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Technik des Foilens : Über Flieger und Überflieger

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Hohe Kunst: Die zurzeit vor Bermuda segelnden Katamarane der Klasse AC 50 sind zwar deutlich kleiner als die beim vorigen America’s Cup in der Bucht von San Francisco eingesetzten 72-Fuß-Boote. Bild: AFP

Der America’s Cup hat die Technik des Foilens hoffähig gemacht. Inzwischen fahren Boote und Bretter aller Art nicht mehr auf, sondern über dem Wasser.

          Als die berühmteste Regatta der Welt 2010 nach 159 Jahren erstmals auf Mehrrumpfbooten ausgetragen wurde, löste das in der Segelgemeinde beinahe einen Glaubenskrieg aus. Die Traditionalisten rümpften die Nasen über die Spezies der Katamarane und Trimarane. Deren bauartbedingt höheres Geschwindigkeitspotential, wenn sie einen Rumpf aus dem Wasser heben, überzeugte allerdings die Aktiven und die Vermarkter nachhaltig.

          Doch technisch war das nicht zu Ende gedacht. Noch schneller sollte es gehen, wenn die Rennmaschinen quasi ganz und gar über der Wasseroberfläche schwebten. Die Konstrukteure erinnerten sich der Tragflächen, sogenannter Hydrofoils, und erreichen damit locker die dreifache Windgeschwindigkeit. Wieder war der America’s Cup (AC) Vorreiter für den modernsten Segelsport der Neuzeit. Und in der Folge eint er sogar die gespaltenen Fans. Denn längst verleihen Foils auch Einrümpfern von der Hochseerennjacht bis zum Freizeitspaßgerät Flügel.

          Immer schneller werden ist das Ziel

          Mit den Finalrennen des amerikanischen gegen den neuseeländischen Katamaran geht in diesen Tagen der 35. America’s Cup in die entscheidende Phase. Die Bilder der über den Großen Sund von Bermuda rasenden Boote sind atemberaubend. So neu, wie viele meinen, ist die Technik des Foilens indes nicht. Schon in den fünfziger und sechziger Jahren tüftelten Freaks daran, den Rumpf einer Jolle aus dem Wasser zu heben, um den Widerstand zu verringern und schneller zu werden.

          Ab Windstärke 2 bis 3 hebt das Seitenschwert die Quant 23 aus dem Wasser. Bilderstrecke

          Abenteuerliche Auslegerkonstruktionen, die Holzleitern ähnelten, wurden in unterschiedlichen Anstellwinkeln seitlich an die Boote geklemmt oder geschraubt. Auch der ehemals olympische Tornado-Katamaran schaffte so einige hundert Meter ziemlich instabiler Geradeausfahrt über der Oberfläche.

          Foilen, das Fliegen über dem Wasser

          Am Grundprinzip hat sich seitdem nicht viel geändert. Gebogene Schwerter, die in Fahrtrichtung etwas angewinkelt werden, erzeugen bei der Vorwärtsbewegung durchs Wasser Auftrieb und heben den Bootskörper an. Durch die Verwendung von Kohlefaser-Baumaterial geht das nur viel besser als früher. Denn die Boote sind immer leichter geworden und die dünnen, effizienten Schwerter trotzdem steif und durabel.

          Dabei wirkt Foilen von außen oft viel einfacher, als es ist. Das Fliegen übers Wasser bleibt eine filigrane Angelegenheit, die kleinste Steuer- oder Trimmfehler kaum verzeiht und bei Geschwindigkeiten von 60 bis 80 km/h und mehr gefährliche Vollbremsungen mit Überschlägen herbeiführen kann.

          Der Trend ist nicht mehr aufzuhalten

          Aber der vom AC vorgegebene Trend scheint nicht mehr aufzuhalten. Als Erste folgten kleinere Kat-Modelle wie der zehn Meter lange GC32, den Cup-Teams in der Frühphase ihrer Vorbereitungen als Trainingsboot nutzten. Der deutsche Konstrukteur Martin Fischer, beim 35. AC vor Bermuda in Diensten des allerdings als Erstes ausgeschiedenen französischen Syndikats Groupama, hatte den Kat zunächst mit herkömmlichen Schwertern konzipiert. Doch die Klasse erkannte die Zukunft schnell und sprang auf den Foiling-Zug um. Seit 2016 wird der GC32 deshalb beim globalen Grand-Prix-Zirkus Extreme Sailing Series benutzt, die vom 10. bis 13. August abermals in Hamburg gastiert.

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