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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Steinkohlebergbau Kontrolliert auf null fahren

2018 wird der deutsche Steinkohlenbergbau eingestellt. Die Maschinen wie auch das Fachwissen werden verkauft. Danach muss auf ewig gepumpt werden.

© RAG Vergrößern Ab 2018 wird niemand mehr in den Berg einfahren

Es ist Schichtwechsel auf Auguste Viktoria. Einzeln, zu zweit und in kleinen Gruppen strömen die frischgeduschten Kumpel mit nassen Haaren und leicht rosa geränderten Augen aus dem flachen Funktionsbau, der auch mit viel Phantasie nicht an die hier in rund 1200 Meter Tiefe abgebaute Steinkohle denken lässt. Denn Kohle ist weit und breit nicht zu sehen. Nur der hinter dem Gebäude aufragende Förderturm verrät, dass man es mit einem Bergwerk zu tun hat. Und zwar mit einer Traditionszeche. Schon seit 1905 wird in der Gegend nördlich von Marl Steinkohle gefördert, auf einer Fläche von 227 Quadratkilometer. Dazu hat man Stollen mit einer Länge von zusammen neun Kilometer Länge aufgefahren. Von diesen weitgehend horizontal verlaufenden Gängen aus arbeitet man sich seitlich in die meist nicht mehr als 1,6 Meter mächtigen (Kohle-)Flöze vor.

Schicht im Schacht Land der Kohle © picture-alliance / dpa Bilderstrecke 

Georg Küffner Folgen:

Um so tief in die Erde zu kommen, müssen Schächte gebaut werden. Davon gibt es im Bereich der Zeche Auguste Viktoria rund ein halbes Dutzend, von denen der Schacht AV 8 in Haltern-Lippramsdorf für den Personentransport zuständig ist. Über ihn fahren die Kumpel ein, und hier befindet sich auch die Waschkaue - der Platz, an dem sich der Bergmann die Kohlespuren vom Leib wäscht, die verdreckten Arbeitsklamotten abstreift und seine normale Kleidung anzieht.

Deutsches Museum  - in der Bergbauabteilung zeigt das Münchner Museum historische Technologien im Stahl-Erz- und Salzbergbau © Müller, Andreas Vergrößern Damit ist es 2018 vorbei

Auch alles Arbeitsgerät, darunter die Transformatoren für die Stromversorgung und die Ventilatoren für die Bewetterung (Frischluftversorgung), gelangt durch diesen Schacht in die Tiefe, wie auch die in „handliche“ Stücke zerlegten Abbaumaschinen. Und besonders wichtig: auch die den Berg stützenden Ausbaugerätschaften. Ein anderer Schacht dient ausschließlich dazu, verbrauchte Luft nach oben abzutransportieren, während der Schachtstandort 3/7 „liefert“: Über ihn wird die gesamte Kohle der Zeche Auguste Viktoria zu Tage gehoben, aufbereitet (das mitgeförderte Gestein abgetrennt) und gemischt, so dass die Kunden, das sind ausschließlich Kohlekraftwerke, stets gleichbleibende Qualität bekommen. Übers Jahr gerechnet sind das knapp drei Millionen Tonnen. 3620 Personen sind dazu rund im die Uhr im Einsatz. Doch nicht mehr lange.

Denn auch die Zeche Auguste Viktoria „wird planmäßig gegen null gefahren“, so wie der gesamte verbliebene deutsche Steinkohlenbergbau. Im Januar 2007 hatte sich die Politik darauf verständigt, im Jahr 2018, den, wie es im amtlichen Sprachgebrauch heißt, „subventionierten Steinkohlenbergbau“ zu beenden. Finanziell unterstützt werden muss die Steinkohle seit den sechziger Jahren. Seit dieser Zeit liegen die Förderkosten über den Preisen der Importkohle - und zwar deutlich. So zahlt man derzeit für eine in den Duisburger Hafen geschipperte Tonne australische Kraftwerkskohle rund 95 Euro, während die Förderkosten hierzulande rund 160 Euro je Tonne betragen. Entsprechend groß ist der Zuschussbedarf, er beträgt knapp 2 Milliarden Euro im Jahr. Insgesamt gefördert werden derzeit jährlich rund 11 Millionen Tonnen. „Schicht im Schacht“ und damit das Aus für den Steinkohlenbergbau lautet folglich das Signal, das immer bedrohlicher im (nördlichen) Ruhrgebiet empfangen wird. Keine motivationssteigernde Perspektive, aber sie beeinflusse den Alltagsbetrieb keineswegs negativ, wie aus der Chefetage der RAG zu hören ist, in der 1998 sämtliche Aktivitäten des heimischen Steinkohlenbergbaus zusammengefasst worden waren. Beleg sei die Unfallstatistik. Sie zeige einen dramatischen Rückgang der Unfälle je einer Million Arbeitsstunden von 22,4 (2002) auf aktuell 3,7. Ein solcher Wert sei nur mit einer engagierten Mannschaft zu erreichen.

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