11.02.2012 · Der Kobold VR 100 ist der erste Staubsauger-Roboter von Vorwerk. Obwohl er sich gelegentlich verirrt, überzeugt er durch eine ordentliche Gesamtleistung.
Von Michael SpehrWer zu Hause jeden Tag staubsaugt, sei es aus hygienischen Gründen oder weil Vierbeiner überall ihre Haare hinterlassen, spart mit einem Staubsaug-Roboter viel Zeit und Mühe, denn der Apparat übernimmt die tägliche Grundreinigung ordentlich und zuverlässig, gegebenenfalls sogar zeitgesteuert, wenn man außer Haus ist. Das war unser Fazit, als wir vor einem Jahr in "Technik und Motor" zwei elektronische Putzhilfen vorstellten.
Nach ausgiebiger Erprobung wurde ein Roomba des amerikanischen Marktführers iRobot gekauft, und bis heute erledigt er zur allseitigen Zufriedenheit seine Pflicht. Zugegeben: Der gewohnte Staubsauger wird damit nicht überflüssig. Das Saugen auf Treppenstufen, auf tiefhängenden Heizungsradiatoren und in mancher schwer zugänglichen Ecke muss weiterhin manuell erledigt werden. Aber für die kleine Reinigung zwischendurch bewährt sich die flache Flunder bestens.
Nun hat der Roomba seit zwei Wochen einen Konkurrenten auf der Jagd nach Hundehaaren und Staubmäusen, den ersten Staubsaug-Roboter von Vorwerk, der die Produktbezeichnung Kobold VR 100 trägt. Es handelt sich dabei um einen modifizierten Neato XV 11 aus Amerika, der in Deutschland mit feinerer Technik und leistungsstärkerem Akku veredelt wird. Der Vorwerk hat allein die äußere Bauform mit dem amerikanischen Vorbild gemeinsam: vorn eckig, hinten rund. Das Gerät ist nur zehn Zentimeter hoch.
Mit Maßen von 34 × 34 Zentimeter und einem Gewicht von fünf Kilogramm folgt er den üblichen Konventionen, aber schon beim ersten Probelauf im Wohnzimmer stellt man fest: Er ist zwar leiser als der Neato, aber noch immer ungewöhnlich laut. Anschließend legt der Flachmann ein beeindruckendes Arbeitstempo vor und zieht auf graden Linien durch das Heim. Hindernisse wie Tisch- und Stuhlbeine werden zuverlässig erkannt, selbst die unvermeidlichen Berührungen mit Möbelstücken fallen deutlich sanfter aus als bei seinen elektronischen Kollegen.
Nach Angaben des Herstellers erfolgt die Orientierung im Raum mit einem Laser, der die Umgebung mitsamt aller potentiellen Barrieren abtastet. Ein weiterer Sensor erfasst die Entfernung zur Wand oder zu Möbelstücken. Ein Neigungssensor erkennt schließlich die tödliche Gefahr von Kellertreppen und sorgt dafür, dass sich das Gerät bei Schräglagen vorsichtig in Sicherheit bringt. Wer Teile des Raumes vor dem Befahren schützen will, kann einen mitgelieferten und zuschneidbaren Begrenzungsstreifen verlegen. Die Mitbewerber verfahren hier etwas pfiffiger und setzen auf "virtuelle Wände", also Abstandshalter mit Batterien und Infrarot. Sie lassen sich bei Bedarf als Türwächter programmieren, die den Weg von einem Raum zum nächsten erst dann freigeben, wenn der erste vollständig gereinigt wurde. Diese kleinen Boxen fehlen bei Vorwerk.
Wie bei allen Apparaten gelten weitere Einschränkungen: Die Räume müssen halbwegs Roboter-kompatibel sein. Ein chaotisches Arbeitszimmer mit aufwendig verkabelter PC- und HiFi-Anlage, mit Manuskripten, Büchern und sonstigen Utensilien auf dem Fußboden ist für den Einsatz der elektronischen Putzhilfen denkbar ungeeignet. Sie verheddern sich in Kabeln und Teppichfransen oder schieben Dinge an die Seite. Kinderspielzeug, das auf dem Boden liegt, kann ebenso eine Herausforderung sein wie die bis zum Boden reichende Zugschnur des Vorhangs. Und das Mitziehen eines Stromkabels für die Lampe kann zu nicht weniger unliebsamen Ergebnissen führen.
Hat man sich auf solche potentiellen Widrigkeiten vorbereitet, fährt der VR 100 einen Raum nach dem anderen systematisch ab. Jedes Teilstück wird vom Kobold nur einmal gereinigt. Der Roomba hingegen fährt nach einem Zufallsprinzip durch die Wohnung, jede Stelle wird mehrfach passiert und bearbeitet. Trotzdem: An der Reinigungsleistung des Vorwerk ist nichts auszusetzen. Minuspunkte gibt es nur bei der Wendigkeit: All zu häufig fuhr der Kobold forsch in eine Lücke, aus der er nicht mehr herauskam. Drehmanöver auf der Stelle scheiterten an den vorderen Ecken, er verkantete sich und stellte den laufenden Betrieb mit einer Fehlermeldung ein. Bei einer durchgängig runden Bauform würde das nicht passieren.
Schmutz und Staub schaufelt der Allradler mit seiner rotierenden Kombiwalze, an der sich Bürsten und Gummilamellen befinden, ins Innere. Eine winzige Seitenbürste ist für die Rand- und Eckenreinigung zuständig. Am Ende landet sämtlicher Unrat in einem kleinen, 400 Milliliter fassenden Kunststoffbehälter, zudem gibt es einen Luftfilter. Reinigung und Programmierung des Kobold sind kein Hexenwerk, das LC-Display an der Oberseite gibt hilfreiche Zusatzinformationen. Mit einer Akkuladung reinigt der Haushaltshelfer ungefähr 90 Minuten lang. Anschließend fährt er selbständig zum Nachtanken an seine Ladestation zurück. Im Unterschied zu anderen Modellen wird ein unterbrochener Reinigungsvorgang nach der Akku-Ladung wieder fortgesetzt. Indes reichen anderthalb Stunden für rund 75 Quadratmeter.
Der erste Vorwerk-Roboter überzeugt mit einer ordentlichen Gesamtleistung, abgesehen von den geschilderten Irrfahrten in engen Ecken. Dank einer Zeitsteuerung kann man ihn so programmieren, dass er sein Tagwerk verrichtet, wenn man selbst nicht zu Hause ist. Dann stört auch der Lärm nicht. So bleibt vor allem ein Minuspunkt: der hohe Preis. 650 Euro verlangt Vorwerk. Das ist eine stolze Summe. Denn ein Roomba, der seinen Job zwar anders, aber am Ende gleichermaßen gut erledigt, ist schon für weniger als die Hälfte erhältlich.