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Junghans Meister Mega : Rund-Funk aus dem Schwarzwald

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Alle Zeit der Welt: Junghans Bild: Hersteller

Junghans ist für seine präzisen Funkuhren bekannt. Jetzt hat das Unternehmen ein eigenes Werk in eine stilvolle Uhr verpflanzt. Die Meister Mega wird vermutlich auch die Gusseisernen unter den Uhrenkennern nicht kaltlassen.

          Uhrenkenner und auch solche, die sich dafür halten, schwören auf Mechanik. Das Uhrwerk soll mit Federkraft angetrieben werden, ein komplexes Zahnradgetriebe sorgt dafür, dass sich die Zeiger übers Zifferblatt bewegen. So weit die reine Lehre, die auch Junghans in Schramberg verfolgt. Aber eben nicht nur. Die Schwarzwälder pflegen seit gut drei Jahrzehnten auch die batteriegespeiste Funkuhrentechnik, die in der neuen Meister Mega nun in einem klassisch-runden Gehäuse elegant verpackt ist und, so vermuten wir, auch die Gusseisernen unter den Uhrenkennern nicht kaltlassen wird.

          1985 stellte Junghans die erste für Privatpersonen zugängliche Funkuhr vor. Bis dahin waren Funkuhren ausschließlich für professionelle Verwendung, etwa beim Militär, gebaut worden – und auch ziemlich groß. Junghans verkleinerte sie zunächst auf Tischuhrenformat, um fünf Jahre später die weltweit erste Funkarmbanduhr zu präsentieren. Gestaltet hat diese Uhr mit Namen Mega 1 übrigens Frog-Design, das auch den ersten tragbaren Apple-Computer gestaltete und von dem Schwarzwälder Hartmut Esslinger gegründet wurde. Mithin gilt die Mega 1 auch unter echten Uhrenkennern als eine der wenigen satisfaktionsfähigen Quarz- und Digitaluhren.

          Weil jetzt der eine oder andere vielleicht fragend schaut, klären wir kurz die Funktionsweise einer Funkuhr. Die ist immer eine Quarzuhr. Den Sekundentakt gibt ein Quarz vor, der durch Stromzufuhr zum Schwingen angeregt wird und damit das Pendant zu einer Hemmung in einer mechanischen Uhr ist. Die schwingt dort heutzutage mit eine Frequenz von 2,5 bis 5 Hertz. Der Schwingquarz bringt es auf rund das Zehntausendfache (32 768 Hertz). Die ultrahochfrequente Schwingung wird elektronisch in einen Sekundenpuls umgerechnet, der entweder von einem LCD-Display angezeigt oder an Schrittschaltmotoren geleitet wird, welche die Zeiger antreiben. Ein hochwertiger Quarz ist zwar schon deutlich präziser als eine mechanische Hemmung, doch weist auch er Abweichungen zur Normzeit auf.

          Drei Varianten der Junghans Meister Mega.

          Genau hier kommt die Funktechnik ins Spiel. Die von einer Atomuhr erzeugte Normzeit gelangt über eine Sendeanlage in den Äther. In Europa ist dies die Zeit der Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig, die vom Sender DCF 77 in Mainflingen nahe Frankfurt verbreitet wird. Funkuhren sind in der Lage, dieses Zeitsignal zu empfangen und die Zeit täglich oder sogar im Stundenrhythmus zu synchronisieren. Eine vergleichbare Präzision bietet nur noch das weitgehend militärisch kontrollierte GPS-Signal. Aber das ist eine andere Geschichte.

          Junghans setzt seit Jahrzehnten auf die Funktechnologie und hat sich in dieser Zeit umfassendes Wissen aufgebaut. Das mündet nun in dem selbstentwickelten Mehrfrequenzwerk J 101, das neben dem Signal des DCF 77 auch die der Sender MSF (Anthorn, England), JJY 40 (Fukushima, Japan), JJY 60 (Kyushu, Japan) und WWVB (Fort Collins, Colorado, Vereinigte Staaten) empfängt. Damit genießt der Träger auf drei Kontinenten Funkpräzision. Außerhalb des Empfangsbereichs läuft die Meister Mega als reine Quarzuhr laut Hersteller mit einer maximalen Zeitabweichung von acht Sekunden im Jahr. Damit diese Präzision auch sichtbar wird, gleicht eine Art Lichtschrankentechnik, Junghans nennt sie Intelligent Time Correction (ITC), die Position der Zeiger mit dem zuletzt empfangenen Zeitsignal ab. Stunden- und Minutenzeiger werden zweimal am Tag, immer um zwölf Uhr, korrigiert, der Sekundenzeiger sogar zu jeder Minute, also 1440 Mal am Tag.

          Der Sekundenzeiger springt zweimal je Sekunde

          Reist man in Regionen ohne Funksignal, lässt sich die Ortszeit über die Krone korrigieren, wahlweise in Stundenschritten oder über einprogrammierte Zeitzonen. Und wie es sich in diesen Zeiten gehört, bietet Junghans auch eine Smartphone-App an, mit der sich die passende Ortszeit einstellen lässt. Ein nettes Feature mit Rücksicht auf Fotografen und Uhrenhändler ist die Möglichkeit, die Uhrzeit permanent auf 10.08 Uhr einzustellen. Das ist die sogenannte Fotozeit, bei der Stunden und Minutenzeiger so etwas wie ein Lächeln zeigen. Außerdem haben die Junghans-Entwickler die Elektronik so programmiert, dass der Sekundenzeiger im Gegensatz zu anderen Quarzuhren zweimal je Sekunde springt. „Damit bringen wir den Charme der Mechanik in die Funkuhr“, meint Uhrmachermeister und Geschäftsführer Matthias Stotz.

          Das ist nicht nur aufgrund des elektronischen Kunstgriffs gelungen, vielmehr hat Junghans die moderne Funkuhrentechnik stilvoll verpackt. Vorbilder sind die Max Bill und Meister, Mechanikuhren des Hauses, deren Gehäuse und Zifferblätter die gestalterische Leitlinie liefern. Wie diese werden die neuen Mega-Modelle zunächst ausschließlich im 38-Millimeter-Edelstahlgehäuse zu haben sein. Das Meister-Topmodell, für das 1190 Euro anzulegen sind, kommt mit einem schwarzen Zifferblatt, auf das eine stilisierte Weltkarte samt der zu empfangenden Funksender gedruckt sind. Weitere Ausstattungsmerkmale sind ein gewölbtes, extrem kratzfestes Saphirglas, ein Edelstahl-Gliederarmband sowie eine Druckfestigkeit von 5 bar (entspricht dem Druck in 50 Meter Wassertiefe). Den Einstieg bilden zwei Modelle mit schwarzem oder weißem Zifferblatt für 890 Euro. Noblesse vermittelt die Variante mit zart goldbeschichtetem Gehäuse für 990 Euro und weißem Blatt. Alle drei werden an einem Armband aus Pferdeleder und Dornschließe getragen und sind bis 3 bar druckfest. Preislich darunter rangiert die Max Bill Mega mit weißem oder grauem Zifferblatt und Kalbslederbändern.

          In allen Fällen kommt ein Hartplexiglas zum Einsatz, das zwar durch eine Beschichtung kratzresistenter gemacht wurde, aber dennoch einen rücksichtsvollen Umgang fordert. Aber das ist bei einer eleganten Uhr, die wohl nicht nur Herren ansprechen soll, eigentlich selbstverständlich.

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