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Kapselmaschine, Vollautomaten und Siebträger im Vergleichstest

© Bildagentur online

Kaffee auf Knopfdruck

Von MARCO DETTWEILER

21.04.2016 - Kaffee kochen können alle Maschinen. Doch wird das Getränk so, wie man es gern hätte? Wir haben fünf Geräte aus vier Kategorien getestet. Nur eine Maschine bekommt den perfekten Espresso und Cappuccino hin.

Es kann so einfach sein. Auf dem Weg zur Arbeit hält man kurz an einem Café, trinkt an der Theke einen Cappuccino, um sich dann später nach dem Mittagessen einen Espresso zu gönnen. Am Nachmittag vielleicht noch einen Doppio, und der Kaffeetrinker ist glücklich. Dieser Tagesablauf lässt sich in Italien umsetzen, aber nicht in Deutschland. Die Preise für die koffeinhaltigen Getränke sind meist zu hoch, und bis auf wenige Ausnahmen ist das Qualitätsniveau zu niedrig.

Wer gern guten Espresso oder Cappuccino trinkt, kommt an einer eigenen Maschine nicht vorbei. Wir haben fünf Geräte getestet: eine Kapselmaschine von Krups, zwei Vollautomaten von Jura und De Longhi, ein Hybrid-Modell von Gastroback und eine Siebträgermaschine von La Marzocco. Die Preise reichen von zirka 130 bis 4000 Euro.

©Hersteller Krups Nescáfe Dolce Gusto Drop

Kapselmaschinen haben sich etabliert. In jedem dritten deutschen Haushalt steht ein Einzelportionsgerät. Nestlés Nespresso hat Konkurrenz bekommen, auch von sich selbst durch Nescafés Dolce Gusto. Damit lässt sich auch Latte Macchiato oder Café au lait zubereiten, indem man mit einer zweiten Kapsel die Milch aus Pulver herstellt. Wer seine Geschmacksnerven schonen will, sollte davon die Finger lassen. Aufgrund des besonderen Designs der getesteten Drop (ab 130 Euro) von Krups muss man den Wasserbehälter etwas umständlich seitlich aus dem Fuß ziehen, um ihn befüllen zu können. Ansonsten lässt sie sich gut bedienen.

Die kleinstmöglichste Menge für einen Espresso sind zirka 30 Millimeter, die in zehn Sekunden und mit einigen Spritzern zu schnell in der Tasse landen. Es tröpfelt zudem nach, weil nach der Extraktion noch Wasser in der Kapsel steht. Wegen der hohen Fließgeschwindigkeit ist die Drop eher geeignet für einen Lungo oder Grande. Mit durchschnittlich etwa 65 Grad ist das Getränk schön heiß.

Die Drop von Krups hat die gleichen Vorteile wie andere Kapselmaschinen. Sie lässt sich sehr einfach bedienen und reinigen, der Kaffee schmeckt akzeptabel. Sie hat aber auch die gleichen Nachteile. Umgerechnet bezahlt der Kunde für ein Kilo Kaffee 45 Euro, und es fällt weltweit jährlich 8000 Tonnen Alu-Müll durch die Kapseln an. Beides ist zu viel, wie wir meinen.

© F.A.Z., Andreas Brand Matthias Hoppenworth nennt die drei größten Fehler beim Espresso zubereiten

Vollautomaten sind sparsamer. Nur am Anfang müssen Kaffeetrinker tief in die Tasche greifen. Das könnte ein Grund sein, warum nur in 12,4 Prozent aller deutschen Haushalte ein Vollautomat steht. Wir haben uns als erstes ein kompaktes Produkt von Jura für 780 Euro ausgesucht. Die Bedienung der Ena Micro 90 ist einfach gehalten. Ein Knopfdruck genügt, damit die Maschine die Bohnen mahlt, Wasser durch das angedrückte Mehl presst und gegebenenfalls Milch aufschäumt. Praktisch bei dieser Gerätegattung ist die schnelle Betriebsbereitschaft. Es dauert noch nicht einmal eine Minute, bis man sich einen Kaffee zubereiten kann.

  • © Hersteller Jura Ena Micro 90
  • © Hersteller Ein Blick von der Seite
  • © Hersteller Das Menü mit dem Einstellrädchen

Wie bei anderen Vollautomaten lassen sich die üblichen Variablen wie Wassertemperatur, Kaffeemehlmenge (das heißt in der Vollautomatensprache: Aroma) und gewünschte Füllmenge bei jedem einzelnen Getränk verändern. Das funktioniert bei der Jura mit Drehrädchen und einem Mini-Display, das in seiner Funktionalität an den ersten iPod erinnert. Sogar der Mahlgrad ist mit einem Rädchen neben dem Bohnenbehälter einstellbar. Doch an diesem Punkt hat die Ena Micro 90 ihre Schwäche. Selbst bei feinstem Mahlgrad ist uns die Extraktionszeit zu kurz. Ein 15 Milliliter kurzer Espresso läuft noch nicht einmal zehn Sekunden lang. Auch dürfte er etwas heißer sein als 45 Grad Celsius, die wir bei Normaltemperatur gemessen haben.

