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Smart TV Weihnachten für Sofa-Surfer

 ·  Der Fernseher mutiert zum Heimcomputer: „Smart TV“ bringt Webinhalte auf die Mattscheibe. Neue Geräte haben es meist drin, ältere kann man problemlos aufrüsten. Ein Überblick.

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© Hersteller Achtung! Smart TV übernimmt die Kontrolle auf dem Fernsehgerät

Steht auf der Einkaufsliste zum Weihnachtsfest ein neues Fernsehgerät, dann gilt es, die üblichen Entscheidungskriterien abzuarbeiten. Größe, Bildeindruck und Tonqualität rangieren dort wie immer ganz oben. Aber die Gerätegeneration 2012 stellt noch ganz andere Dinge zur Auswahl. Zum Beispiel: Kommen die Online-Videotheken Maxdome, Lovefilm oder andere auf die Mattscheibe? Kann man über Picasa Fotos gucken, oder muss man einen anderen Bilderdienst in Anspruch nehmen?

Kurzum: Neben den klassischen Fernsehprogrammen, die über Kabel, Satellit oder den Fernsehturm ins Wohnzimmer kommen, zaubern praktisch alle modernen Fernsehgeräte vom Diagonalmaß 80 Zentimeter aufwärts zusätzlich auch Medien und Informationen per Internetverbindung auf den Bildschirm. Dafür steht der neue Gattungsname „Smart TV“. Wer mag, kann sogar ältere Geräte damit adeln - mit kleinen Kistchen, die man an den HDMI-Anschluss des Fernsehers klemmt.

Alles, was aus dem Web kommt, lässt sich auf dem Bildschirm über bunte Symbole abrufen. Deren Erscheinungsbild rückt den Fernseher unübersehbar in die Nähe von Smartphones und Tablet PC. Dennoch gibt es grundsätzliche Unterschiede. Dort dominieren zwei Betriebssysteme: Apples iOS und Googles Android. Beide Industriegiganten halten mit dem App Store und dem Konkurrenz-Supermarkt Google Play ein ganzes Universum an Anwendungssoftware bereit, die auch zu Online-Medien und Diensten aller Art führt. Hier kann sich jeder nach Herzenslust bedienen, teils gratis, teils zu moderaten Preisen.

Smart TVs ticken anders. Hier betreibt nahezu jeder Hersteller seine eigene technische Plattform. Die einzige Ausnahme sind Toshiba, LG und Philips. Sie arbeiten in einer Smart-TV-Allianz an gemeinsamen Spezifikationen für die Aufbereitung von Web-Inhalten. Bisher ist das Angebot an Apps jedenfalls untrennbar mit der Gerätemarke verbunden. Noch einmal am Beispiel der Online-Videotheken: Kauft man einen Samsung, darf man sich auf Maxdome freuen. Soll es ein Sony sein, heißt die Filmquelle Lovefilm. Hinzu kommt: Im Vergleich zum schier grenzenlosen Software-Repertoire für Mobilgeräte ist das App-Angebot für Smart TVs immer noch überschaubar. Es wächst zwar kontinuierlich, aber bis neuer Software-Segen wirklich auf der Bildfläche ankommt, vergehen oft Monate: So groß sind zumeist die Intervalle, in denen Gerätehersteller Updates anbieten.

Zwar versucht Google, sein Android-Betriebssystem auch auf Fernsehgeräten zu etablieren, und Apple-Auguren erwarten seit Jahr und Tag, dass der Hersteller demnächst ins Geschäft mit Fernsehgeräten einsteigt. Doch Google kommt mit seinen Plänen nicht nennenswert voran, von einer externen Sony-Box einmal abgesehen. Und Apple hat bisher auch nur seine TV-Kiste zu bieten. Also herrscht auf dem Großbildschirm weiterhin Kleinstaaterei, was man aus Sicht der Hersteller nur allzu gut nachvollziehen kann: Sie kontrollieren lieber selbst ihre Web-Portale, als diese Rolle an eine Supermacht abzutreten.

