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Sicherheitstechnik Pilzköpfe gegen Panzerknacker

29.12.2011 ·  Absolute Sicherheit gegen Einbrecher gibt es nicht. Aber mit der richtigen Technik lässt sich die Widerstandsfähigkeit von Türen und Fenstern erhöhen. Am wichtigsten ist die Mechanik, und Nachrüsten ist möglich.

Von Peter Thomas
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© Ehapa-Verlag Die vielleicht berühmtesten Einbrecher der Comic-Geschichte sind Disneys Panzerknacker. Zum 60. Geburtstag kann man das in neuen Taschenbüchern aus dem Ehapa-Verlag nachlesen.

Von Sicherheitsglas und einbruchhemmenden Fensterbeschlägen über Fingerabdruck-Scanner und Panzerriegel reicht die Palette der technischen Hilfsmittel gegen Einbrüche in Haus und Wohnung bis zu vernetzten Alarmanlagen und ausgeklügelten Nachrüstsystemen für bestehende Bauten. Dieses große Angebot spiegelt das Sicherheitsbedürfnis der Menschen wider, auch wenn nicht jeder Immobilienbesitzer gleich alle Register der Sicherheitstechnik ziehen muss.

Grundsätzlich ist eine Aufrüstung jedoch, sofern sie technisch richtig geplant und ausgeführt wird, oft sehr sinnvoll. Denn auch wenn die Zahl der Einbrüche in Deutschland seit der Mitte der 1990er Jahre zurückgegangen ist, wird doch noch immer alle zwei Minuten irgendwo in der Bundesrepublik eingebrochen. Leider entsprechen viele Bauelemente im Bestand wie Fenster und Außentüren längst nicht mehr dem heute gängigen Standard, was ihre Widerstandsfähigkeit gegen Eindringlinge angeht.

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© Hersteller Moderne Fensterschlösser verriegeln sich beim Schließen selbst

Gibt es eigentlich den typischen Einbruch in privaten Immobilien? Besonders während des Tages, also zwischen 6 und 21 Uhr, knacken Einbrecher in den vergangenen Jahren immer häufiger Türen oder Fenster. Das sagt die Auswertung von polizeilichen Kriminalstatistiken durch die Initiative für aktiven Einbruchschutz (www.nicht-bei-mir.de). Auch die aktuelle „Kölner Studie“ der Kriminalpolizei über Wohnungseinbruchsdelikte (WED) aus dem Jahr 2006 nennt als Zeit der meisten Einbrüche nicht etwa die tiefe Nacht, sondern die Stunden zwischen 16 und 22 Uhr.

Wer seine Haus- oder Wohnungstür mit Panzerriegeln und anderen Sicherheitselementen aufrüstet, der fühlt sich gegen die Gefahr von Einbrüchen erst einmal gewappnet. Dieses Gefühl kann aber trügen, warnen Fachleute. Denn selbst die widerstandsfähigste Haustür hilft nicht viel, wenn der Rest von Wohnung oder Haus ein viel geringeres Schutzniveau hat. „Wenn Sie in Sicherheit investieren, dann machen Sie das bitte auch überall“, sagt deshalb Frank Singhoff, „denn auch Fenster und Terrassentür, Keller und obere Stockwerke sind schließlich mögliche Zutritte für einen Einbrecher.“ Singhoff führt zusammen mit seinem Bruder Thomas ein mittelständisches Fachgeschäft für Bauelemente in Raunheim bei Frankfurt. Besser als die massive Aufrüstung an einigen wenigen Stellen, raten die Praktiker, sei ein durchgehendes Sicherheitskonzept, das alle Schwachstellen abdeckt.

Ein solches ganzheitliches Sicherheitskonzept gegen Einbrüche empfiehlt auch die Polizei - und benennt dabei die wichtigsten Problempunkte: „Schwachstellen sind oft Terrassen- und Balkontüren, dann folgen die Fenster“, sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Zentralen Geschäftsstelle für Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Dass viele Menschen den Fokus von Sicherheitstechnik auf Haustüren legen, sei deshalb nicht ausreichend: Gerade in Einfamilienhäusern erfolgten Einbrüche meist über Fenstertüren oder Fenster und nicht über Haustür oder Keller.

