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Historische Empfangsgebäude : Neues Leben für den alten Bahnhof

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Kronberg heute: Der Zug der Zeit nagt arg am traditionsreichen Bahnhof Bild: Thomas

Essen, arbeiten, wohnen, feiern: Historische Empfangsgebäude an deutschen Bahnhöfen erhalten neue Nutzungen. Das ist eine gute Alternative zu Leerstand und Verwahrlosung.

          Klassische Bahnhofsgebäude haben über die Jahre viele ihrer angestammten Funktionen verloren: Tickets kommen heute aus dem Automaten oder werden über eine App gebucht, die Fahrplanauskunft (Anzeige der Verspätungen inklusive) holt man sich vom Smartphone. Auch Gepäck-, Stückgut- und Expressgutservice mit Annahme am Bahnhof bietet die Bahn schon lange nicht mehr an. Damit sind zahlreiche Arbeitsplätze am Bahnhof weggefallen – und mit ihnen die entsprechenden Dienstwohnungen im Bahnhofsbau. Auch die Stellbezirke der Fahrdienstleiter sind dank der modernen Leit- und Sicherungstechnik wie den elektronischen Stellwerken und Betriebszentralen nicht mehr an den Bahnhof am Ort gebunden. Fazit der Bahn: „Die meisten der Gebäude sind aus heutiger Sicht überdimensioniert und oft nicht wirtschaftlich zu betreiben.“

          Das Problem betrifft nicht die betriebliche Präsenz der Eisenbahn in der Fläche. Denn am Bestand der sogenannten Verkehrsstationen für den Personenverkehr hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas geändert. Allein die Deutsche Bahn listet rund 5400 Bahnhöfe (diese haben neben den Durchgangsgleisen mindestens eine Weiche, so dass Züge auch warten oder ausweichen können und Rangierarbeiten möglich sind) und Haltepunkte (hier gibt es nur Durchgangsgleise, so dass Züge nur beginnen, halten, enden sowie wenden können) im eigenen Netz auf. Dazu kommen Bahnhöfe privater Bahnen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen nennt für alle Eisenbahninfrastrukturunternehmen der Bundesrepublik rund 7000 Bahnhöfe und Haltepunkte.

          Den Bahnhofsgebäuden aus der Gründerzeit hilft das trotzdem nicht. Und so spiegelt sich der oben beschriebene Wandel im Zustand vieler Empfangsgebäude, wie die Hauptgebäude von Personenbahnhöfen offiziell heißen, in Deutschland wider. Insbesondere an kleinen Bahnhöfen stehen die häufig prachtvollen Immobilien aus dem 19. Jahrhundert und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entweder leer oder haben eine neue Nutzung gefunden. Natürlich gibt es die großen Verkehrsdrehscheiben wie den Frankfurter Hauptbahnhof, in denen das Leben pulsiert.

          Und die Deutsche Bahn AG selbst besitzt derzeit noch 750 Empfangsgebäude. Rund 700 Millionen Euro hat sie allein im vergangenen Jahr in deren Modernisierung und Unterhalt investiert. Doch der Trend ist deutlich: Seit der Zusammenlegung von Bundesbahn und Reichsbahn sowie der Privatisierung im Jahr 1994 hat das Unternehmen rund 2200 Empfangsgebäude verkauft. Weitere Objekte kommen kontinuierlich auf den Markt. Wie beispielsweise wäre es mit dem Bahnhof von Hattenheim im Rheingau aus dem Jahr 1885? Oder dem nur ein Jahr jüngeren Empfangsgebäude im nahen Geisenheim?

          Dass die Wiederbelebung eines Empfangsgebäudes nicht immer leicht ist, zeigt der laufende Prozess in der Stadt Kronberg im Taunus. Bilderstrecke

          Beim Verkauf von Empfangsgebäuden setzt die Bahn insbesondere auf die jeweiligen Kommunen, die vor dem Verkauf angesprochen werden und ein Vorkaufsrecht erhalten, sowie auf private Investoren mit einem überzeugenden Nutzungskonzept. Zu den erfolgreichen Konversionen gehören Geschäfte, Kulturzentren, Restaurants, Standesämter und Museen, aber auch produzierendes Gewerbe wie zum Beispiel die Uhrenmanufaktur Glashütte, Arztpraxen, Büros und Wohnungen. Aus Sicht der Bahn hat die Privatisierung der Bahnhofsbauten also erhebliches Potential. „Zahlreiche Beispiele belegen, dass die Gebäude oft eine Wiedergeburt als repräsentative Visitenkarte von Eisenbahn und Ort erleben – so, wie ihre Bauherren es in der Gründerzeit der Eisenbahn beabsichtigten“, heißt es dazu von DB Station und Service. Das Tochterunternehmen der Bahn ist Europas größter Betreiber von Bahnhöfen.

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