http://www.faz.net/-gy9-82dbf

Diesel aus CO2 : Klare Brühe für die Ministerin

Die Hochtemperatur-Dampfelektrolysekammer in der Anlage von Sunfire Bild: dpa

Dienstwagen-Premiere in Berlin: An diesem Dienstag wird der Audi A8 der Bundesforschungsministerin Wanka mit künstlichem Diesel betankt. Unser Autor erklärt, wie der Kraftstoff hergestellt wird.

          Dienstwagen eignen sich offenbar ganz gut, Neues zu demonstrieren. An diesem Dienstag soll der Audi A8, in dem Bundesforschungsministerin Johanna Wanka zu ihren Terminen eilt, mit künstlichem Diesel betankt werden, der aus nichts anderem als Kohlendioxid (CO2), Wasser und Ökostrom hergestellt ist. Die glasklare Flüssigkeit, die nun erstmals aus der kürzlich fertiggestellten Demonstrationsanlage der Dresdner Sunfire GmbH tropft, ist frei von Schwefel und Aromaten, sie verbrennt deshalb besonders sauber und hat die gleiche Energiedichte wie fossiler Diesel.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die für die Zündwilligkeit des Kraftstoffs maßgebliche Cetanzahl liegt nach vorläufigen Laborergebnissen bei etwa 70. Zum Vergleich: Der Diesel an den Tankstellen hat zwischen 50 und 55 Cetan, der Premiumtreibstoff Aral Ultimate wird mit 60 angegeben. Der Kraftstoff namens Blue Crude aus der Power-to-Liquids-Anlage eignet sich damit bestens für die Beimischung zu herkömmlichem Diesel, um dessen Eigenschaften zu verbessern. Synthetischen Kraftstoff verwendet zu diesem Zweck auch Shell für sein Premiumprodukt V-Power. Er wird aber bisher aus Erdgas hergestellt.

          Die neue Anlage in Dresden wurde im November der Öffentlichkeit vorgestellt. Kernstück ist eine Hochtemperatur-Elektrolyse, die den Wasserstoff aus 800 Grad Celsius heißem Wasserdampf produziert. Das neue Verfahren hat einen bisher nicht erreichten Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent. Es funktioniert im Prinzip wie eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle, nur umgekehrt. Es wird also Strom nicht produziert, sondern für die Herstellung des Treibstoffs verbraucht. Dafür soll überschüssiger Ökostrom verwendet werden.

          Nachgeschaltet ist eine Anlage, die aus Wasserstoff und CO2 nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren Synthesegas produziert und die Wärme für die Hochtemperatur-Elektrolyse liefert. Aus dem Gas lassen sich die gewünschten Kohlenwasserstoffe herstellen, darunter künstlicher Diesel oder auch reine Fette für die Kosmetikindustrie. Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen so 0,7 kWh Treibstoff. Je Tonne werden 3,2 Tonnen CO2 in den Kreislauf zurückgeführt.

          Die Kosten je Liter gibt Sunfire mit rund 1,30 Euro an. Da die Anlage im Grunde eine Brennstoffzelle ist, lässt sie sich auch zum Puffern von Überschussstrom verwenden. Aus diesem entsteht dann Wasserstoff, der gespeichert und bei Bedarf wieder in Strom verwandelt werden kann.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Gabriel gegen Enddatum für Verbrennungsmotoren Video-Seite öffnen

          Diesel : Gabriel gegen Enddatum für Verbrennungsmotoren

          Außenminister Sigmar Gabriel hat sich gegen ein Ausstiegsdatum für den Verbrennungsmotor und gegen Fahrverbote für Diesel-Pkw ausgesprochen. Der SPD-Politiker lehnt auch Fahrverbote für ältere Diesel-Autos ab.

          Topmeldungen

          Bereits bei Wahlkampfauftritten der Kanzlerin hatte es in Sachsen massive Proteste gegen Merkel gegeben.

          AfD-Hochburg : Das macht ihnen Angst

          Nirgends ist die AfD so stark wie in Ostsachsen. Manche fühlen sich dort von der Politik vergessen. Doch das sind nicht nur zornige alte Männer.

          Gesundheitsreform : Trump wird Obamacare wohl nicht mehr los

          Donald Trump hatte versprochen, Obamas Gesundheitsversicherung abzuschaffen – und scheitert wohl erneut an der eigenen Partei. Eine Senatorin aus Maine will die entscheidende Stimme verweigern. Sie berichtet von Druck aus dem Weißen Haus.
          Arbeiter transportieren in Berlin ein CDU-Plakat ab.

          Ist Merkel schuld? : Bloß kein Scherbengericht in der CDU

          Die CDU drückt sich fürs Erste um eine tiefere Analyse ihres historisch schlechten Ergebnisses. Doch Merkels Partei steht nun vor riesigen Herausforderungen.

          Kanzlerkandidat a.D. : Noch schont die SPD Schulz

          Am Tag nach dem historischen Wahldebakel beginnt in der SPD die Suche nach Fehlern, Konsequenzen und Schuldigen. Auch wenn es keiner offen ausspricht, ist die Machtbasis von Ex-Kanzlerkandidat Schulz wacklig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.