http://www.faz.net/-gy9-97y2r

Neues elektronisches Stellwerk : Endspurt im S-Bahn-Tunnel

  • -Aktualisiert am

B-Bahn: Ein Bauzug auf der Strecke zwischen Frankfurt Lokalbahnhof und Ostendstraße, die Strecke wird mit besserer Leittechnik aufgerüstet. Bild: Ly, Martin

Im August wird eine der größten Bahn-Baustellen in Deutschland fertig. Nach fünf Jahren Bauzeit geht das neue elektronische Stellwerk für den S-Bahn-Tunnel in Frankfurt in Betrieb.

          Das ist die Ruhe vor dem Sturm: Stille liegt um 2 Uhr morgens über den Gleisen im S-Bahn-Tunnel. Nur von draußen, aus dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs Frankfurt am Main, dringt manchmal das ferne Donnern eines ein- oder ausfahrenden Zugs unter die Erde. Wo sonst durchschnittlich alle 80 Sekunden ein roter Triebzug durch die Röhre rast, sind jetzt Schritte und Stimmen zu hören: Hier prüft ein Trupp von Technikern Teile der neuen Leit- und Sicherungstechnik. Dort montieren Arbeiter Deckenpaneele. Weiter hinten leuchtet gelb die Warnweste eines Sicherheitspostens im fahlen Schein von Leuchtstoffröhren.

          Nacht für Nacht wird Deutschlands am dichtesten befahrene Bahnstrecke um 23:30 Uhr halbseitig gesperrt. Und von 1:40 bis 4:20 Uhr ist der Tunnel dann komplett für die S-Bahnen tabu – sie werden stattdessen oberirdisch umgeleitet. Grund dafür: Im 1978 eröffneten Tunnel unter der Stadt wird eine komplett neue Leit- und Sicherungstechnik in Betrieb genommen, deren Herzstück ein Elektronisches Stellwerk (ESTW) in der Betriebszentrale von DB Netz sein wird. Es löst das vor 40 Jahren gebaute Relaisstellwerk ab.

          Elektronik der neuesten Generation in der Leit- und Sicherungstechnik? Wer da an die Probleme bei der Eröffnung der neuen Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und München denkt, kann beruhigt sein. Denn dort bereitete im Dezember 2017 zwar auch ein Akronym mit vier Buchstaben aus dem Bereich der Eisenbahntechnik Sorgen. Aber damals ging es nicht um ein ESTW, sondern um ETCS, das European Train Control System. Und während diese Zugleittechnik der Zukunft ganz ohne Lichtsignale an der Strecke auskommt, setzt das neue Frankfurter ESTW noch immer auf bewährte Verfahren wie Signale und Gleismagnete.

          Herr der Baustelle: Projektleiter Matthias Körner, Ingenieur für Automatisierungstechnik Bilderstrecke

          Ein solches Stellwerk gibt es aber nicht von der Stange. Und es ist auch alles andere als Plug-and-Play-Technik. Bis das neue ESTW in Frankfurt seinen Betrieb aufnehmen kann, musste die Bahn erst einmal tief in die Ausrüstung der Strecke eingreifen: 34 Weichenantriebe, 154 Signale samt Kästen und Befestigungen, 160 Kilometer Kabel, dazu Hunderte Achszähler und andere Sensoren – all dies und noch viel mehr ist neu im Tunnel eingebaut worden. Gleisarbeiten hat man bei der Gelegenheit gleich mit angesetzt.

          Das klappt in einer so sensiblen und räumlich beengten Situation nur mit einer ausgefeilten Strategie. Deshalb haben die Bauarbeiten, für die der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und DB Netz gemeinsam verantwortlich zeichnen, schon 2014 begonnen. Die Planungen, sagt Projektleiter Matthias Körner, starteten sogar schon 2011. Viele Maßnahmen finden während der Betriebspausen in den Nächten statt. Und davon bekommen die meisten Nutzer der S-Bahn nichts mit.

          Aber für manche Arbeiten sind Vollsperrungen des Tunnels einfach unumgänglich, erklärt Körner, ein Ingenieur für Automatisierungtechnik. Das erste Mal wurde der Tunnel in den hessischen Sommerferien 2015 dichtgemacht, damit schwere Baumaschinen anrücken konnten: Kabel verlegen, Signale anbauen, Schienen schleifen. So umfangreich waren die Arbeiten, dass dafür sogar eine eigene künstliche Bewetterung geplant und eingerichtet wurde – sonst gibt es so etwas im Bergbau.

          Im Jahr darauf wurde während der Oster- und der Sommerferien gesperrt. Und so wird es auch 2018 wieder sein: Denn die vierte und letzte Bauphase braucht gleich mehrere Vollsperrungen: Zwei Wochen lang in den Osterferien, dazu an den Wochenenden von Himmelfahrt und Fronleichnam sowie schließlich mehr als sechs Wochen lang im Sommer.

          Weitere Themen

          Audi Etron Video-Seite öffnen

          Weltpremiere : Audi Etron

          So sieht die Antwort von Audi auf Tesla und den Jaguar I-Pace aus. Der Audi Etron ist ein SUV, kostet in der Basisversion 80.000 Euro und kommt noch in diesem Jahr.

          Topmeldungen

          SPD im Krisenmodus : Wenn der Bauch regiert

          Die SPD-Mitglieder wollen sich nicht länger von Seehofer vorführen lassen. Auch vielen Befürwortern der großen Koalition reicht es. Andrea Nahles hat die Wut unterschätzt.
          Echo Show in der neuen Version.

          Neue Produkte : Amazon macht die Welle

          Das war ein ziemliches Feuerwerk, was Amazon heute in Seattle präsentiert hat. Viele neue Produkte kommen auf der Markt. Darunter auch eines für die Küche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.