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Meerwasser-Aufbereitung : Das Salz muss raus

Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu diesem „Lebensmittel Nummer 1” Bild: Siemens AG

Trinkwasser wird knapper. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu diesem „Lebensmittel Nummer 1“. Entsalzungsanlagen können einen Teil der steigenden Nachfrage decken. Die Suche nach energieschonenden Verfahren.

          Sauberes Trinkwasser ist ein überaus kostbares Gut. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu diesem „Lebensmittel Nummer 1“. Zudem gibt es gleich mehrere Einflussfaktoren, die dafür sorgen, dass sich diese Situation ständig verschärft. So hat der Wasserkonsum je Einwohner in den an Süßwasser armen Ländern rund um den Persischen Golf mittlerweile ein Niveau erreicht, das deutlich über dem der Wohlstandsregionen in Europa und Amerika liegt. Die Bewohner Dubais nehmen mit einem Wasserverbrauch von etwa 1000 Liter je Tag sogar einen Spitzenplatz ein. Dagegen liegt in Deutschland der durchschnittliche Wasserverbrauch bei rund 130 Liter.

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Verantwortlich für den Mangel ist oft der zu sorglose Umgang mit dem kostbaren Nass: Wasserleitungen sind porös, oder mühsam gewonnenes Trinkwasser wird beim Einsatz in unterschiedlichsten industriellen Prozessen so stark verschmutzt, dass die natürlich gegebene Kreislauffunktion gestört wird. Das hat zur Konsequenz, dass Quellen versiegen oder nur noch ungenießbares Brackwasser liefern. Ein weiterer wichtiger Grund für den sich verschärfenden Mangel ist der Klimawandel, der mit ausbleibenden Niederschlägen und einer Versteppung weiter Regionen unübersehbare Zeichen setzt.

          Wasserverbrauch in der Welt wird weiter steigen

          Und der Wasserverbrauch in der Welt wird weiter steigen. Schätzungen nennen bis 2025 Zuwächse von bis zu 40 Prozent. Um den großen Durst zu stillen, kann man den sparsamen Gebrauch (vor allem in der Landwirtschaft) forcieren - und Meerwasser entsalzen. Davon stehen schier unerschöpfliche Vorräte zur Verfügung, bestehen doch rund 97,5 Prozent der verfügbaren Reserven aus salzhaltigem Meerwasser.

          Dabei ist die Entsalzung keine neue Erfindung. Schon vor 140 Jahren bauten die Briten eine erste Anlage im Golf von Aden, um ihre Kolonialflotte mit Trinkwasser, gewonnen aus dem Roten Meer, zu versorgen. Heute sind in der Welt mehr als 10.000 Anlagen in Betrieb, die Tag für Tag etwa 45 Milliarden Kubikmeter Süßwasser produzieren. Damit könnte man jeden Deutschen neun Jahre lang mit Trinkwasser versorgen.

          Das Gros der Anlagen setzt noch immer auf Verdampfen und anschließendes Kondensieren des Wasserdampfes. Man kopiert damit jenen Prozess, der fortwährend in der Natur abläuft und den Wasserkreislauf in Gang hält. Hatte man ursprünglich klassische Destillationsanlagen eingesetzt, beherrscht heute die 1960 entwickelte vielstufige Entspannungsverdampfung (MSF, englisch „multi-stage-flash evaporating“) den Markt.

          Druck und Temperatur nehmen langsam ab

          Dabei lässt man den beim „Kochen“ des Salzwassers entstehenden Süßwasserdampf an von Meerwasser durchströmten (Kühl-)Rohrwendeln kondensieren und überführt anschließend das Salzwasser in die nächste Kammer. Druck und Temperatur nehmen von Kammer zu Kammer langsam ab, so dass stets ein Teil des H2O verdampft. Häufig werden bis zu zwei Dutzend Verdampfungskammern hintereinandergeschaltet. Dieser Stufenprozess ist den Gesetzen der Thermodynamik geschuldet, nach denen es effizienter ist, die Druck- und Temperaturdifferenz nicht auf einmal, sondern in Kaskaden abzuarbeiten.

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