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Sieben Neuheiten für die Küche

© Frank Röth

Cook mal!

Von MARCO DETTWEILER

30.11.2016 · Heiße Ware für kalte Tage: Wir zeigen sieben Neuheiten für die Küche, die sich auch gut als Weihnachtsgeschenk eignen.

Am Ende kommt es immer auf Zeit und Temperatur an. Natürlich hängt die Qualität einer Tasse Tee auch von der Güte der Blattmischung ab. Doch während die Sorte wechseln kann, bleibt das Verfahren, wie man ihn brüht, das gleiche. Dafür sind zunächst nur eine Uhr und ein Thermometer nötig. Smartphones erleichtern das Prozedere, indem man den Timer stellt. Weil man sie ungern aus der Hand legt, ist die Reaktionszeit kurz, liegen nur wenige Sekunden zwischen dem Piepen der App und dem Trennen von Flüssigkeit und Blättern. Die Temperatur des Wassers zu messen erfordert mehr Aufmerksamkeit. Selbst wenn das Thermometer einen Signalton von sich gibt, muss es vor und nach der Brühzeit in und aus dem Wasser bewegt werden.

Den höchsten Automatisierungsgrad der Zubereitung erreicht die Teemaschine. Beim Auto würde man von einem selbstfahrenden Modell sprechen. Sie wärmt das Wasser, taucht den Tee ein, lässt ihn ziehen, holt ihn wieder raus und hält ihn warm. Nun gibt es sicher viele Teetrinker, denen so eine Maschine etwas zu autonom unterwegs ist, und die eher eine Einparkhilfe brauchen. Dafür eignen sich Geräte wie der Lono Tee- und Wasserkocher 2in1 für rund 150 Euro von WMF. Viel näher als der Autovergleich liegt aber eigentlich ein anderer: Die Teemaschine verhält sich zum Teekocher wie der Kaffeevollautomat zum Siebträger. Der Lono braucht die Hilfe des Menschen, der die wesentlichen Arbeiten übernimmt.

So beginnt die Teezeremonie mit dem vertrauten Griff zum Wasserkocher (der der Lono auch ist), um ihn unter dem Wasserhahn zu befüllen. Teeliebhaber werden diesen Schritt meiden, weil sie das Wasser vorher filtern, für sie also kommt ein Zwischenschritt dazu. Es gibt drei Maßangaben, einen halben Liter, einen ganzen und 1,4 Liter. Dann fängt das Rechnen mit dem Teemaß an, denn die Angaben beziehen sich meist auf einen Liter. Vier Knöpfe für 70, 80, 90 und 100 Grad Wassertemperatur stehen bereit, bei Bedarf kann auch jede Temperatur zwischen 60 Grad und kochend über den P-Knopf eingestellt werden. Der Lono kann das Wasser auch erst kochen, um es dann abkühlen zu lassen. Dann ist Geduld gefragt, bis der Countdown von 100 zur Grün-Tee-Temperatur heruntergezählt hat.

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Für den Test wechselte sich ein Kräutertee mit einem schwarzen und grünen Tee ab: Mango-Rosmarin, Darjeeling Nr. 6 FOP Second Flush und Japan Sencha Extra Fine. Somit galt es, häufiger die 70-Grad-Taste mit zwei Minuten Ziehzeit und die 100-Grad-Taste mit drei und sieben Minuten zu drücken. Man kann sogar eine Taste mit mehreren Ziehzeiten belegen, indem man sie entsprechend programmiert. Dann geht es schnell. Nachdem der Lono das Wasser rasch aufgeheizt hat, piepst er höflich, um den Menschen zu bitten, das Teesieb herunterzudrücken, damit die Blätter sich voll Wasser saugen und ziehen können. Ist die eingestellte Zeit erreicht, piepst er wieder, und man zieht das Sieb wieder nach oben. Jetzt nur noch die Siebeinheit mit dem Deckel tauschen – fertig ist die Teekanne.

Das Stövchen ist elektrisch und steht darunter. Ein Knopfdruck, und der Lono wärmt für 40 Minuten. Allerdings meint er es sehr ernst mit der Sicherheit. Wenn man die Kanne herunternimmt, um in die Tasse nachzugießen, bricht er die Wärmezeit vorzeitig ab und schaltet sich aus. Es gilt, die Warmhaltefuntion abermals einzustellen. Der Vorteil: Man kann ruhig aus dem Haus gehen ohne sich die Frage zu stellen, ob man den Teekocher ausgestellt hat. Nach einer Woche Teetrinken mit dem Lono ist diese Art der Zubereitung unser Favorit. Es geht schnell und exakt, wenige Handgriffe sind nötig, die Kanne lässt sich einfach reinigen, und das Sieb ist hinreichend groß, damit sich der Tee entfalten kann. Wie bei allen Wasserkochern wird sich im Lauf der Zeit die Heizplatte mit Kalk und Teeresten zusetzen. Durch Entkalken lässt es sich wieder lösen. Der Winter kann kommen.

