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Smartphones von Blackberry : Der Vorletzte seiner Art

Dtek 60: Glatte Oberfläche und ein Scanner für den Fingerabdruck Bild: Michael Spehr

Der Dtek 60 mit leicht modifiziertem Android spielt auf hohem Niveau, aber Blackberry stoppt sein Smartphone-Programm.

          Blackberry will künftig keine neuen eigenen Smartphones entwickeln. Aber die schon auf den Weg gebrachten Produkte kommen auf den Markt. So darf man jetzt den vermutlich vorletzten Blackberry begrüßen, er trägt die Modellbezeichnung Dtek 60 und ist der große Bruder des im Sommer vorgestellten Dtek 50. Abermals setzt Blackberry auf das Google-Betriebssystem Android mit dem Anspruch, die als unsicher geltende Plattform auf ein Niveau zu heben, für das der Name Blackberry geradezu ein Synonym ist.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dazu wird Android so in der Hardware verankert, dass sich die Geräte weder rooten lassen (der Benutzer erhält Administrator-Rechte und damit vollständige Kontrolle) noch mit anderen Android-Versionen bespielt werden können. Jedes Gerät erhält einen individuellen Schlüssel, mit dem während des Hochfahrens geprüft wird, ob das System verändert wurde. Ferner sollen Schwachstellen von Android ihren Schrecken damit verlieren, dass sie sich von Schadsoftware schlechter ausnutzen lassen. Blackberry Android führt nur signierte Systemprogramme aus und nutzt eine Speicherverwürfelung, um das Einbringen von fremdem Code zu erschweren. Schließlich werden Updates und Sicherheits-Patches früher als bei der Konkurrenz ausgeliefert.

          Nichtsdestoweniger läuft der neue Dtek mit Android 6.0.1 und nicht mit der aktuellen Version 7. Der Neuzugang ist ein sehr flaches Gerät (15,4 × 7,5 × 0,7 Zentimeter) mit großer 5,5-Zoll-Displaydiagonale und einer üppigen Auflösung von 2560 × 1440 Pixel. Der Unterschied zum Dtek 50 sind nicht nur die Größe und das verbesserte Display, sondern auch die USB-C-Schnittstelle, die mit Glas beschichtete und sehr glatte Rückseite, die dort hervorstehende Kameraoptik mit erhöhter Auflösung und der Fingerabdruckscanner. Es ist der erste Blackberry mit diesem biometrischen Schutz.

          Betriebssystem zeigt sich dem Nutzer als nahezu Android pur

          Der Scanner funktioniert gut, aber nichts so präzise und dezent wie der eines iPhone oder Huawei-Geräts. Auch die Anordnung der Tasten ist gewöhnungsbedürftig. Der Ein- und Ausschalter befindet sich am linken Rand, genau gegenüber der Wippe für die Lautstärkeeinstellung, die man oft versehentlich mit betätigt, wenn die Hand das Gerät umschließt. Die kleine runde Taste am rechten Rand hält man zunächst für den Ein- und Ausschalter, sie lässt sich indes mit einer Funktion eigener Wahl belegen.

          Der Dtek 60 erfordert eine Nano-Sim-Karte, und sein üppiger Speicher mit vier Gigabyte RAM und 32 Gigabyte Flash lässt sich noch einmal mit Micro-SD-Karten erweitern. Der Akku hat üppige 3000 Milliamperestunden, ist fest eingebaut und hält ungefähr anderthalb Tage durch. Die Kamera löst mit 21 Megapixel auf und taugt auch dazu, 4K-Videos zu erstellen. Indes: Das Automatikprogramm überzeugt nur selten. Brauchbare Schnappschüsse erfordern fast immer eine Feinjustierung im manuellen Modus.

          Das Betriebssystem zeigt sich dem Nutzer als nahezu Android pur, einer der großen Pluspunkte. Blackberry legt seinen Hub darüber, den die Freunde der Marke seit Jahren schätzen. Er bündelt alle Nachrichten und Ereignisse in einer kompakten Darstellung, und die Inhalte sind nicht nur E-Mails oder Anrufe, sondern auch Twitter-, Facebook- oder Whatsapp-Neuheiten. Die aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführten Daten lassen sich durchsuchen und nach verschiedenen Kriterien filtern, Wichtiges kann man übergreifend markieren, und mit einer einzigen Wischbewegung landet man vom Hub in einer Liste der bevorstehenden Termine des Kalenders.

          Auch dessen App ist ganz auf den geschäftlichen Nutzer zugeschnitten und hat etliche raffinierte Details, etwa die Anzeige freier und belegter Zeiten. Zwar arbeitet der Hub nur als App und nicht wie in den alten Blackberrys als Systemfunktion, aber nach kurzer Gewöhnungszeit möchte man darauf nicht mehr verzichten. Es reicht dann übrigens aus, E-Mail-Konten im Blackberry-Hub einzurichten, das neugierige Google-System bleibt außen vor. Was nicht funktioniert: mehrere Kalender aus der G Suite, die früher Google Apps for Work hieß, in den Blackberry-Kalender zu integrieren.

          Zu den weiteren Vorteilen der alten Blackberry-Welt gehört die virtuelle Tastatur mitsamt Worteratefunktion, die mehrsprachig mit sehr intelligenten Wortvorschlägen und pfiffigen Details glänzt. So gesehen rettet das Unternehmen viele seiner Schätze in eine Zukunft, die spannender denn je erscheint. Wird es künftig neue Modelle mit Blackberry-Logo von anderen Herstellern geben? Als nächstes und vorerst letztes Gerät kommt ein Android-Blackberry mit physischer Tastatur.

          Quelle: F.A.Z.

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