Häufig sei allerdings nicht die Technik das allergrößte Problem, sondern der Umgang der Menschen damit: „Oft machen es die Bewohner den Einbrechern besonders leicht“, mahnt Schmidt. Wer beispielsweise beim Verlassen der Wohnung die Fenster gekippt lasse oder die Haustür nur ins Schloss ziehe, aber nicht abschließe, der mache es potentiellen Eindringlingen sehr einfach. „Sicherheitsbewusstes Verhalten ist genauso wichtig wie die technische Sicherung“, unterstreicht der Kriminalist. Dazu gehöre auch, unter keinen Umständen einen Haustürschlüssel im Außenbereich zu verstecken.

Einbruchhemmende Tür- und Fenstersysteme wurden bisher in verschiedene Widerstandsklassen (WK) aufgeteilt. Seit Herbst 2011 gelten die weitgehend unveränderten Normen mit RC-Einteilung. Das neue Kürzel steht hier für „Resistance Class“. Das Institut für Fenstertechnik in Rosenheim (IFT) bezeichnet dabei die Ausrüstung von RC2-Fenstern (bisher WK2) als „Standardsicherheit“. Ein Fenster nach dieser Norm soll also einem Einbrecher widerstehen, der zwar keine große Erfahrung mitbringt, aber immerhin Werkzeuge wie Schraubendreher, Zange und Holzkeile gezielt einsetzt. Vergleichbar definiert auch Fensterhersteller Gayko in Wilnsdorf das Täterprofil, gegen das RC2-Fenster schützen sollen.

Die Maßnahmen zur Einbruchsicherung in einem Bauelement bestehen für gewöhnlich in einer Reihe technischer Lösungen, die sich gegenseitig ergänzen. So gibt es beispielsweise bei Gayko-Fenstern der Ausführung „SafeGA 5000“ eine durchwurfhemmende Verglasung und sechs bis acht Verriegelungspunkte - darunter auch gegenläufig arbeitende Pilzkopfzapfen, was das Verschieben eines Fensterflügels unterbindet. Hinzu kommen noch Details wie extrem robuste Beschläge und Befestigungen, abschließbare Sicherheitsgriffe und besonders stabile Verschraubungen der Profile.

Eine moderne Interpretation

Der Anspruch, das eigene Heim gegen unerwünschte Eindringlinge zu sichern, ist wohl so alt wie die Sesshaftigkeit der Menschen. Zunächst zog man sich hinter Palisaden, hohe Mauern und Gräben zurück. Als Alarmanlagen dienten wachsame Lebewesen - neben Nachtwächtern und Wachhunden konnten das sogar Gänse sein, wie die römische Stadtgeschichte berichtet. Doch schon vor etwa 4000 Jahren kam als technischer Einbruchschutz das Schlüssel-Schloss-System auf. Diese Sperrmechanik erlaubt es, eine Tür durch einen Schließmechanismus - das Schloss - so zu versperren, dass es nur durch einen mechanisch auf bestimmte Weise kodierten Schlüssel geöffnet werden kann. Diesem Prinzip folgten schon die ältesten Fallriegelschlösser.

Heute kann man auf die moderne Interpretation dieser alten Technik vertrauen. Denn ein modernes Türschloss ist im versperrten (also abgeschlossenen) Zustand für die meisten Einbrecher immerhin so lange ein wirksames Hindernis, dass sie sich meist für eine andere Methode entscheiden, um in das Haus einzudringen. Denn mehr als einen dicken Schraubenzieher, Holzkeile und ein bisschen Kraft braucht es nicht, um ein vielleicht 30 Jahre altes Fenster mit einfachem Kunststoffrahmen zu knacken - geübte Einbrecher erledigen das in nur wenigen Sekunden.