Auf Abruf Der Trend ist nicht mehr zu stoppen: Kaffeevollautomaten müssen mit einer App bedienbar sein. Das glauben jedenfalls die Hersteller und stellten die Vernetzung vor Verköstigung. Auch Siemens wirbt bei der EQ.9 connect mit dieser Funktion. Jeder kann seinen Cappuccino oder Latte Macchiato konfigurieren und speichern. Die Freiheit, die EQ.9 bedienen zu können, „egal wo man gerade ist“, wird auch bei dieser Maschine dadurch stark eingeschränkt, dass der Kaffee immer noch abgeholt werden muss. Ansonsten hat der Vollautomat ein paar praktische Funktionen – wie den Milchaufschäumer, der direkt in die Tasse fährt, was die Reinigung erheblich erleichert.

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Im Einsatz Mit dem Optigrill hatte Tefal vor zwei Jahren ein erfolgreiches Produkt auf den Markt gebracht. Nun gibt es eine weitere Variante. Die Grundfunktion bleibt: Der Kontaktgrill misst, wie dick das Stück Fleisch, der Fisch oder die Wurst ist, und kann selbst entscheiden, wann das Grillgut blutig, medium oder gut durch ist. Der Grillmeister muss nur dem Gerät über ein Menü sagen, was er aufgelegt hat. Der Neue kann nun auch „Snacking & Baking“. Hinzugekommen ist ein Einsatz, der zwischen die beiden heißen Platten gesteckt wird. Dadurch entsteht ein kleiner Backofen, in dem man aufwärmen, garen, backen und gratinieren kann.

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Auf der Welle Wenn ein Unternehmen wie Wüsthof ein Messer mit dem Namen Kitchen Surfer herausbringt, das nur knapp 40 Euro kostet, kann das nur eines bedeuten: Da soll die junge Generation angesprochen werden. Mittlerweile ist die Edition 4 im Handel. Wüsthof sucht noch nach der für das Messer perfekten Klingenform.

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Eigentlich ähnelt es am meisten einem Kochmesser, hat leichte Anleihen beim Santoku, doch dafür ist es mit seiner zwölf Zentimeter langen Klinge zu kurz. Der Kitchen Surfer, der also eher über Zwiebeln, Tomaten und Möhren reitet, ist von der Funktion her ein Gemüsemesser. Doch die Salami auf dem Holzbrettchen lässt sich auch damit schneiden.

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In Ordnung Das Fondue ist eine Gerätegattung, die so ausgereift und innovationsgesättigt ist, dass sie nicht jedes Jahr neue Arten gebiert. Das Öl oder die Gemüsebrühe elektrisch aufzuheizen und dem Siedepunkt näher zu bringen dürfte der letzte große Paradigmenwechsel in diesem Genre gewesen sein. Ansonsten bleibt es bei einem Topf, über dessen Öffnung die üblichen Rangeleien stattfinden, um die beste Plazierung für das Stäbchen zu finden. WMF versucht mit seinem neuen Lono-Fondue dieses gesellschaftliche Moment zu verhindern, indem Ordnung geschaffen wird. Jede Gabel hat ihre feste Position. Sie stehen kerzengerade im Deckeleinsatz. So wird an Weihnachten nicht mehr gestritten – zumindest nicht um den Platz für die Gabeln.

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Wie damals Was tun Hersteller der Weißen Ware nicht alles dafür, um Hobbyköchen Arbeit abzunehmen! Auch an Weihnachten werden wohl wieder reichlich Küchenmaschinen verschenkt, die kneten, köcheln, rühren, häckseln, braten und alles andere können. Da tut es gut, mal wieder einen Klassiker von Krups in die Hand zu nehmen, den es seit 1959 gibt, und der für nur wenige Anwendungen da ist. Mit dem Handmixer 3 Mix 5500 schlägt man Sahne oder rührt Kuchenteig. Fertig. So wie Oma es getan hat. Während man die Zutaten in die Schüssel gibt, lässt sich wunderbar beobachten, wie sie zwischen die beiden Quirlaufsätze gezogen und untergemischt werden. Danach wird der restliche Teig abgeschleckt.

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Auf Zack Der AutoCook erweckte auf der IFA am Stand von Bosch unser Interesse, weil er sich zunächst als Küchengehilfe präsentierte. Er kann Arbeiten übernehmen, die häufig von der Zubereitung des Fleischs oder Fischs ablenken. So lässt sich der AutoCook auch als Schnellkochtopf verwenden. Er ersetzt die Friteuse, als Schmortopf bietet er sich ebenso an. Sogar Sous-Vide-Garen ist mit dem AutoCook möglich. Beim Auspacken des Testgeräts mussten wir dann aber erst mal das Kochbuch mit „100 internationalen Rezepten“ zur Hand nehmen. „50 voreingestellte Programme“ helfen, damit wirklich „jeder kochen kann“. Nur Zwiebeln kann das Gerät noch nicht kleinschneiden. So auto ist es dann auch wieder nicht.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 30.11.2016 10:49 Uhr