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Spektakuläre Fassaden : Im Glashaus

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Spektakuläre, dreidimensionale Freiformen: Wie Kieselsteine ragen die Gebäude des King Abdulaziz Center for World Culture in der Wüste von Saudi-Arabien auf. Bild: Hersteller

Glas fasziniert den Mensch schon lange. Manche Fassaden aus Glas werden jedoch tatsächliche architektonische Meisterleistungen.

          Glas fasziniert den bauenden Menschen. Nicht nur, dass es Licht- und Sichtbeziehungen zwischen Drinnen und Draußen ermöglicht. Auch als Strukturbaustoff wird es gern genommen. Außergewöhnliche Privatdomizile zeugen davon, öffentliche Einrichtungen und Gewerbegebäude in jeglicher Größe. Und sogar Luxusyachten. Glas bringt Funktion sowie Effekt ins Haus.

          Flachglas ist für Scheiben Standard, die Kunst sind gebogene Formen. Der Mittelständler Seele aus Gersthofen bei Augsburg ist eines jener Unternehmen, die auf komplizierte Ganzglaskonstruktionen und Fassadenbau mit Glaselementen spezialisiert sind. So entstanden eindrucksvolle Gebäude: Die Europäische Zentralbank in Frankfurt, das Maximilian-Museum in Augsburg, der Bahnhof in Straßburg, das Stadion in München, der Bahnhof King’s Cross in London, Apple-Geschäfte landauf und landab. Und auch das Seele-Firmengebäude hat selbstredend eine eindrucksvolle Glasfassade.

          Am Anfang jedes Gebäudes und jeder Yacht steht der Entwurf des Architekten, der zugleich die Bauherrnwünsche widerspiegelt, wie Konstruktionsleiter Dieter Schnell sagt. Dort ist beispielsweise eine kunstvolle Glasfassade oder ein außergewöhnliches Glasdach eingezeichnet. Oder gleich eine Ganzglaskonstruktion, also ein gläsernes Bauwerk, das ohne herkömmliche Tragwerke auskommt. Wie der Entwurf umgesetzt wird, interessiert den Architekten zwar, doch er vertraut dabei auf den Spezialisten. Gemeinsam tüfteln sie an der Lösung, bis Planer, Bauherr und Fertiger zufrieden sind. In großen Gebäuden kommen manchmal mehrere hundert Scheiben zum Einsatz. Seele bringt jede in die passende Größe und Form und sorgt für Verbindung sowie Stabilität der gesamten Konstruktion.

          Hinter der futuristischen Metallfassade verbergen sich rund 4.000 Quadratmeter ebenfalls frei geformte Glasscheiben. Bilderstrecke
          Hinter der futuristischen Metallfassade verbergen sich rund 4.000 Quadratmeter ebenfalls frei geformte Glasscheiben. :

          Welches Glas ist gewünscht oder notwendig? Soll es eine Farbe, eine Oberflächenstruktur oder eine Beschichtung erhalten? Wie viele Einzelscheiben sind notwendig, um das große Ganze zu erstellen, und welche Geometrie müssen sie haben? Wie sieht es mit der Wärmedämmung aus? Und fast nebenbei und doch tragend werden zusätzlich solche Fragen gewälzt, wie denn die stabilitätsgebenden Verbindungen erstellt werden. Darf man sie sehen, sind sie also ein Teil der Ästhetik, oder sollen sie sich dezent im Hintergrund halten?

          Besondere Kompetenz von Seele ist die Formgebung. Beim Montagebiegen liegt ebenes Glas auf einer Unterkonstuktion, wird mit Kraft verformt und in dieser Position mit Klemmleisten fixiert. Wo diese Technik an ihre Grenzen stößt, wird das Glas erhitzt und in Form gebracht, oder eine zwischen zwei Scheiben eingebrachte Folie hält das Laminat in der gewünschten Biegung.

          Während die Fertigung läuft, wird längst überlegt: Wie lässt sich das gesamte bruchsensible Arsenal später auf die Großbaustelle bringen und dort effizient und zuverlässig errichten, ohne dass Zeitpläne und andere Gewerke aus den Fugen geraten?

          Heraus kommt in der Regel ein Unikat. Nicht alles ist allerdings möglich. Eine Grenze setzt beispielsweise die Größe der Scheiben, die von den Lieferanten kommen. Die maximale Breite ist durch die Fertigungsanlagen vorgegeben, sie beträgt 3,2 Meter. Die Länge ist grundsätzlich unbegrenzt. Doch muss geklärt sein, wie ein mögliches Scheibenmonstrum unbeschädigt transportiert werden kann. In der Praxis liegt die Höchstgrenze bei 16,5 Meter, was einem ungefähr fünfstöckigen Haus entspricht. „Überlisten lässt sich die Physik nicht“, sagt Schnell. „Doch wir reizen sie über die Konstruktion und die Materialien mitunter bis ans Limit aus.“

          Quelle: F.A.S.

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