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Smartphone Bold 9790 Blackberrys heimliche Größe

 ·  Die Akkulaufzeit von fast immer zwei vollen Tagen ist ebenso ein Pluspunkt wie die gute Verarbeitungsqualität. Insgesamt ist das Bold 9790 für 400 Euro einer der besten Blackberrys.

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© Hersteller Wer in erster Linie eine schöne Arbeitsmaschine für die E-Mail sucht, ist hier gut beraten: Blackberry Bold 9790

Der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion steckt tief in der Krise. Im ersten Quartal ist ein Verlust von mehr als 500 Millionen Euro entstanden, und nun will Rim fast ein Drittel aller Stellen abbauen. Das für dieses Jahr angekündigte neue Blackberry-Betriebssystem 10 kommt erst 2013, die kritischen Stimmen häufen sich: Man habe endgültig den Anschluss an Apple und Samsung verpasst, Rim sei ein zweites Nokia. In seinen besten Zeiten war Rim ein Pionier. Die Kanadier hatten als Erste die E-Mail nicht aufs Smartphone, sondern auf Pager gebracht. Das war am Ende der 90er Jahre, und diese Geräte waren revolutionär. Der zweite Schritt war die Verknüpfung mit dem Mobiltelefon, und Rim entwickelte weitere Alleinstellungsmerkmale: Push-Dienste zur selbsttätigen Übertragung der E-Mail auf den Blackberry sowie die abhörsichere und komprimierte Datenübertragung für Geschäftskunden. Während die privaten Kunden mit Organizern (etwa von Palm) bedient wurden, baute Rim seine Stellung im Business-Bereich sukzessive aus. Als Führungskraft hatte man einen Blackberry, das war ein Statussymbol - und für die betreuenden IT-Abteilungen eine sichere Sache.

Rim hatte Marktanteile von bis zu 20 Prozent, derzeit sind es etwas mehr als fünf Prozent. Viele Manager wollen lieber ein iPhone als den veraltet wirkenden Blackberry. Das iPhone kann mehr, sieht schicker aus - und ist bei allen multimedialen Anwendungen deutlich leistungsfähiger. Wir haben einige Wochen den Blackberry Bold 9790 mit dem aktuellen Betriebssystem 7 ausprobiert und meinen, dass es keinen Anlass gibt, den Stab über Blackberry zu brechen. Zu den schwärzesten Zeiten von Nokia waren deren Symbian-Smartphones nahezu unbedienbar. Man hat sich jeden Tag und immer wieder über Unstimmigkeiten und Fehler geärgert. Vieles war kilometerweit vom Stand der aktuellen Technik entfernt. Von solcher Kritik kann bei den Rim-Geräten keine Rede sein. Das Betriebssystem hat eine klare, gefällige Logik, die Bedienung wirft keine unlösbaren Fragen auf, die Ausstattung gefällt, und das Display ist knackscharf.

Passt in die Hosentasche

In dieser Hinsicht ist der kleine Blackberry ziemlich groß, obwohl er mit Maßen von 11 × 6 × 1,2 Zentimeter und seinen gerade mal 107 Gramm prima in die Hosentasche passt. Das Gehäuse wirkt robust, allein der Akkudeckel hatte bei uns ein bisschen Spiel. Rim hat sich bei diesem Modell für die klassische Bauform mit Mini-Tastatur entschieden. Die Tastenoberfläche ist so geformt, dass sie beiden Daumen ideale Angriffspunkte bietet, nur haben Punkt und Komma wie gehabt keine eigene Taste, sondern müssen in Kombination mit „Alt“ gedrückt werden. Wer viel unterwegs schreibt, ist mit dem Keyboard bestens bedient, zumal auch die Blackberry-Eingabehilfe mit Textbausteinen und Kürzeln zur Verfügung steht - und manchen Tippfehler von allein ausbessert. Über den Tasten befindet sich das berührungsempfindliche Touchpad, mit dem man flink durch die Menüs gleitet oder den Cursor bewegt. Noch schneller geht es, wenn man die betreffenden Icons auf dem Touchscreen antippt. Auf vielen unterschiedlichen Wegen kommt man also schnell zum Ziel. Gewöhnungsbedürftig hingegen: Im Unterschied zu iPhone und Android lässt sich der Startbildschirm nur auf Umwegen individuell konfigurieren. Das Hauptmenü zeigt stets alle Apps an, einzelne lassen sich jedoch in ein Favoriten-Menü einsortieren.

Die beiden Netzwerke Facebook und Twitter sowie die Chat-Systeme von Google Talk und Windows Live sind als „Social Feeds“ unter einem Dach zusammengefasst. Meldungen von Twitter und Facebook sowie andere Hinweise erscheinen auch in der oberen Menüleiste, aber im Vergleich mit iPhone und Android fehlt dem Nachrichtensystem der letzte Feinschliff. Auch die 5-Megapixel-Kamera überzeugt nicht. Der ärgerlichste Schwachpunkt ist indes der zu kleine Bildschirm. Zugegeben, die Pixeldichte ist beeindruckend, aber mit 480 × 360 Pixel auf 5 × 3,7 Zentimeter sieht man von den Inhalten nicht viel. In der Listenansicht sind gerade mal vier E-Mails untereinander aufgeführt, bei Web-Seiten ist fortwährendes Rollen in alle Richtungen angesagt.

Die technische Ausstattung hingegen gefällt. Der Einkern-Prozessor ist mit 1 Gigahertz getaktet und bietet ein ordentliches Arbeitstempo, sechs Gigabyte interner Speicher lassen sich mit Micro-SD-Karten aufstocken, W-Lan, GPS, Bluetooth 2.1 und sogar ein NFC-Modul für „Near Field Communication“ sind eingebaut. Nur bleibt das Datentempo mit UMTS und HSDPA etwas gemächlich, mehr als 7,2 MBit/s sind nicht drin. Die Akkulaufzeit von fast immer zwei vollen Tagen ist ebenso ein Pluspunkt wie die gute Verarbeitungsqualität. Insgesamt ist der Bold 9790 für 400 Euro einer der besten Blackberrys. Wer in erster Linie eine schöne Arbeitsmaschine für die E-Mail sucht, ist hier gut beraten. Privatkunden benötigen wie gehabt zu ihrem Mobilfunkvertrag eine „Blackberry Option“ für den E-Mail-Empfang, für die geschäftliche Nutzung wird das Gerät direkt im Unternehmensnetzwerk eingebunden - und man erhält dann die einzigartige abhörsichere Kommunikation.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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