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Die Technik : Ein Anker verteilt die Kuppellast

Bild: F.A.Z.

Die Dresdner Frauenkirche wurde Stein für Stein „händisch“ zusammengesetzt. Aber ohne die Technik wäre es nicht so gut gelungen. Dabei mußten etliche Probleme überwunden werden.

          Umsichtige Dachdeckermeister würden die weit über die Stadtsilhouette hinausragende „Steinerne Glocke“ der Dresdner Frauenkirche mit Kupfer- oder Stahlblech überziehen. Nur so könnten sie das Gemäuer zuverlässig vor den mitunter kübelweise vom Himmel stürzenden Wassermassen schützen.

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch diese von selbstzahlenden Eigenheimbesitzern gern akzeptierte Regel hat man beim Wiederaufbau der Frauenkirche nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Von Anfang an war erklärtes Ziel, das Bauwerk originalgetreu erstehen zu lassen: Die Kirche sollte wieder ihr Wahrzeichen, die „steinsichtige“ Kuppel, bekommen.

          Höchste Anforderungen

          Daß diese Entscheidung höchste Anforderungen an die Baumaterialien (vor allem an den Fugenmörtel), die Konstruktion des Kuppelanlaufs (den Bereich, in dem die Steinerne Glocke in den waagrecht verlaufenden Dachbereich in Höhe des Hauptgesimses übergeht) und an die Präzision der aus dem sächsischen Sandstein geschnittenen Mauerwerksblöcke stellt, war den für Statik und Konstruktion der wieder aufgebauten Kirche verantwortlichen Ingenieuren Wolfram Jäger und Fritz Wenzel stets klar.

          Die Umgebung der Kirche bleibt vorerst Baustelle

          Denn in diesem Bereich waren an der Kirche, die am 15. Februar 1945, zwei Tage nach den völlig unerwartet über Dresden hereingebrochenen Flugzeugangriffen, eingestürzt war, bereits kurz nach der Fertigstellung Schäden aufgetreten. So zeigte Canaletto zehn Jahre nach der Fertigstellung (1743) auf einem seiner Bilder Arbeiter, die mit Reparaturarbeiten am Dach beschäftigt waren. Auch in den Jahren darauf sickerte in Höhe des Kuppelanlaufs immer wieder Wasser vor allem durch die vom Frost „bröselig“ gewordenen Fugen und verursachte Feuchteschäden im Innenraum der Kirche.

          Eine „steinerne“ Lösung

          Wollte man dies künftig ausschließen, mußte man sich für den Kuppelanlauf eine andere als die vom damaligen Baumeister George Bähr realisierte Konstruktion einfallen lassen. Nach längeren Diskussionen hat man sich für eine zum Charakter des gesamten Bauwerks passende „steinerne“ Lösung entschieden: Zwischen die aus der Kuppel kommenden und im Bereich des Dachs horizontal auslaufenden Schwibbögen wurden aus Ziegelsteinen gemauerte Gewölbe gesetzt, die man nach oben hin mit einer aufgesprühten Kunststoffhaut überzog. Diese sorgt dafür, daß die trotz aller Sorgfalt beim Setzen der darüberliegenden Deckplatten durch das Dach dringende Feuchtigkeit nach außen ablaufen kann.

          Wie die bisher gemachten Erfahrungen zeigen, scheint das zu funktionieren. Weniger Glück hat man dagegen an der Spitze der Kuppel, dort, wo ein Wendelgang den Aufstieg zur Laterne ermöglicht. Hier ist das Mauerwerk feucht. Über die Ursache wird derzeit noch gerätselt. Entweder sind die täglich bis zu 1000 die Kuppel erklimmenden und vor sich hin schwitzenden Besucher (in Kombination mit falschem Lüften) schuld. Oder der Sandstein der Kuppel läßt doch mehr Feuchtigkeit durch als angenommen.

          Etliche Schäden

          Dieses Beispiel zeigt, wie schwierig es ist, ein altes und zudem fast vollständig zerstörtes Bauwerk wieder aufzubauen und dabei möglichst genau der Konstruktion des Originals zu folgen - ohne mit den früher aufgetretenen Bauschäden erneut konfrontiert zu werden. Und Schäden traten an der alten Frauenkirche etliche auf.

          Das Hauptproblem war ihre Statik, die der Last der 9000 Tonnen schweren Kuppel nicht gewachsen war. Anders als es George Bähr vorgesehen hatte, wurde das Gewicht der Steinernen Glocke nicht auf die acht Innenpfeiler und über die strebenförmig von den Pfeilern nach außen weisenden Wände (Spieramen) auf die Außenwände verteilt. Daß dieser recht komplizierte Kraftfluß vom Baumeister Bähr beabsichtigt war, gilt als sicher. So schreibt er selbst von 24 und nicht von 8 Unterstützungen, die seine Steinkuppel trügen. Und zudem haben Untersuchungen an den Fundamenten der Außenmauern gezeigt, daß diese massiver ausgeführt waren als die der Innenpfeiler. Auch das spricht dafür, daß George Bähr einen Großteil der Kuppellast über die Außenwände der Kirche ableiten wollte.

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