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Holzpellets : Zum Verfeuern um die halbe Welt

Die Holzpellets: Sumpfkiefern, zu kleinen Chips verarbeitet Bild: Küffner

Pellets werden in Amerika in Großanlagen hergestellt. Dann verbrennt man sie in Europa zur Stromerzeugung - dank Subventionen. In Georgia betreibt RWE das größte Pelletwerk der Welt.

          Platz ist reichlich vorhanden rund um die 30.000-Einwohner-Gemeinde Waycross im Süden Georgias. Entsprechend großzügig hat man auf einer Fläche von 300 Hektar (entspricht 400 Fußballplätzen) das vor wenigen Tagen eröffnete (Holz-)Pelletwerk anlegen können, das nach einigen Kinderkrankheiten jedes Jahr 750.000 Tonnen dieser an die Losung von Feldkaninchen erinnernden Brennstoffpillen produzieren soll. Dass man die geplante Tonnage erreichen wird, daran besteht kaum Zweifel. Denn mit dem Bau großer Pelletanlagen hat die kleine Schar der Unternehmen, die sich auf diese Technik spezialisiert haben, mittlerweile hinreichend Erfahrung. In der Welt arbeiten heute knapp 900 Pelletanlagen. Das Gros erreicht zwar nur Jahresleistungen von weniger als 50.000 Tonnen, doch es kommen immer mehr große dazu, die sich von den kleineren vor allem darin unterscheiden, dass sie nicht mit einer oder zwei Pressen arbeiten, sondern gleich mit einigen Dutzend.

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nach den Angaben der auf Energiefragen spezialisierten Pöyry Management Consulting in London betrug die internationale Nachfrage nach Holzpellets im Jahr 2010 rund 16 Millionen Tonnen. Die Produktion in Deutschland liegt derzeit bei jährlich 1,75 Millionen Tonnen; der Verbrauch dagegen „nur“ bei 1,29 Millionen. Pöyry rechnet bis zum Jahr 2020 mit einem Nachfrageanstieg in der Welt auf 46 Millionen Tonnen. Mehrere große Anlagen werden derzeit gebaut oder sind in Planung. So steht eine 900.000-Tonnen-Anlage des russischen Produzenten Vyborgskaya Cellulose vor der Inbetriebnahme. Und der brasilianische Papier- und Zellstoffkonzern Suzano hat vor, drei Werke mit einer Gesamtkapazität von drei Millionen Tonnen bis zum Jahr 2015 in Betrieb zu nehmen.

          Rohstoff stehe ausreichend zur Verfügung, und in den kommenden zehn Jahren werde es „keine relevanten Einschränkungen der Verfügbarkeit von Biomasse“ geben, die das Wachstum des Pelletmarktes begrenzen könnten, sagt der Biomasse-Experte Hannes Lechner von Pöyry. Die Grundsätze einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung, für die Zertifizierungssysteme wie FSC (Forest Stewardship Council) etabliert sind, müssten nicht aufgegeben werden. Allerdings werde an Zertifizierungssystemen für „Biomasse zur Energieerzeugung“ noch gearbeitet. Einen vielversprechenden Ansatz liefere die in den Niederlanden entwickelte Biomass Sustainability Certification NTA 8080.

          Rohstoff für die Pelletproduktion sind bei Georgia Biomass sogenannte Sumpfkiefern, die auf einem riesigen Holzplatz zwischengelagert werden
          Rohstoff für die Pelletproduktion sind bei Georgia Biomass sogenannte Sumpfkiefern, die auf einem riesigen Holzplatz zwischengelagert werden : Bild: Küffner

          Ziel Niederlande und Großbritannien

          Das Herstellen von Holzpellets ist kein Hexenwerk, wie man in der RWE Innogy finanzierten Anlage „Georgia Biomass“ sehen kann: Auf dem sogenannten Holzplatz werden die mit Auflieger-Trucks angelieferten Plantagenkiefern zwischengelagert, anschließend wirft sie ein Greifarmbagger auf ein Förderband, auf dem sie in eine sich langsam drehende riesige Trommel wandern. Hier entkleidet man die Stämme ihrer Rinde, um sie danach im Chipper mit mächtigen Messern in kleine Stücke zu zerhacken. Um dem jetzt noch nassen Holz die Feuchtigkeit bis auf einen kleinen Rest zu entziehen, muss geheizt werden. Die dazu nötige Energie liefert ein mit der abgeschälten Rinde befeuerter „Ofen“, während man die Hackmesser für den Beginn des Prozesses, die für den Transport der Chips durch die Trockentrommel benötigten Saugzugventilatoren und die für die Formgebung zuständigen 22 Pellet-Pressen mit dem Strom des lokalen Energieversorgers in Gang setzt. Dafür erneuerbare Energie einzusetzen lohne nicht, sagen die RWE-Verantwortlichen. Mit dem von diesem Stromlieferanten angebotenen Preis von 3,5 Cent je Kilowattstunde könne keine Ökoenergie mithalten.

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