Beim durchlaufenden Espresso entsteht deutlich sichtbar der Guiness-Effekt: Im unteren Drittel ist der Kaffee schwarz und dicht, nach oben hin wird er braun und schaumiger, sodass sich im oberen Drittel eine dicke Crema bildet. Das Aussehen entspricht dem Geschmack: Im Vergleich zu Espressi aus dem Siebträger schmeckt er nicht ganz so intensiv und dicht. Im Übrigen setzt die Jura-Maschine die Extraktionsmengen recht großzügig um. Bei geforderten 30 Millilitern landen in der Tasse mitunter knapp 40 Milliliter. Ein Grund für den Flüssigkeitszuwachs ist wohl auch das anfängliche Spucken: Wie bei vielen Maschinen fließt wegen des Anfeuchtens des Mehls (Preinfusion) etwas Flüssigkeit in die Tasse, bevor der eigentliche Prozess beginnt. Das ist eine unnötige Begleiterscheinung von Vollautomaten, denn Siebträgermaschinen feuchten ebenso das Mehl an, ohne dass Flüssigkeit in die Tasse tropft. Für die Milchaufbereitung hat sich Jura hier für die Schlauch-ins-Gefäß-Variante entschieden, was wir ganz praktisch finden. Die Maschine saugt durch einen Schlauch die Milch aus dem Tetrapack oder Gefäß, um ihn dann mit Luft und Hitze zu versetzen.

  • © Hersteller De Longhi Primadonna Elite mit Milchbehälter
  • © Hersteller Die Primadonna mit Aufschäumdüse

Das neue Flaggschiff von De Longhi bietet Kaffeefreunden in vieler Hinsicht mehr. Die Primadonna Elite ist größer und aus Edelstahl, kostet mit einem Preis von 1700 Euro mehr als doppelt so viel wie die Jura-Maschine, kann heiße Schokolade zubereiten und auf zwei Arten Milch aufschäumen. Die Maschine lässt sich sogar mit einer hübschen App bedienen. Doch es würde nach wie vor der üppige, berührungsempfindliche Bildschirm reichen, was ältere Modelle beweisen. Das Gehäuse aus Edelstahl wirkt sehr wertig. Auf der Maschine lassen sich mehrere Cappuccino- und Espressotassen abstellen, die allerdings nicht gewärmt werden. Wir haben während des Tests zwei Pluspunkte gefunden, die wir gern an allen Vollautomaten sehen würden. Dank der Einstellmöglichkeiten am Mahlwerk lassen sich die Bohnen so fein mahlen, dass der Espresso fast tröpfelt und somit die Extraktionszeit in den Bereich kommt, wo sie sein sollte: zwischen 25 und 30 Sekunden. Bei einem Doppio kam einmal sogar die Warnung, das Mehl sei zu fein, der Brühvorgang wurde unterbrochen. Da bei der De Longhi die anderen Parameter wie Wasser- und Mehlmenge sowie Temperatur angepasst werden können, nähert man sich nach einiger Einarbeitungszeit dem anzustrebenden Espresso.

Um dann noch einen sehr guten Cappuccino zu bekommen, braucht man ordentlich geschäumte Milch. Vollautomaten haben die Tendenz, der Milch etwas zu viel Luft und Wasserdampf hinzuzufügen, sodass sie keine cremige Konsistenz bekommt, sondern eher zu einem grobporigen Schaum wird. In diesem Punkt nehmen sich die Jura- und De Longhi-Maschine nicht viel, wenn man über eine Karaffe die Milch zugeführt. Allerdings verfügt die Prima Donna Elite zusätzlich über eine klassische Aufschaumdüse. Und mit der lässt sich der erwünschte Milchschaum herstellen. Latte-Art-Meister Matthias Hoppenworth aus Frankfurt hat uns den Tipp gegeben, dass man dafür am besten die verchromte Hülse abzieht, um die darunter liegende Kunststoffdüse zu benutzen. Mit etwas Übung lässt sich mit der Primadonna Elite dann auch ein anspruchsvoller Cappuccino zaubern, wie man ihn aus einem guten Café kennt.

