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Null bis neun : So hat Deutschland gewählt

Für Erstwähler: Die Drehscheibe war mal alternativlos Bild: Getty

Der Finger im Loch der Scheibe: Stimmenfang, wie es früher mal war.

          Man hatte keine Wahl: Ein Finger, meist der rechte Zeigefinger, musste ins passende Loch gesteckt werden, und davon standen zehn zur Verfügung. Für die Ziffern von 1 bis 9 und dazu die 0. Nun ging es an die Wahl: Die Ziffer wurde gewählt, wenn der Finger im Loch der Fingerlochscheibe steckte und eine Rechtsdrehung bis zum Anschlag vollführte. Dann wurde er aus der Lochscheibe herausgezogen, und die während der Rechtsdrehung gespannte Rückdrehfeder im Innern des Nummernschalters bewegte die Fingerlochscheibe in ihre Ursprungsslage zurück. Beim Zurückbewegen der Wählscheibe sandte der Apparat eine der gewählten Ziffer entsprechende Zahl von Impulsen über die Telefonleitung an die nächste Vermittlungsstelle. Auf diese Weise wählte man eine Ziffer nach der anderen, bis die Wahl gelaufen, also die gesamte Telefonnummer übertragen war.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Schon durch das Abheben des Telefonhörers wurde eine Stromschleife zur Vermittlungsstelle geschlossen, und diese ging dann auf Empfang. Sie wartete also auf die Impulse des Endgeräts, des Telefons. Bei der Ziffer Eins kam ein Impuls, bei der Zwei waren es zwei, jeder einzelne dauerte 100 Millisekunden. Bis etwa 1980 wurden durch diese Impulse die Schrittmagnete der Drehwähler in der Vermittlungsstelle angesteuert. Durch den Drehwähler wird ein Zubringer (der Anrufende) mit einem von mehreren möglichen Ausgängen (dem Anzurufenden) durch elektrische Schleifkontakte verbunden.

          Zeit für mehr Gerechtigkeit: Rot setzt den Kontrapunkt bei den Wählscheiben. Jedoch nicht erfolgreich. Bilderstrecke
          Zeit für mehr Gerechtigkeit: Rot setzt den Kontrapunkt bei den Wählscheiben. Jedoch nicht erfolgreich. :

          Der in Deutschlands Vermittlungsstellen verwendete Hebdrehwähler hob den Schaltarm zunächst auf einen von zehn Höhenschritten und dann auf einen Drehschritt. Wenn dem Hebdrehwähler nacheinander vier und dann fünf Impulse zugeführt wurden, wurde der Eingang (der Anrufende) mit dem Ausgang 45 elektrisch verbunden. Das mechanische Wahlverfahren hatte einen großen Vorteil: Es löste die Vermittlungskraft im Fernsprechamt, das „Fräulein vom Amt“, ab. In den Anfangszeiten der Fernsprechtechnik ging man zunächst auf Stimmenfang, man musste nämlich das Fräulein „wecken“ und dann mündlich seinen Vermittlungswunsch durchgeben. Diese fehleranfällige Handvermittlung mit manueller Wahlhilfe ging Anfang des 20. Jahrhunderts mit den ersten automatisierten Vermittlungsstellen zu Ende. Den Nummernschalter mit Fingermuldenscheibe, der ohne Batterie auskommt und die Leitungsadern für die Sprechverbindung zur Übertragung der zu wählenden Nummer nutzt, wurde 1913 von Siemens & Halske entwickelt.

          Nicht lange blieb die Impulswahl die erste Wahl. Schon in den sechziger Jahren wurde das Mehrfrequenzwahlverfahren entwickelt, es sollte die Impulswahl in Deutschland von den neunziger Jahren an ersetzen. Nun konnte man auch mit Tasten wählen. Das Drehscheibentelefon hatte keinen Nummernspeicher und keine Wahlwiederholung. War besetzt, musste man jedes Mal aufs Neue die komplette Rufnummer wählen. Da Telefonieren in Deutschland bis zur Liberalisierung des Markts 1998 sündhaft teuer war, steckte mancher ein kleines Telefonschloss in eines der Fingerlöcher. Wurde die Sperre im Loch 3 angebracht, konnte man immerhin noch den Notruf 112 wählen. Wer die Sperre ins Loch 9 setzte, schloss damit die führende 0 als sogenannte Verkehrsausscheidungsziffer für Ferngespräche aus. Ortsanschlüsse ohne die 0 blieben erreichbar: Eine klare Wahlentscheidung, die naturgemäß aber nicht jedem gefiel.

           

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