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Neue Stoffvarianten : Mit Jeans zum Joggen

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Bunt kann jeder, die Stoffvarianten von Jeans sind gefragt Bild: dpa

Für Sportartikel-Firmen waren harte, steife Jeansstoffe lange uninteressant. Seit die Bedeutung von funktionaler Alltagskleidung zunimmt und die Herstellungsprozesse besser werden, ändert sich das.

          Im fränkischen Buttenheim sind Begriffe wie Jeggins und Athleisure verpönt. Wenn es nach den Menschen im Fachwerkhaus mit den blauen Fenstern geht, Besuchern wie Angestellten, stehen sie für die unschönen Auswüchse einer Industrie, die beinahe 150 Jahre lang von ihrer Tradition lebte. Im Geburtshaus von Löb Strauß hängen Modelle der ersten Jeans, ausgebeult und steif. Zimmer für Zimmer wird die Lebensgeschichte ihres Erfinders erzählt, dessen Familie in die Vereinigten Staaten auswanderte. An der Westküste gründete Strauß unter seinem neuen Namen Levi einen Großhandel für Stoffe und verkaufte den Goldgräbern und Minenarbeitern mit Nieten verstärkte blaue Arbeitshosen, die robust, praktisch und interessant waren. Dafür werden sie noch heute geliebt.

          Nur verkauft wurden sie schon einmal besser. Die Modebranche hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Gemütliche Kleidung ist „in“. Sportklamotten, die funktional und ansprechend designt sind, machen guten Umsatz. Jogginghosen zum Beispiel, die sich ohne Scham im Alltag tragen lassen. Hosen, die bei keiner Gelegenheit negativ auffallen: nicht auf Dienstreisen und im Meeting, auch nicht im Reisebus und beim Tanzen. Athleisure nennen die Hersteller diese Vereinbarkeit von Sportlichkeit und Mode.

          Erst kam niemand auf die Idee, die neuen Wunschfunktionen Elastizität und Wärmeregulierung mit Jeansstoff in Verbindung zu bringen. Er war zu steif, zu schwer, zu eigensinnig. Aber als der Trend andauerte, blieb den schwächelnden Webereien nichts anderes übrig: Sie versuchten sich an neuen Produktionsprozessen, um die Baumwolle beim Durchschuss mit Hochleistungsfasern zu kombinieren. Es entstanden modische Kleidungsstücke und neue gewöhnungsbedürftige Wortschöpfungen für Jeansvarianten mit hohem Elasthan-Anteil: die Jogg-Jeans von Diesel, eine Jogginghose mit Nieten und Knöpfen, deren Außenseite im Jeansstil gefärbt wird. Und die Jeggings, eine dehnbare Alternative zur Skinny Jeans. An beiden Entwicklungen war Isko beteiligt, ein türkischer Denim-Hersteller und Lieferant für Markenjeans.

          So könnten bald Kleidungsstücke aussehen... Bilderstrecke
          So könnten bald Kleidungsstücke aussehen... :

          Isko beschäftigt sich schon seit längerem mit Strech-Technologien und hat sich einige Ideen patentieren lassen. Zum Beispiel Bluejym, ein Gewebe, das dank einer besonders leistungsstarken Faser flexible Bewegungen zulässt, Feuchtigkeit reguliert und von Gerry Weber verkauft wird. Die zuständige Plattform heißt Isko Arquas und besteht aus einem italienischen Entwicklerteam, das sich ausschließlich damit beschäftigt, modische Jeansstoffe mit typischen Sportfunktionen für die neue Branche auszuarbeiten. Und zwar nicht nur mit Blick auf die Yogastunde, sondern auch die Bergwanderung. Es ist eine der wenigen übrigen Nischen in der Kleidungsindustrie.

          Um damit Erfolg zu haben, mussten die Jeansstoffe von Isko zunächst flexibler werden. Die Aufgabe war, komplexe, sehr dehnbare Materialien aus verschiedenen Faserkombinationen zu entwickeln. Baumwolle und Nylon wurden in diversen Varianten mit Elasthan verwebt, die Dehnungs- und Rücksprungeigenschaften getestet. Basis für alle Stoffe wurde schließlich ein Aufbau mit einem von Elasthan und anderen Fasern umschlossenen robusten Baumwollkern und einer für Optik und Anmutung zuständigen Baumwolloberfläche, die je nach Nutzung behandelt werden kann.

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