Fenster und Türen absichern

Die Dunkelmänner drücken dabei die Schließzapfen und den Beschlag mit den entsprechenden Nuten auseinander - schon kann der Fensterflügel geöffnet werden. Gegen dieses Vorgehen hat sich die Fensterindustrie schon seit längerem die sogenannten Pilzkopfzapfen einfallen lassen: Diese Schließbolzen gleiten beim Drehen des Fenstergriffs wie ihre einfacheren, zylindrisch geformten Vettern in die entsprechenden Nuten hinein. Ihre Auskragung am oberen Ende (der sogenannte Pilzkopf) greift dabei allerdings unter das Blech des Beschlags und verhindert so das Aufhebeln.

Nach ähnlichem Muster setzt man Sicherheitsausrüstungen für Fenster und Türen jeweils gegen typische Vorgehensweisen von Einbrechern ein: Abschließbare Fenstergriffe unterbinden unter anderem, dass der Öffnungsmechanismus durch hohe Kraftaufwendung durch Schläge auf einen Schließzapfen umgekehrt wird. Und gegenläufige Zapfen wie bei dem Verschlusssystem GaykoGVS sorgen dafür, dass ein Fensterflügel nicht zur Seite gedrückt werden kann. Durchwurfhemmende Glaskonstruktionen schließlich sollen das Zertrümmern der Scheibe erschweren, und massive Ausführungen von Beschlägen und Befestigungen dienen ganz allgemein dazu, Fenster und Türen sicher zu machen.

Beratung vom Fachmann

Diese Sicherheit ist nicht unbezahlbar: Fenster mit RC2-Zertifizierung kosten je Flügel durchschnittlich 200 Euro mehr als eine mechanisch einfache Ausführung. Ob man sich für diesen RC2-Standard oder eine andere Widerstandsklasse entscheidet, hängt vom Objekt und den eigenen Anforderungen ab. Der Orientierung für den Kunden dient die Zertifizierung des kompletten Produkts nach der Norm DIN V ENV 1627-30. Und auf diese Prüfung sollten Kunden auch Wert legen: „Wer beispielsweise ein Fenster nach RC2 wünscht, der sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Elemente auch das entsprechende Prüfsiegel für WK2 oder RC2 aufweisen“, rät Thomas Singhoff. Denn nur das in sich stimmig konstruierte und geprüfte Fenstersystem erbringe wirklich alle Eigenschaften der jeweiligen Widerstandsklasse.

Vergleichsweise einfach ist die Entscheidung für ein modernes Fenstersystem beim Neu- oder Umbau. Dabei lassen sich die Wünsche nach aktueller Wärmedämmung mit denen nach besserer Sicherheit kombinieren. Immobilienbesitzer, deren Fenster bei der Wärmedämmung schon einen guten Standard haben, können Sicherheitstechnik jedoch nachrüsten. Dafür gibt es Nachrüstsicherungen aus VdS-zugelassenen Elementen. Hierbei kommt es darauf an, dass diese Technik richtig installiert wird. Denn, so Frank Singhoff, „Sicherheitstechnik ist am Ende nur so gut, wie sie montiert wird“. Wer derart nachrüsten möchte, sollte sich vom Fachmann beraten lassen. Das Material für die Nachrüstsicherungen kostet je Fensterflügel rund 200 Euro - was abhängig von der Fenstergröße variieren kann. Dazu kommen die Kosten für die Montage.

Wenn Türen und Fenster so gut wie möglich geschützt sind, ist eine Investition in weitere Technik wie Alarmanlagen oder besonders stabile Rollläden überlegenswert. Bei modernen Alarmanlagen lässt sich die Einbrüche registrierende Sensorik auch mit anderen Elementen wie Rauchmelder und Wassermelder kombinieren. Und die Bewohner werden beispielsweise auf dem Smartphone sofort über das Auslösen eines der Warnsysteme informiert.

Elektronik hilft auch in anderen Bereichen, das Einbruchrisiko zu senken: So kann man die Beleuchtung programmieren und automatisch gesteuerte Rollläden jeden Abend pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit herunterfahren lassen. Und elektronische Haustürschlösser lassen sich statt mit einem Schlüssel auch mit Fingerabdruck-Scannern ausstatten. Dann wird die Zutrittskontrolle zum Haus eine Sache des richtigen Fingerspitzengefühls.

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