10.05.2005 · Mit "Die Sims 2" geht die Daily Soap zum Selberspielen in die zweite Runde.
Olaf sieht gut aus, hat viele Freunde und mag Julia. Am liebsten spielt er mit seiner Videokonsole, neulich hat er aber auch mal wieder ein Buch gelesen. Seine Arbeit als Medizintechniker ist schlecht bezahlt und langweilt ihn. Um die Stimmung zu heben, läßt er am Wochenende eine Party steigen und sucht im Stellenmarkt der Zeitung nach einem neuen Job.
Ein ganz normaler Alltag. Indes lebt Olaf in der Welt der Sims auf einem PC. Mit "Die Sims 2" geht die Daily Soap zum Selberspielen in die zweite Runde. Electronic Arts hat dem erfolgreichsten Computerspiel aller Zeiten eine Frischzellenkur verpaßt. Mit verbesserter Grafik wirken die Bewohner der Computerwelt noch lebensechter. Man läßt sie entweder allein und beobachtet von außen die Entwicklung oder greift in das Geschehen ein und gibt den Spielfiguren mit Tastatur und Maus eine Anweisung nach der anderen.
Bis ins Detail kann man sein virtuelles Alter ego nun gestalten. Dazu lassen sich die Gesichter wie Phantombilder an einem Polizeicomputer modellieren. Charakterlich sind die Sims nach wie vor von eher schlichtem Gemüt. Den nervigen Hygienefimmel haben sie zwar abgelegt, und sie agieren jetzt selbständiger mit anderen Figuren. Am liebsten beschäftigen sie sich jedoch mit Computerspielen und erfreuen sich am Luxus. Je teurer die Umgebung, desto besser. Altruistische Sims sind selten in den drei verschiedenen Spielwelten des virtuellen Sim-Universums.
Nun altern die Figuren, sie haben ein Erinnerungsvermögen und detailreichere Gesichtsausdrücke. Manchmal schauen sie sogar zum Spieler auf und kommentieren seine Anweisungen im üblichen Sim-Kauderwelsch, einer eigenes für das Spiel geschaffenen Sprache. Wenn die Sims zu viel essen und keinen Sport treiben, werden sie dick. Schachspielen, Lesen, Malen und Trainieren sind hingegen in der Freizeit angesagt, damit es auf der Karriereleiter aufwärtsgeht. Neu ist die Geburt von Kindern und die genetische Vererbung von körperlichen und charakterlichen Merkmalen: eine nette Funktion, die aber mehr verspricht, als sie hält. Man muß schon eine ganze Weile spielen, bis bestimmte Merkmale bei den Nachkommen dominant zum Vorschein kommen. Anders bei den Äußerlichkeiten: zwischen Eltern und Kindern lassen sich durchaus Ähnlichkeiten feststellen.
Der größte Nachteil der neuen Software (nur für Windows) sind die langen Ladezeiten. Bis das Spiel endlich läuft, vergehen selbst auf einem schnellen PC mit großzügiger Ausstattung mehrere Minuten. Mal eben mit der Spielfigur im Taxi zum Einkaufszentrum oder ins Nachbarhaus zu fahren: das dauert alles viel zu lange. Geduld ist auch beim Spielverlauf nötig. Die Seifenoper am PC ist zwar nach wie vor fesselnd. Die Parallelexistenz in der virtuellen Welt braucht jedoch viel Zeit. Man muß schon etliche Stunden dabeisein, um bedeutende Entwicklungsschritte seiner Familie zu erleben. Wer die ersten Sims mochte, kommt mit der Version 2 in jeder Hinsicht auf seine Kosten und wird wochenlang beschäftigt sein. Die 50 Euro für die "Die Sims 2" sind gut angelegt (misp.).
System: PC
Anbieter: Electronic Arts
Genre: Simulationen
Release: 16.09.2004
Anzahl Spieler: 1 Spieler
Version: Deutsch