und präsentieren den neuen Parcelcopter als Kippflügler. Er sieht mit einer Spannweite von zwei Metern, einer Länge von 2,2 Metern und einem maximalen Startgewicht von 14 Kilogramm wie ein großes Modellflugzeug aus. Die Besonderheit sind die Tragflächen, die für Start und Landung um die Querachse des Flugzeugs gekippt werden, um die Schubrichtung der beiden Elektrotriebwerke zu ändern.

          In vertikaler Stellung sind senkrechte Starts und Landungen möglich. Und dazu passt dann das Skyport-Gebäude, das auf den ersten Blick wie eine Packstation der Post aussieht. Die Besonderheit ist das Dach, auf dem das Flugzeug landet. Dazu öffnet sich die schützende Kuppel und gibt eine drei mal drei Meter messende Fläche frei, auf welcher der Parcelcopter präzise landen soll. Ein Mantelpropeller zwischen Tragflächen und Leitwerk des Flugzeugs hilft dabei.

          Skyport: Hier startet und landet das Flugzeug, dazu öffnet sich die Dachkuppel. Bilderstrecke
          Skyport: Hier startet und landet das Flugzeug, dazu öffnet sich die Dachkuppel. :

          Die Idee von DHL besteht darin, auch den Akkuwechsel und die Weitergabe der Fracht in das Drohnenkonzept einzubeziehen. Beides erfolgt nämlich automatisch am Skyport, das Flugzeug kann ohne Wartezeit weiterfliegen, und die bis zu zwei Kilogramm schwere Fracht wird automatisch in das richtige Fach der Packstation einsortiert, so dass der Kunde unmittelbar vom ungewöhnlichen Pakettransport profitiert. Beladung und Entladung sind in die Logistikkette integriert, sagt DHL.

          Fluggeschwindigkeiten zwischen 70 und 130 km/h

          Der Lufttransport mit dem Parcelcopter der dritten Generation wirft etliche juristische Fragen auf. Der Flug mitsamt Route wird vorab programmiert und autonom von der Maschine ausgeführt. Das Flugzeug fliegt außerhalb der Sichtweite eines Piloten, deshalb ist eine Genehmigung erforderlich, die im Falle Reit im Winkl bedeutet, dass in einem Flugbeschränkungsgebiet geflogen wird. Hier ist jeder Durchflug kontrolliert und genehmigt, selbst ein Rettungsflug. Das neue Postflugzeug sendet wie eine große Maschine einen Transponder-Code aus. Es ist aber nicht dafür ausgerüstet, andere Fluggeräte in seiner Flughöhe von 70 bis 100 Metern zu erkennen oder ihnen auszuweichen. Die eigene Fluggeschwindigkeit beträgt zwischen 70 und 130 km/h. Der Vorteil des Kippflüglers gegenüber den bisherigen Drohnen besteht darin, dass größere Reichweiten zurückgelegt werden können.

          Die Ortung und Orientierung erfolgt mit GPS und dem genaueren Differential GPS. Dazu kommt eine kontinuierliche Überwachung in einer Bodenstation, die mit Personal besetzt ist. Die Aufsicht hat Zugriff auf etliche Telemetriedaten des Flugzeugs, sie sieht deutlich mehr als nur Position und Geschwindigkeit. Die Maschine kann ohne Internetzugang fliegen, aber sie überträgt ihre Daten via Mobilfunk und mit einem proprietären Protokoll an die Basis.

          Eine Studie für Forschungszwecke

          Was DHL mit dem Parcelcopter zeigen will, bleibt eine Studie für Forschungszwecke. Es geht darum, das Thema strategisch zu besetzen, wie es der Versender Amazon mit seinem Drohnenlieferdienst Prime Air tut und Google mit Project Wing und der Idee, dass Waren vom Fluggerät an einem Seil heruntergelassen werden. Da erscheinen die Pläne der DHL mitsamt Packstation und integrierter Zustellung deutlich realitätsnäher. Über die Kosten verliert DHL indes kein Wort.

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          In der leicht verschneiten Alpenlandschaft des Chiemgau wurde der Kopter nicht einmal eingeschaltet. Das Fluggerät war für die aus aller Welt angereisten Journalisten ausgestellt, aber der Demonstrationsflug zwischen den beiden Bodenstationen wurde in letzter Minute abgesagt, angeblich wegen der schwer zu kalkulierenden Wetterbedingungen. An jenem Dienstag schneite es nicht, besonders kalt oder windig war es ebenfalls nicht. So bleibt also letztlich die Frage unbeantwortet, warum der fliegende Paketbote am Boden bleiben musste.

          Quelle: F.A.Z.

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