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Elektrofahrrad-Test : Wie transparent testet die Stiftung Warentest?

Für Fahrräder gibt es nicht so viele Institute wie für Tests von Waschmaschinen und speziell für Untersuchungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) von E-Bikes ist das Angebot nochmals enger Bild: www.pd-f.de / biketec

Ein Elektrofahrrad-Test der Stiftung Warentest ist umstritten. In der Auseinandersetzung spielt der Begriff „Transparenz“ eine besondere Rolle. Fahrradindustrie und Stiftung interpretieren ihn unterschiedlich.

          Eine Untersuchung von der Größenordnung des Pedelec-Tests, über den seit seinem Erscheinen im Juni-Heft von „test“ gestritten wird, beschäftigt die Stiftung Warentest über Monate hinweg. Dem Test selbst und seiner Veröffentlichung geht einiges an Gremienarbeit voraus: Dreimal im Jahr legt die Stiftung ihrem Kuratorium mögliche Themen vor. Das Kuratorium setzt sich zusammen aus jeweils sechs für vier Jahre berufene Verbrauchervertreter, Vertreter der Wirtschaft und neutrale Sachverständige.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Es hat wie die im weiteren Verlauf des Verfahrens in wechselnder Besetzung eingeladenen Fachbeiräte lediglich eine beratende Funktion, kann aber auch Vorschläge für Untersuchungen einbringen und Untersuchungsvorhaben widersprechen. Hat ein Thema das Kuratorium passiert, entwirft die Projektleitung unter Mitarbeit von Wissenschaftlern, Marktanalytikern und der Redaktion der Zeitschrift „test“ für das Projekt ein Testdesign, in dem alle wichtigen Prüfpunkte festgehalten sind. Dann werden zu einem so genannten Fachbeirat Verbraucherschützer, unabhängige Experten und Vertreter der Anbieter eingeladen.

          „Nach welchen Kriterien letztendlich untersucht wird, entscheidet die Stiftung immer allein“
          „Nach welchen Kriterien letztendlich untersucht wird, entscheidet die Stiftung immer allein“ : Bild: www.pd-f.de / koga.com

          Im Fall des Pedelec-Tests mit der Projektnummer 2013235 saßen im Fachbeirat also auch Vertreter der jetzigen Kritiker. Das Prüfprogramm, ein vertrauliches Papier von 22 Seiten Umfang, regelte von der Erfassung der Anbieter- und Lieferdaten bis zur Messung von Weichmachern und Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) alles Erdenkliche: Zum Beispiel wird den externen Prüfinstituten, die auf Grundlage dieses Pflichtenhefts arbeiten, in dem Papier sogar vorgeschrieben, welche Art von Gegenständen sie vor einem dunklen und welche vor einem hellen Hintergrund zu fotografieren haben, wenn sie Prüfbefunde bildlich dokumentieren müssen. Das Prüfprogramm für Projekt 2013235 datiert vom 11. Januar 2013. Im Fachbeirat sollen das Testdesign und die Prüfkriterien diskutiert werden. Dieses Verfahren versteht die Stiftung unter Transparenz. Auf ihren Internetseiten ist es ihr aber wichtig zu betonen: „Nach welchen Kriterien letztendlich untersucht wird, entscheidet die Stiftung immer allein.“

          Das deckt sich mit dem, was Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) kritisch einwendet: „Wenn die Stiftung Warentest darauf verweist, dass ihre Prüfkriterien transparent seien, weil sie das Prüfprogramm im Fachbeirat, in dem auch die Anbieterseite vertreten ist, vorgelegt habe, dann muss man sich einmal die Formulierungen dieses Papiers ansehen: Da heißt es zum Beispiel an zahlreichen Stellen ‚In Anlehnung an DIN EN … erfolgt die Prüfung …‘ oder „Die Prüfung...ist auf einem geeigneten Prüfstand durchzuführen…‘ Es werden keine konkreten Angaben dazu gemacht, wie zum Beispiel die Einspannung der Prüflinge erfolgt.“

          So testet man einen Lenker
          So testet man einen Lenker : Bild: www.pd-f.de

          Nicht nur im Fall der Pedelecs hält sich die Stiftung bei konkreten Details eher bedeckt. Als sie beispielsweise 2010 die Öffentlichkeit mit einem Test von Fahrrad-Kinderanhängern aufscheuchte, war die zentrale Botschaft: Sitze, Gurte und Verkleidung enthielten Schadstoffe. Vier von sieben Anhängern wurden deshalb als mangelhaft abgewertet. Die Nachfrage, welche Grenzwerte zugrunde gelegt worden seien, blieb unbeantwortet: Die dem Urteil zugrunde liegenden Grenzwerte betrachte man als eigenes Know-how. Diese entwaffnende Form von Transparenz kann man im Netz besichtigen.

          Unmittelbar auf die Feststellung, die Stiftung entscheide immer allein über Untersuchungskriterien, folgt in ihrem Internet-Auftritt groß gesetzt die Zwischenüberschrift: „Transparentes Testdesign“. Aber die bezieht sich auf den in der Zeitschrift „test“ zu jeder größeren Veröffentlichung gehörenden Kasten „So haben wir getestet“. Dort liest man im Juniheft zum Pedelec-Test etwa: „Elektrische Sicherheit in Anlehnung an Prüfgrundsatz für Sicherheit von Pedelecs EK2 von August 2012 der ZLS und DIN EN 15194 (Feb. 2012) geprüft.“ Ob diese Art der Dokumentation nun dem Leser durchsichtig macht, was und wie getestet worden ist, bleibe mal dahingestellt.  

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