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Strafzettel Was lange währt

 ·  Italien braucht Geld. Ligurische Beamte durchsuchen ihre verstaubten Strafzettelkisten und schicken Touristen „Zahlungsaufforderungen“ nach Hause. Wollen wir auf den Einwand der Verjährung verzichten?

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Italien braucht Deutschland. Wir waren der schwache Gegner, damit die Azurri ins Finale einziehen konnten. Wir halten die Südländer mit unserem Geld in der EU. Wir finanzieren auch diesen Sommer wieder Hotels und Autoraststätten zwischen Südtirol und Sizilien. Das alles reicht den Italienern nicht. Jetzt durchsuchen ligurische Beamte ihre verstaubten Strafzettelkisten und schicken Touristen „Zahlungsaufforderungen“ nach Hause. Am 20. August 2009 hätten wir in Finale Ligure einen „gebührenpflichtigen Parkplatz zu lange in Anspruch genommen“. Die Banküberweisung müsse nun „innerhalb von 30 Tagen durchgeführt“ werden. Damit Italien trotz Schuldenkrise mit neuen Trikots zur WM 2014 fahren kann, hat die Behörde noch Verfahrenskosten und Postgebühren draufgeschlagen. Macht 51,45 Euro.

Noch stehen wir da wie Stürmer Balotelli in Bodybuilderpose, um zu signalisieren: Traut euch doch, ihr Italiener, und holt euch unser Geld. Doch dann entspannen sich unsere Muskeln, weil wir an jenen Sommer vor drei Jahren denken. Als wir an der ligurischen Küste am Strand lagen, auf der Rückreise wunderbaren Rotwein aus dem Piemont tranken, in Südtirol jeden Tag eine Hütte anliefen und zu Hause weinten, weil wir wieder deutschen Espresso trinken mussten. Liebe Italiener, wenn ihr uns das nächste Mal bei der WM gewinnen lasst, verzichten wir auf den Einwand der Verjährung. Vielleicht.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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