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Fotografie : Instax hilft nicht sofort

Die Bildergebnisse, die man dann zum Preis von rund einem Euro je Print in der Hand hat, sind um Längen besser als die Instax-Bilder, die etwa mit der Leica Sofort (einem Fujifilm-Derivat) entstehen. Bild: Pardey

Sofortbildkameras sind in erster Linie Filmvernichter. Es gibt jedoch noch andere Wege, um an die beliebten Bilder zu kommen.

          Die Geschichte ist so alt wie die Sofortbildfotografie selbst. Seit anno Polaroid und bis zum heutigen Tag der Instax-Filme von Fuji bekommen wir – allerdings immer nur von anderen – brillante Instant-Fotos gezeigt: lebendig leuchtende Farben mit weichen Zwischentönen, hoher Kontrastumfang mit durchgezeichneten Lichtern und Schatten, knackige Schärfe. So sehen Sofortbilder in der Werbung aus. Und in Galerien hängen wahre Kunstwerke. Aber unsere eigenen Sofortbilder? Manchmal sind sie zu 75 Prozent schlimmster Ausschuss: die Lichter ausgefressen, die Schatten abgesoffen, Omas rosiger Teint grünlich wie eine Wasserleiche, unscharf, fehlbelichtet – einfach enttäuschend. Wie kann das sein?

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun, da kommen mehrere Gründe zusammen: Erstens sind viele angebliche Sofortbilder gar keine. Für Zwecke der Werbung wurden und werden astreine, aber eben nicht mit Sofortbildmaterial gemachte Fotos in Abbildungen mit den charakteristischen Rähmchen montiert und der leicht verführbaren Menge präsentiert. Das kann auch jeder selbst machen: mit dem Handy fotografieren, irgendeine App den Rahmen drum herum rechnen lassen und posten, fertig. Es gibt sogar Dienstleister im Netz, die unseren Digitalbildern den angesagten Instant-Look verpassen und sie ausgedruckt frei Haus schicken. Nur ist dann weder die Aufnahme- noch die Wiedergabetechnik wirkliche Sofortbildfotografie – vom Warten aufs Bild mal ganz abgesehen.

          Bei den Aufnahmen, die als sehenswerte Kunstwerke und unbezweifelbare Sofortbilder wegen ihrer ganz besonderen, auf der Chemie beruhenden Ästhetik hochgeschätzt sind, liegt der Fall etwas anders: Da wurden und werden Fotoapparate benutzt, deren Qualitäten um Lichtjahre von den Plastikkästchen entfernt sind, die für die Allgemeinheit als Sofortbildkameras vermarktet werden. Machen wir uns nichts vor, es gilt heute wie damals: Ganz egal, ob Lomo, Leica, Polaroid, Impossible oder Fujifilm auf den Jedermannkameras steht – sie sind in erster Linie Filmvernichter. Manche kann man zwar austricksen und so doch noch ganz passable Ergebnisse erzielen. Um aber richtig schöne Instant-Fotos zu machen, braucht es eine vernünftige Kamera. Und die kann man dann mit einem Instantprinter wie dem Fujifilm Instax SP-3 kombinieren.

          Die Bezeichnung SP-3 macht deutlich: Das Gerät ist zum einen das dritte seiner Art. Das verarbeitet im Gegensatz zu den Modellen SP-1 und SP-2 nicht die rechteckigen Briefmarken der Instax-Mini-Filmpacks, sondern Fujis quadratisches Filmformat. Das erinnert im Format 62 x 62 Millimeter etwas verkleinert an die Bilder der legendären Polaroid SX-70. Das akkubefeuerte Kästchen (mit USB-Ladebuchse, etwa 180 Euro) wird vom Hersteller vorrangig verstanden als Smartphone Printer. Als solchen und nur als solchen erklärt die Bedienungsanleitung alles Nötige. Dabei erschöpft sich in der Zusammenarbeit mit einem Smartphone der Funktionsumfang des SP-3 noch längst nicht.

          Gute Kamera mit ordentlichen Optiken verwendet

          Mit dem Taschentelefon zu fotografieren, auf ihm die kostenlose App Instax Share zu starten, die das Mobilgerät mit dem Printer anstandslos drahtlos koppelt, und ein eben gemachtes Foto zu printen, das ist die leichteste Übung. Erst meldet die App, sie sende, dann surrt der SP-3 und schiebt das Bild hinaus, das sich nun in Minutenfrist außerhalb des Geräts fertig entwickelt. Das funktioniert genauso, wenn man erst koppelt und dann fotografiert. Man kann aber auch lange zuvor Fotografiertes zunächst in allerdings sehr bescheidenem Umfang mit der Instax-App (besser mit einer anderen) bearbeiten oder ein Bild mit garnierenden Bemerkungen versehen und dann drucken.

          Richtig interessant wird es aber erst, wenn man eine gute Kamera mit ordentlichen Optiken verwendet. Die neueren Modelle von Fujifilms X-Serie machen sich in einem ersten und einmaligen Arbeitsgang mit dem SP-3 bekannt und haben dann im Wiedergabe-Menü einen Punkt, der den Druck auslöst. Man kann aber auch eine beliebige andere Kamera im Verein mit einem Zwischenspeicher, der App und dem Printer verwenden. Zwar mault die Instax-App vielleicht, wenn sie auf dem Tablet installiert wird, sie sei „nicht für dein Gerät optimiert“. Aber das bedeutet wohl nur, dass sie ihre Menükacheln nicht zu einem flachen Rechteck sortieren kann, sondern darauf besteht, dass das Tablet hochformatig gehalten wird. Sei’s drum.

          Es lässt sich nun, nur beispielshalber, folgendes Szenario verwirklichen: Man fotografiert mit seiner Leica und dem Summiluxus bester Optiken. Die Bilder werden mit einer Leica-App nicht aufs Smartphone, sondern auf ein Tablet übertragen. Da kann man sie erst einmal schön groß begutachten, beschneiden oder sonstwie bearbeiten. Die zur Kamera gehörige App sortiert die Bilder in einen Ordner der Galerie auf dem Tablet, wo sie die Instax-App umgehend entdeckt und auf Wunsch an den Printer weiterreicht.

          Die Bildergebnisse, die man dann zum Preis von rund einem Euro je Print in der Hand hat, sind um Längen besser als die Instax-Bilder, die etwa mit der Leica Sofort (einem Fujifilm-Derivat) entstehen. Genau dasselbe gilt für Sofortbilder mit einer Olympus Pen, einer Lumix G oder sonst einer vernetzbaren Kamera: Die Qualität ihrer Bilder kommt auf die Schnelle zwar nicht ohne Verluste, aber doch auch nicht völlig entstellt im Sofortbild an. Auf alle Fälle sind die Ergebnisse wesentlich besser als alles, was die dezidierten Sofortbildkameras liefern.

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