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Hörschaden : Bei 99 Dezibel hat die Toleranz ein Ende

  • -Aktualisiert am

Die Zahl der Hörgeschädigten wächst Bild: DAMM

Die neue DIN-Norm fordert Hinweise oder Warndurchsagen ans Publikum. Überschreitungen des Lärmpegels können nicht nur dem Gehör teuer zu stehen kommen: Veranstalter können für Hörschäden haftbar gemacht werden.

          In Deutschland haben mehr als 15 Millionen Menschen eine Hörschwäche, Tendenz steigend, vor allem bei Jugendlichen. So hat nach Schätzungen heute jeder vierte irreparable Hörschäden. Als Gründe werden Umwelt- und Freizeitlärm genannt. Nun ist jedoch eine neue DIN-Norm erschienen, nach welcher der Schallpegel bei Veranstaltungen auf 99 Dezibel (dB) zu begrenzen ist. 99 dB ist eine Lautstärke, die ein Presslufthammer in einer Entfernung von einem Meter erzeugt. Eine DIN-Norm hat zwar keine Gesetzeskraft. Dennoch wird sie, wenn es zu einem Streitfall kommt, von Gerichten als Urteilsgrundlage herangezogen. Mit anderen Worten: Auf Konzertveranstalter und Diskothekenbetreiber kommen einige Neuerungen zu.

          Die neue DIN 15905-5 gilt seit November und ersetzt die aus dem Jahr 1989 stammende erste Version. Auch sie regelt die zulässigen Schallpegel bei Veranstaltungen aller Art: Schallemissionen in Filmtheatern, bei Shows, Events, Open-Air-Konzerten oder bei Festumzügen und Stadtfesten. Nach der alten Norm durfte der Maximalpegel, gemittelt über einen Zeitraum von zwei Stunden, 99 dB betragen. Dauerte ein Konzert nur eine Stunde, waren bis 102 dB zulässig. Nach dem neuen Entwurf gelten ebenfalls 99 dB als Grenzwert, jetzt aber unabhängig von der Dauer der Veranstaltung. Ebenfalls darf, wie bisher, kurzfristig ein Spitzenwert von 135 dB zu keinem Zeitpunkt überschritten werden.

          Auf Hörgefährdung muss hingewiesen werden

          Wo jedoch dürfen diese Lautstärken auftreten? Natürlich nicht irgendwo, zum Beispiel in den hinteren Stuhlreihen, sondern generell an keiner einzigen dem Publikum zugänglichen Stelle. Auch wenn die Festlegung auf den „alten“ Pegel von 99 dB auf den ersten Blick nicht besonders vorsorglich erscheint, muss man bedenken, dass die meisten Menschen nicht täglich Konzerte besuchen. Außerdem finden zwischen den einzelnen Musikdarbietungen fast immer Pausen statt, in denen sich das Gehör erholen kann. Darüber hinaus ist die durchschnittliche Belastung auf den meisten Hörplätzen geringer als auf Plätzen in der Nähe der Schallemission, sprich Lautsprecher.

          Von größerer Bedeutung sind jedoch folgende Neuheiten: Ist zu erwarten, dass der mittlere Pegel den Wert von 85 dB (entspricht dem Lärm einer Hauptverkehrsstraße) überschreitet, muss das Publikum auf eine mögliche Hörgefährdung hingewiesen werden. Das kann per Durchsage erfolgen oder durch Informationsmaterial, das an den Vorverkaufsstellen und der Abendkasse auszulegen ist. Ab 95 dB geht's für den Veranstalter jedoch echt ins Geld. Zum einen muss er für die Besucher einen Gehörschutz bereithalten und zum anderen das Publikum mit Durchsagen oder Leuchtanzeigen zum Tragen auffordern.

          Die zulässige Dosis ist schnell erreicht

          Da jegliche Hinweise auf mögliche Hörschäden für einen Veranstalter gewiss nicht gerade angenehm sind, wird er, so die Absicht der Fachleute, alles daransetzen, dass der Schallpegel nicht die 95- oder 99-dB-Grenze überschreitet. Die einfachste Möglichkeit dafür sind Verstärkeranlagen mit Begrenzer, die gegen unbefugte Veränderungen, zum Beispiel durch Plombieren der Bedienungselemente, gesichert sind. Noch ein Wort zu Gehörschäden: Um diese zu vermeiden, darf eine bestimmte Lärmdosis nicht überschritten werden. So wird die Grenze der wöchentlich zulässigen Dosis bereits erreicht, wenn ein Schallpegel von 85 dB über 40 Stunden andauert. Bei 95 dB sind es vier Stunden und bei 101 dB gar nur noch eine Stunde - je Woche wohlgemerkt. Die übrige Zeit braucht das Ohr, um sich zu erholen.

          Unabhängig von der neuen Norm sollte sich jeder, der laute Veranstaltungen besucht, selbst schützen. Es müssen ja nicht gleich die kopfhörerähnlichen Hartplastikschalen sein. Meist reichen schon kleine Gehörschutzstöpsel, die man für wenige Cent beim Hörgerätefachhandel bekommen kann. Wer häufig hohen Schallpegeln ausgesetzt ist, kann sich beim Akustiker auch individuell angefertigte Stöpsel aus Acryl oder Silikon anfertigen lassen. Sie sind langlebig, angenehm zu tragen, und der Grad der Schalldämpfung kann auf Wunsch festgelegt werden. So ausgestattet, ist man auf der sicheren Seite. Selbst mittenmang einer kreischenden Fangemeinde. Für sie gilt nämlich die DIN-Norm nicht.

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