Smart TV in der Praxis

Wir haben uns exemplarisch mehrere Produkte näher angeschaut: einen Smart-TV-Fernseher von Loewe und drei externe Boxen, nämlich Apple TV, Sonys Google TV und Videoweb. Da sich die aktuellen Spielekonsolen ebenfalls als Internet-Erweiterung für das TV-Gerät einsetzen lassen, durfte auch Microsofts XBox mitspielen.

Die Konzepte der Bedienoberfläche ähneln sich - ebenso wie die Hardware-Architektur. Die Geräte haben ein W-Lan-Modul, sodass sie sich kabellos mit dem heimischen Router verbinden können, um Daten mit dem Internet auszutauschen. Diese Informationen gelangen - in Bilder umgesetzt - zum Fernseher per HDMI-Kabel. Jeder Hersteller legt seiner Smart-TV-Box eine Fernbedienung bei.

Fernbedienung statt Maus

Hier beginnen die Unterschiede. Apple packt eine Mini-Fernbedienung bei, welche auf die wesentlichen Funktionen der Software wie „Abspielen“, „Pause“, Menü-Auswahl und Navigation ausgerichtet ist. Sony und seit neuestem auch Videoweb spendieren ihren Handapparaten auf der Rückseite eine vollwertige Tastatur. Google TV lässt sich zudem mit einem Touchpad bedienen.

Und diese Funktion erweist sich beim täglichen Gebrauch als ziemlich praktisch. Man kann nämlich dadurch nicht nur im Browser navigieren, wie man es vom Computer gewöhnt ist, sondern auch Menüpunkte direkt ansteuern. Bei Apple und Videoweb muss man mühsam die einzelnen Buttons abarbeiten. Allerdings können Apps dabei helfen, aus einem Smartphone eine Fernbedienung zu machen, sodass man eine ähnliche Funktionalität erreicht. Microsoft bietet dafür die überaus praktische App Smartglass an, deren Einsatz allerdings die kostenpflichtige XBox Goldmitgliedschaft (knapp 40 Euro im Jahr) erfordert.

Ähnliche Darstellung der Software

Auf dem Bildschirm reihen sich meist neben- und untereinander kleine Symbole für Apps. Klickt man diese an, öffnet sich das jeweilige Mini-Programm auf dem ganzen Bildschirm. So sieht es etwa auf Samsung-Fernsehgeräten oder Videoweb aus. Google passt die App-Ansicht immerhin dem Medium Fernseher an. Die Apps sind am unteren Rand in der Horizontalen angeordnet, wobei die restliche Fläche die aktive App anzeigt. Apple hat die Darstellung auf seine Verkaufsstrategie zugeschnitten. Es gibt vier Hauptbereiche: Filme, Musik, Computer und Einstellungen. Die ersten beiden führen direkt in den iTunes-Store, wo man Filme und Musik leihen und kaufen kann. Mit „Computer“ kann man auf Daten des eigenen Rechners zugreifen. Apple spendiert zehn weitere Apps, darunter das Übliche wie „Youtube“. Weitere können nicht installiert werden. Der Apple-Kosmos bleibt geschlossen.

Wer nun über Apples Strategie schimpft und sofort zu einem Produkt des Konkurrenten Google greift, findet dort als Betriebssystem eine ältere Version von Android (3.2) vor, unter der zwar weitere Apps aus installiert werden können. Aber auch Googles Interesse richtet sich auf den Verkauf seiner Filme, Musik und Apps. Wie auf Android-Geräten üblich, kauft man bei Google Play ein. Kostenlos sind dort nur Produkte aus dem App-Bereich. Google hat zudem seinen Online-Laden angepasst. Viele Apps sind dort nicht zu finden. Auch können Nutzer keine Bücher kaufen - was bei Smart TV auch einleuchtet.

