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Aktualisiert: 27.02.2014, 11:13 Uhr

Kapselmaschine im Test Aldi kann auch Kaffee

Kapselgeräte etablieren sich als Kaffeemaschine für Küche und Büro. Nespresso ist die klare Nummer eins. Doch nun drängt Aldi mit der Expressi und eigenen Kapseln auf den Markt.

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© Patrick Slesiona, F.A.Z. Die Kapselmaschine von Aldi mit dem komischen Namen „Expressi“

Kaffee aus der Kapsel schmeckt den Deutschen immer besser. Ende 2013 gaben die Kaffeetrinker schon jeden zehnten Euro für die schnelle Nummer aus, das entspricht fast dem Anteil der Softpads, der im Gegenzug derzeit sinkt. Auf den ersten Blick dürften die Gründe für diese Art der Kaffeezubereitung klar sein. Es geht einfach, erfordert wenig Aufwand, ist recht pflegeleicht, und die Ergebnisse sind immer gleich. Kapsel einlegen, Knopf drücken und Kaffee mit Crema genießen. Nach längerem Einsatz einer Kapselmaschine wird aber vielen Nutzern auffallen, dass der Kaffeegenuss im Vergleich zu anderen Brühmethoden ziemlich teuer kommt und zudem eine Menge Müll anfällt. Das Pulver in Kapselform kostet - auf 500 Gramm hochgerechnet - mindestens dreimal so viel wie beste Espressobohnen. Zudem sorgen die leeren Kapseln in Deutschland für mehrere tausend Tonnen Plastik- und Aluminiummüll.

Marco Dettweiler Folgen:

Marktführer der Kapselmaschinenhersteller ist unangefochten die Nestlé-Tochtergesellschaft Nespresso. Das Unternehmen hat zwar jüngst vor Gericht einen Prozess verloren, so dass jetzt auch Anbieter wie Master Blenders mit Senseo und Mondelez mit Jacobs und Tassimo Kapseln für diese Maschinen anbieten dürfen. Doch Nespresso hat eine technische Möglichkeit gefunden, deren Einsatz zu erschweren. In den neuesten Geräten der Serien U, Pixie und Inissia ist der Anstechmechanismus so verändert, dass das Material fremder Kapseln die Maschinen beschädigen kann. Doch es gibt für die Verbraucher durchaus gute Gründe für alternative Kapseln: Nespresso verlangt je Stück zwischen 35 und 42 Cent, und das ist die Chance für Aldi. Der Discounter bietet jetzt Kapseln für rund 19 Cent und liefert die passende Maschine gleich mit. Sie heißt „Expressi“ und kostet 70 Euro. Auch hier gibt es eine Reihe Espressi-, Ristretto- und Lungosorten. Aldi bietet zudem als „Spezialitäten“ fertigen Cappuccino, Latte macchiato und den Typ Cioccolata Cacao an.

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Der Aufbau der Maschine ähnelt allen anderen Geräten. Der Wassertank sitzt an der Rückseite des Gehäuses. Bei der Expressi muss man ihn etwas umständlich erst ein wenig kippen, bevor man ihn herausnehmen und befüllen kann. Ähnlich hakelig ist der Auffangbehälter für nachtropfenden Kaffee und die verbrauchten Kapseln. Dieser Teil muss erst kurz zurückgedrückt werden, um ihn zu entfernen. Das Ganze lässt sich in drei Teile zerlegen. Es ist aufgrund der Ecken und Kanten etwas Gefummel, bis man jedes Teil ordentlich sauber hat. Die Tassenauflage muss man wechseln, wenn man Kaffeebecher oder Macchiatogläser darunterstellen will. Aber von Aldis besonderen Kreationen lässt der Kenner am besten die Finger. Das Milchpulver, das ebenfalls in Kapselform beiliegt und als zweite Ladung eingelegt wird, ist furchtbar süß.

Die Maschine funktioniert ansonsten gut. Mit einem riesigen Hebel öffnet man den Mechanismus, der die Kapsel mit vier Dornen aufspießt und heißes Wasser mit angeblich 19 Bar durch den Kaffee presst. Die Kapsel fällt etwas zu locker in die Halterung und lässt sich nicht exakt einlegen, so dass sie manchmal unterwegs hängenbleibt und durch Wackeln mit der Maschine nachgeholfen werden muss. Erfreulich und ärgerlich zugleich ist die Spülfunktion. In unregelmäßigen Abständen blinkt die unterste Taste blau und verlangt danach, gedrückt zu werden, damit das Innere mit heißem Wasser durchgespült wird. Das ist sinnvoll. Aber die Taste blinkt auch mal spontan auf, wenn man gerade eine Kapsel eingelegt hat - und dann kann man diese erst einmal vergessen.

Wie auch immer: Das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen. Es bildet sich eine schöne Crema. Bezüglich des Geschmacks gab es in der Redaktion unterschiedliche Urteile. Zusammengefasst könnte man sagen: Der Aldi-Kaffee schmeckt nicht ganz so gut wie der von Nespresso. Oder anders formuliert: Der Kaffee des Marktführers kostet doppelt so viel, ist aber nicht doppelt so gut wie der Aldi-Espresso.

28146976 © Hersteller Vergrößern Die etwas teurere Alternative: Nespresso Umilk von DeLonghi

Im Vergleich überzeugen uns die Handhabung und das Design der Nespresso-Maschine von DeLonghi um einiges mehr. Da Nestlé mehrere Lizenzen verteilt hat, gibt es die Umilk baugleich von Krups. Beide bekommt man bei Amazon für 160 und 180 Euro. Die Umilk ist kleiner und wirkt feiner als die Expressi von Aldi. Wenn man die Kapsel in die Öffnung einführt, sitzt sie dort passgenau. Zum Kapselwechsel schiebt man lediglich die kleine Abdeckung zurück, so schaltet man die Maschine zugleich ein. Dieser Vorgang ist im Vergleich zur Aldi-Maschine eleganter. Der entscheidende Vorteil der Umilk ist der Milchaufschäumer. Beim neuen Modell ist der Wassertank beweglich und kann somit links oder rechts des Gehäuses positioniert werden. Beide Behälter lassen sich einfach abnehmen und befüllen. Der Milchaufschäumer wird unter laufendem Wasser schnell sauber, für die Spülmaschine ist er nicht geeignet.

Er hat aber zwei Schwächen. Zum einen ist der Kunststoffdeckel nicht ganz dicht, so dass sich ab und zu Milchschaum herausdrückt und am Rand herunterläuft. Zum anderen bleibt immer ein Rest zurück, wenn man den Milchschaum in die Tasse gießt. Das ist schade. Denn er hat aufgrund seiner Cremigkeit eine nahezu perfekte Konsistenz. Der Geschmack eines Cappuccino mit echter Milch ist um Galaxien besser als die Pseudo-Milch-Kreation der Expressi. Aber man kann sich ja zur Aldi-Maschine einen separaten Milchaufschäumer zulegen. Möglicherweise interessiert manchen Käufer auch, dass die Kapseln von Aldi aus Plastik bestehen und die von Nespresso aus Aluminium. In beiden Fällen sollte man darauf achten, dass man die verbrauchten Kapseln in die Wertstofftonne wirft. Hoffen wir mal, dass das Material wiederverwertet wird.

Im Schneckengang

Von Lukas Weber

Über die Bürokraten in Europa zu schimpfen gehört zur Folklore. Aber manchmal wünscht man sich dann doch etwas mehr Vereinheitlichung in der Union. Mehr 1 1

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