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X-Technology : Total von den Socken

Ein schöner Rücken: Phasenverlaufsmessungen der Wärmeentwicklung und Schweißausbreitung mit der Wärmebildkamera unter 45-Minuten-Vollbelastung. Bild: Hersteller

X-Bionic setzt auf Textilien in hoher Auflösung und individualisiert Sportkleidung. Die Marke hat es sich zum Ziel gemacht, bionische Erkenntnisse aus der Natur zu nutzen. Bringt das was?

          Die Geschichte begann Ende 1996 „beim Italiener“ in Köln. In einem Lokal der Domstadt traf Bodo Lambertz, Professor und Unternehmensberater aus der Schweiz, auf einen Sockenfabrikanten aus Norditalien, der gerade schwierige Zeiten durchmachte. Gegen die Konkurrenz aus Billiglohnländern tat der Textilmann sich schwer, Aufträge zu ergattern. Wann immer er ein Angebot vorlege, so klagte der Fabrikant, werde er von Konkurrenten unterboten, die zu niedrigeren Preisen herstellten. Dann müsse man halt, erwiderte sein Gesprächspartner, die Socke neu erfinden. So kam es, dass der Professor zu einer Art Bill Gates der Socken wurde.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Er begann sich einmal ganz grundsätzlich mit dem Thema Fuß zu befassen und die Tatsache zu berücksichtigen, dass über die Füße am Tag bis zu 250 Milliliter Schweiß ausgeschieden werden, also ungefähr die Menge einer Getränkedose. Er überlegte, wie sich im Schuh ein Barfußklima erzeugen, der Abtransport der Luft gestalten lasse, wie Kunstfasern einzusetzen seien, besonders dünnes Material hier und strategisch plazierte Polsterzonen dort. Er ersann unterschiedliche Socken für den rechten und den linken Fuß, Modelle, die auf bestimmte Sportarten zugeschnitten waren, kurzum: komplexe Funktionssocken, wie es sie bis dahin nicht gab.

          Lambertz rief die Marke X-Socks ins Leben, gefolgt von X-Bionic für sonstige Funktionstextilien. Rund 24 Millionen Euro wurden im Verlauf von 20 Jahren in die Sockenforschung investiert, weitere 16 bis 17 Millionen Euro in die Entwicklung anderer Funktionsbekleidung. Mehr als 820 Patenteintragungen weltweit sammelten sich an, dazu gut 600 Markeneintragungen, diverse Innovationspreise.

          Über 300 Produkte für unterschiedlichste Aktivitäten: Zum Beispiel die Kompressionsunterwäsche „Energy Accumulator“.

          Die Professorensocke war die erste Socke, um deren Schutz vor Gericht gestritten wurde. Das erzählt nicht ohne Stolz Patrick Lambertz, der Sohn des Gründers. Er leitet als operativer Geschäftsführer heute das Unternehmen X-Technology, das sich als „Ideenschmiede für hochfunktionelle Bekleidung“ versteht und hinter den Marken X-Socks und X-Bionic steht. Mehr als 300 Produkte verschiedenster Art für unterschiedlichste Aktivitäten umfasst das Sortiment. Das wahrscheinlich bekannteste darunter ist die Kompressionsunterwäsche namens „Energy Accumulator“, seit 15 Jahren stetig weiterentwickelter Bestseller des Unternehmens.

          Exklusiv und außergewöhnlich

          X-Technology verfolgt den Ansatz, bionische Erkenntnisse aus der Natur zu nutzen und durch Thermoregulation beim Sport Energiereserven freizusetzen. In Frage gestellt wurde laut Patrick Lambertz von Anfang an der Grundsatz, Schweiß müsse auf jeden Fall vom Körper wegtransportiert werden. Die Schweizer nutzen ihn stattdessen, großflächig auf der Haut verteilt, zum Kühlen durch Verdunstung. Lambertz vergleicht das Prinzip mit dem Fell eines Tiers. Für nächstes Jahr kündigt X-Technology die Einführung eines neuen Materials namens „Thermo-Syphon“ an. Dabei soll es sich um ein Textil mit einem besonders aufwendig konstruierten System aus Tunneln und Kanälen handeln. Es wird den Ankündigungen zufolge noch effizienter als das bisherige „3D Bionic Sphere“ einerseits in Ruhephasen wärmen und andererseits bei Aktivität durch Verdunstungskühle erfrischen, indem Schweiß dosiert zu den richtigen Stellen geführt wird. In der Kollektion für Frühling und Sommer 2019 wird Thermo-Syphon in Kleidung für den Lauf- und den Radsport, von Herbst an auch in weiteren Produkten erhältlich sein.

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