Videoweb setzt hingegen in der Masse seiner Apps auf klassische Fernsehinhalte. In der Tat kann man neben den üblichen Verdächtigen wie Youtube, Maxdome oder ARD Mediathek „100 weitere“ Apps installieren. Doch Fernsehprogramme wie Oberlausitz TV oder RF Landshut dürften nur wenige Freunde haben. Ein Schmankerl hat das Münchner Unternehmen im Angebot. Auf „Zattoo Live TV“ läuft das Fernsehprogramm live - für fünf Euro monatlich. Dadurch sind die üblichen DVB-T-, Kabel- und Satellitenanschlüsse theoretisch entbehrlich. Sie liefern jedoch die bessere Qualität, Zattoo schafft nicht immer ruckelfreie Bilder.

Unterschiede bei der Hardware

Die Hardware unterscheidet sich in der Performance. Die Qualität zeigt sich beim Ansteuern und Öffnen der Apps am besten. Apple und Google TV sowie die im Fernsehgerät integrierten Smart-TV-Lösungen von Loewe, Samsung und Sony laufen flott. Nur Videoweb macht den Eindruck, als hätte die Hardware zu kämpfen. Ebenso hakte es bei der Erstinstallation. Drei Anläufe hat es gebraucht, bis das Firmwareupdate installiert war.

Neben den beschriebenen Kistchen können Fernsehgeräte auch mit einer Spielekonsole zum Smart TV aufgepeppt werden. So hat man etwa auf der neuen Wii U von Nintendo Zugriff auf Youtube, Lovefilm oder einen Browser. Ebenso bringt Sonys Playstation Webinhalte auf das TV-Gerät. Microsoft nutzt bei seiner XBox seit dem neuesten Update konsequent die Internetanbindung. Das Unternehmen greift Apples iTunes und Googles Play direkt an. Wer eine XBox betreibt, kann nämlich bequem Musik und Filme ausleihen oder kaufen und diese über seinen Apparat abspielen.

Internet-Fernsehen in der Zukunft

Macht uns die Internet-Anbindung des Fernsehers nun wirklich glücklich? Eher nicht. Denn es ist längst nicht alles Gold, was aus dem Internet kommt und auf dem Bildschirm glänzt: Muss man unbedingt eine Zeitung online auf der Mattscheibe lesen? Braucht man Wetterinformationen aus Südamerika oder Modemagazine aus den Vereinigten Staaten? Muss man unbedingt einen Browser auf dem Bildschirm haben - kann man Surf-Aktivitäten nicht viel besser mit einem Tablet auf dem Schoß erledigen?

Andererseits gibt es auch Unentbehrliches, das mit allen Gerätefabrikaten erreichbar ist. Dazu gehört, keine Frage, die Online-Glotze Youtube, dazu gehören ebenso die Mediatheken der Sender, die vieles zum jederzeitigen Abruf bereithalten, was man zum offiziellen Ausstrahlungstermin verpasst hat. Schön auch: Mit der „Red Button“-Funktion (dem roten Knopf der Fernbedienung) kann der Zuschauer direkt vom Fernsehprogramm zu programmbegleitenden Informationen aus dem Web wechseln. Die meisten Fernsehgeräte mit Smart-TV-Ausstattung bieten diese Funktion an. Und natürlich: Die Online-Videothek, die jederzeit und ohne PC-Hilfe auf dem Bildschirm im Wohnzimmer öffnet, ist eine Errungenschaft.

Ein Wunsch bleibt unerfüllt: Eigentlich müsste alles viel eleganter, leichter und einfacher funktionieren. Bei Loewe hat man diese Herausforderung zwar recht ordentlich bewältigt und Smart TV gut integriert. Doch nichtsdestotrotz werden auch in den nächsten Jahren viele Nutzer wieder häufig genervt vor ihren Geräten stehen. Der Blick wird ratlos zwischen Fernbedienung und Bildschirm hin- und herwandern, ohne dass sich intuitiv erschließt, warum Smart TV die Zukunft des Fernsehens sein soll. Dann bleibt immer noch das klassische TV-Programm. Und das ist besser als sein Ruf.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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