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Trends im Wintersport : Kannste knicken

Das klappt: Elan-Produktmanagerin Melanja Sober mit dem faltbaren Tourenski aus Slowenien Bild: Wille

Jedes Jahr lässt der Schnee immer länger auf sich warten. Das macht der Wintersportbranche arg zu schaffen. Sie wehrt sich mit Innovationen. Der faltbare Ski ist nur eine eine davon.

          Auch dieser Winter war ein Spätzünder. Wie schon eine ganze Reihe seiner Kollegen davor, es wird zur Gewohnheit. Er begann am 4. Januar, als sich endlich bei Minustemperaturen über weite Gebiete eine weiße Decke legte, die auch eine Weile hielt. Hübsch anzusehen, aber zu spät.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Zu spät zumindest für Industrie und Handel. Bis Ende Dezember blieben die Geschäfte auf ihren Wintersportartikeln sitzen. Die Abverkaufsquoten für Alpinski waren nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI) „katastrophal“. Auch Skibekleidung sei der Handel kaum losgeworden. Hautnah und unmittelbar ist laut Siegfried Paßreiter, Vorstandsmitglied des BSI, der Zusammenhang zwischen Winterwetter auf der einen Seite und dem Wintersport-Geschäft auf der anderen. „Die Endverbraucher lassen sich sehr stark von Emotionen leiten. Es muss gefühlt Winter sein!“

          Outdoor-Marken unter Druck

          Der Wandel des Winters war vergangene Woche in den Münchener Messehallen zu besichtigen, wo sich für ein paar Tage die Ispo einquartiert hatte, um Ausblick auf die Saison 2017/18 zu geben. Eine immer frühere Belieferung des Handels mit Winterware scheint in der Branche zunehmend als Irrweg erkannt zu werden. Man begreift: Die Leute haben keine Lust, sich schon im Sommer eine Daunenjacke zuzulegen, so wie die meisten keine Lebkuchen sehen wollen, solange sie noch in kurzen Hosen herumlaufen. Lässt der Winter auf sich warten, verstopfen die dicken Klamotten als Ladenhüter die Verkaufsflächen. Der BSI stellt fest: „Die Orderrhythmen passen nicht mehr zum Bedarf des Kunden.“

          Waben machen leicht: Die markante Struktur ist eine interessante Neuerung an dem Ski-Modell Soul 7 von Rossignol. Bilderstrecke
          Waben machen leicht: Die markante Struktur ist eine interessante Neuerung an dem Ski-Modell Soul 7 von Rossignol. :

          Die Ispo, trubeliges Spektakel der Farben und Fasern, der Schnallen und Stahlkanten, macht deutlich, dass die verkürzte Brettl-Saison die auf Wintersport spezialisierten Outdoor-Marken unter Druck bringt, dass sich andererseits die Zeit des Wanderns, Radelns, Kraxelns bis in den Dezember hinein verlängert und dass dieses Phänomen die Warenwelt verändert.

          Skilehrer-Look ist out

          Bergsport-Spezialist Salewa etwa arbeitet an einer zusätzlichen Zwischenkollektion mit Kleidungsstücken für den verlängerten Herbst, den grünen Vorwinter oder wie auch immer man diese Jahreszeit nennen mag. Erstes Resultat ist der Laufschuh Ultra Flex MID GTX (190 Euro), der Eigenschaften von Wanderschuhen (Halt, Wetterschutz) mit denen von Sportschuhen (Beweglichkeit, Leichtigkeit) vereint. Sockenartiger Sitz, Gore-Tex-Membran, hochgezogener Gummirand und eine griffige Michelin-Sohle zählen zu den Merkmalen der Hightech-Treter für den Tempowanderer von heute.

          Von gestern ist der Skilehrer-Look, wie der BSI feststellt, die Entwicklung gehe hin zu Hochmodischem, zum urbanen Stil. Auffällig ist das wachsende Angebot an Textilien, die sich sowohl zum Skifahren als auch für vieles andere nutzen lassen.

          Die Kunden seien nicht mehr bereit, für all ihre unterschiedlichen Aktivitäten jeweils ein spezielles Gewand anzuschaffen, heißt es in der Branche. Auf dem Vormarsch sind Hybrid-Konstruktionen wie - ein Beispiel von vielen - die Jacke Impulse der norwegischen Marke Rottefella. Die wird aus vier verschiedenen Polartec-Stoffen zusammengesetzt, um deren Eigenschaften zielgenau einzusetzen: Polartec „Alpha“ als Windschutz an der Brust, atmungsaktives „Power Grid“ am Rücken, unter den Armen und Achseln für den Abtransport von Feuchtigkeit, wärmende „Power Wool“ am Kragen und an den Arm-Oberseiten, „Power Stretch“ mit Veloursinnenseite seitlich und an den Nieren, wo es wärmt und durch Dehnbarkeit für Bewegungsfreiheit sorgt. Solch ein Teil trägt man beim Skifahren oder bei Skitouren-Abfahrten als mittlere Lage, bei schweißtreibenden Beschäftigungen wie Skitouren-Aufstieg, Ski nordisch, Laufen, Radfahren als äußere.

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