© F.A.Z., Andreas Brand Latte-Art-Meister Matthias Hoppenworth zeigt, wie man mit Milch und Kaffee Bilder malt




Die Design Espresso Maschine Advanced Professional von Gastroback kostet 2600 Euro und ist ein Zwitter: halb Vollautomat, halb Siebträger. Man spannt den Siebträger in eine Vorrichtung und zieht ihn nach rechts. Daraufhin mahlt die Mühle die Bohnen, füllt sie ins Sieb und drückt das Mehl automatisch fest. Dann wechselt man mit dem Siebträger zur zweiten Vorrichtung, wo das heiße Wasser durchschießt. Per Knopfdruck startet die Extraktion für einen Espresso, Doppio oder Long black, also Americano. Für einen Cappuccino oder Latte Macchiato stellt man die Tasse oder das Glas vorher unter die Düse, die automatisch die Milch bis zur frei wählbaren Temperatur aufschäumt.

© Hersteller Gastroback Advanced Professional

Die Gastroback ist letztlich ein Vollautomat mit Siebträgertechnik. Das hat einige Vorteile. Grundsätzlich versucht jeder Barista seine Maschine täglich so einzustellen, dass ein guter Espresso oder Cappuccino gelingt, den er dann fortwährend reproduziert. Die passenden Einstellungen für Mahlgrad, Mehlmenge, Extraktionszeit und Menge des Getränks werden erst dann wieder geändert, wenn das Ergebnis vom optimalen Zustand abweicht, was zum Beispiel am Wetter liegen kann. Mit der Gastroback lassen sich diese Einstellungen variieren und speichern. Lediglich die Mehlmenge von 20 Gramm und die Wassertemperatur sind konstant. Für echte Barista ist das eine Einschränkung.

© F.A.Z., Andreas Brand Der Geheimtipp, wie man günstig Milch aufschäumen übt

Das Konzept geht für Espresso, Doppio oder Long black auf. Man erreicht eine ähnlich gute Qualität wie mit einer Siebträgermaschine, und das auf Knopfdruck. Die Gastroback heizt schnell auf, wärmt die Tassen vor, lässt sich sogar jeden Morgen zur gleichen Zeit automatisch wecken. Die Bedienung der Maschine ist einfach und intuitiv. Weil sie ein Zweikreiser ist, also das Wasser für Espresso und Milchschaum getrennt auf Temperatur hält, lassen sich Kaffee und Milch gleichzeitig zubereiten. Lediglich beim Milchschaum muss man Abstriche machen. Die Konsistenz ist ähnlich wie bei der Jura und De Longhi. Selbst wenn man die Düse manuell bedient, hat sie nicht genug Kraft und keine geeignete Geometrie, um einen wirklich cremigen Milchschaum zu produzieren.


Wer seine koffeinhaltigen Getränke möglichst perfekt machen will, kommt an einer Siebträgermaschine zusammen mit einer guten Mühle nicht vorbei. Alle Parameter, welche die Qualität des Espresso beeinflussen, können genau und zuverlässig eingestellt werden. Nicht zuletzt deswegen werden sie nach wie vor von Barista in aller Welt benutzt.

© Hersteller Die Linea Mini bietet La Marzocco in verschiedenen Farben an

Da sich bei den Profimaschinen die Marke La Marzocco als Referenz durchgesetzt hat, versucht das italienische Unternehmen nun mit der Linea Mini die Küche von ambitionierten Hobby-Barista zu erobern. Falls potentielle Kunden mehr als 4000 Euro übrig haben für ihr Hobby, dürfte das La Marzocco auch gelingen.

Die Maschine lässt keine Wünsche offen. Sie ist aus poliertem Edelstahl, hat ein Dual-Boiler-System mit zwei Edelstahlkesseln und eine Rotationspumpe. Die Temperatur wird exakt gesteuert und überwacht, das Wasser kann auch ans Festwasser angeschlossen werden, sodass es immer frisch ist. Selbst an die Beleuchtung unterhalb des Auslaufs hat La Marzocco gedacht. Der Wassertank ist so untergebracht, dass er kühl bleibt. Die Konstruktion hat den Nachteil, dass man den Schlauch abziehen muss, um ihn vollständig entleeren zu können.

© F.A.Z., Andreas Brand La Marzocco Linea Mini im Experten-Test: Viel Geld für guten Kaffee

Ansonsten fühlt man sich mit der Linea Mini zu Hause wie der Barista im Café. Experimentiert man eine Weile mit den Parametern, läuft irgendwann der Espresso hauchdünn aus dem Siebträger und schmeckt, wie man es will. Die Milchaufschaumdüse macht mächtig Dampf, sodass in Sekunden die Milch die richtige Temperatur und Konsistenz hat. Wer sich auf die Linea Mini mit Geduld und Leidenschaft einlässt, gute Bohnen und frische Milch verwendet, kann zu Hause eine Qualität erreichen, die er in den meisten Cafés eher selten findet.

Es sei denn, man wohnt in Italien.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 20.04.2016 10:39 Uhr