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Nano Blade : Bosch erfindet die Säge neu

Die neue Säge von Bosch ist technisch gesehen ein Schwert mit Kette. Bild: Hersteller

Wie könnte eine Säge aussehen, die auch von Ungeübten leicht und sicher zu beherrschen ist? Die Antwort von Bosch heißt Nano Blade.

          Manchen Heimwerkern und Gartenfreunden sagt man nach, sie hätten zwei linke Hände. Das ist, falls es sich nicht um Linkshänder handelt, ein Nachteil, vor allem, wenn geschnitten oder gesägt werden soll. Denn dem Werkzeug ist es gleich, ob es Holzlatten oder Gliedmaßen abtrennt. Aber die Folgen lassen sich mit einer angemessenen Schutzkleidung mindern, und durch die Konstruktion des Geräts kann die Wahrscheinlichkeit, einem Unfall zum Opfer zu fallen, deutlich vermindert werden. Wer Gewalt anwenden muss, etwa weil die Schneide stumpf ist, oder wer mit einer schüttelnden und rüttelnden Säge arbeitet, verliert leicht die Kontrolle.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Auf der Suche nach etwas Neuem hat sich deshalb der Gerätehersteller Bosch Gedanken gemacht, wie denn ein Trennwerkzeug aussehen könnte, das auch von Ungeübten leicht und sicher zu beherrschen ist. Herausgekommen ist nach langem Experimentieren eine Kleinsäge, die einzigartig ist. Es gibt kein Blatt mehr, das auf und nieder fährt wie das einer Stichsäge oder vor und zurück wie jenes der Säbelsäge, sondern eine umlaufende Kette ähnlich einer Ketten- oder Bandsäge, nur halt im Miniaturformat. Das von Bosch als Nano Blade bezeichnete Blatt oder besser Schwert mit Kette hat es in sich, denn das Unternehmen setzte als Ziel fest, dass es nur eingelegt werden muss und dann wartungsfrei arbeitet.

          Spannen und Schmieren sind nicht notwendig, es wird einfach gesägt, bis es ausgetauscht wird, weil die Zähne stumpf geworden sind. Davon gibt es in der kleineren Variante mit 50 Millimeter Schnitttiefe 44 und in der Version mit 65 Millimeter deren 52. Offenbar waren die Anforderungen nicht leicht zu lösen, denn nachdem der Fachwelt erste Exemplare zum Ausprobieren in die Hand gedrückt worden waren, wurde es erst einmal ruhig um die Innovation. Probleme mit der Kette, wurde gemunkelt.

          Eine Kompaktsäge und zwei Stichsägen

          Das ist nun Geschichte, derzeit stehen zwei Gerätetypen zur Verfügung, die mit der Minikette ausgerüstet sind: eine Kompaktsäge namens Easy Cut 12 zu Preisen ab 120 Euro (einschließlich Lithium-Akku, Ladegerät und Koffer), die mit einem Energiespeicher aus dem umfangreichen Sortiment mit 12 Volt Spannung arbeitet, und zwei Stichsägen für die Steckdose, die annähernd das Gleiche kosten. Das Arsenal an Blättern ist noch übersichtlich: Das etwas längere gibt es nur in der Ausführung Wood Speed, das kürzere auch in einer Basisvariante und in einer Version für Hartholz, die sich geringfügig in der Zahnung unterscheiden. Allesamt sollen sie für Schnitte in Holz, diverse Platten aus Verbundmaterial und Kunststoffe wie Plexiglas taugen.

          Der Easy Cut hat im Laufe der Entwicklung seine Gestalt geändert. Ursprünglich war angedacht, den Kopf mit verstellbarem Winkel auszustatten, das Gerät hat aber jetzt eine feste Kröpfung. Der erste Eindruck bestätigt sich im Gebrauch: Die Form ist für senkrechte Schnitte wie das Ablängen von Kantholz ideal, für liegende Platten aber ergonomisch ungünstig – hier wäre die Stichsäge angebracht. Das Gerät wirkt gut verarbeitet, und es ist mit knapp 900 Gramm Gewicht handlich. Nachdem mit dem Zeigefinger eine Sperre an der Seite gelöst ist, macht sich die Easy Cut mit dezentem Geräusch an die Arbeit. Weil das hektische Hin und Her einer herkömmlichen Säge fehlt, geschieht das ruhig und unaufgeregt. Die Easy Blade ist subjektiv so leicht und sicher zu bedienen, dass man versucht ist, die scharfen Zähne zu vergessen – gerade deshalb empfiehlt es sich, die das Werkstück haltende Hand zu schützen. Der Sägefortschritt ist in Anbetracht der feinen Zähne gut, etwa gleich schnelle Arbeit mit der Stichsäge erfordert eine grobe Zahnung. Ein Kantholz aus Fichte mit den Maßen 24 × 48 Millimeter ist in rund vier Sekunden durchtrennt, 38 × 58 Millimeter erfordert sieben Sekunden.

          Im Garten haben wir die Easy Cut zum Entasten verwendet, hier stößt sie allerdings an ihre Grenzen. Manche Holzarten gingen problemlos bis etwa vier Zentimeter Durchmesser, darüber wird die Arbeit mühsam. Andere Sorten frischen Holzes setzen die Kette rasch mit Spänen zu. Für dünne Äste ist eine gute Schere besser geeignet, für dicke geht es schneller mit einer Handsäge, allerdings halten wir die Verletzungsgefahr damit für größer. Dazwischen ist ein Fenster für sinnvolle Anwendung. Baumschonend ist der saubere Schnitt. Wichtig für die Arbeit mit der Stichsäge: Das Nano Blade ist für Tauchschnitte geeignet. Die von einigen Anwendern beschriebenen Defekte an der Kette haben wir nicht erlebt, auch Überhitzung kam nicht vor. Die Elektronik regelt den Leistungsbedarf je nach Widerstand, das erhöht die Arbeitszeit. Je nachdem, was gesägt wird, lässt sich gut eine Stunde oder etwas länger mit einer Akkuladung arbeiten, der Ladevorgang dauert etwa 90 Minuten. Der Wechsel des Sägeblattes gelingt in wenigen Augenblicken.

          Bleibt die Frage, wie oft er notwendig ist. Die Standzeit hängt naturgemäß davon ab, was gesägt wird, in unserer Anwendung – Kantholz und frische Äste – dauerte es erfreulich lange, bis wir subjektiv nachlassende Sägeleistung feststellten. Das ist auch notwendig, denn eine Ersatzkette ist mit Preisen zwischen 22 und 26 Euro je Stück erschreckend teuer. Für Dauereinsatz ist die Easy Cut also wohl nicht gedacht.

          Quelle: F.A.Z.

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