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Seat Leon Der Löwe muss wieder richtig zupacken

 ·  Seit 1999 hat Seat 1,2 Millionen Leon verkauft. Jetzt debütiert die dritte Generation, die helfen soll, Seat aus dem tiefen Tal der Tränen zu führen.

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© Hersteller Vergrößern Obwohl formal das gleiche Auto (Schrägheck-Limousine, vier Türen), hat der Leon einen eigenständigen Auftritt mit markanten gezogenen Linien in der Front und am Heck

Kein Dirigent hat sein Orchester so gut im Griff wie die Strategen im Volkswagen-Konzern. Während es anderen kaum glaubhaft gelingt, verschiedene Marken mit dem gleichen technischen Inhalt zum Erfolg zu führen, hat VW ein Händchen dafür. Nur Seat sorgt bisweilen für Misstöne. Die spanische Tochtergesellschaft, zuständig für Sport und Emotionen, kommt nicht auf den grünen Zweig, und auch dieses Jahr macht sie Verlust. Doch mit dem neuen Leon, der auf dem Golf VII basiert (modularer Querbaukasten), sollen die Töne wieder besser klingen.

Die Voraussetzungen sind gut. Obwohl formal das gleiche Auto (Schrägheck-Limousine, vier Türen), hat der Leon einen eigenständigen Auftritt mit markanten gezogenen Linien in der Front und am Heck. Gegen Aufpreis gibt es Voll-LED-Scheinwerfer, eine Premiere im Kompakt-Segment. Unter die Fronthaube kommt selbstverständlich das Beste, was Wolfsburg zu bieten hat, und davon reichlich. Der Leon tritt mit neun verschiedenen Motorversionen an, die nach und nach in den Markt geschoben werden. Fünf davon sind Ottomotoren, vier Dieseltriebwerke. Alle sind Vierzylinder mit Direkteinspritzung. Die Benziner haben Hubräume zwischen 1,2 und 1,8 Liter, die TDI von 1,6 bis 2,0 Liter. Sie leisten 63 kW (86 PS) bis 135 kW (180 PS). Nur die jeweiligen Basismotoren sind nicht mit Start-Stopp erhältlich. Zum Start sind der 2.0 TDI mit 110 kW (150 PS) und der 1.4 TSI mit 103 kW (140 PS) die stärksten Modelle. Die Spitzenmotorisierungen werden 2013 nachgereicht, ebenso eine Erdgas-Variante (CNG). Sparmeister ist der 1.6 TDI (77 kW/105 PS), er kommt mit Start-Stopp auf einen Normverbrauch von 3,8 Liter, somit fällt der CO2-Ausstoß unter die Marke von 100 g/km (99 g/km). Knauserigster Benziner ist der 1.2 TDI, der mit 4,9 Liter typisiert ist (114 g/km CO2).

Der Leon gehört zu den wenigen Autos, die bei einem Generationswechsel nicht gewachsen sind. Mit 4,26 Meter ist er fünf Zentimeter kürzer als bisher, dafür wuchs der Radstand um sechs auf 264 Zentimeter. Die technisch enge Verwandtschaft zum neuen Golf zeigt sich unter anderem im Volumen des Kofferraums. 380 Liter haben beide, für den Leon bedeutet dies ein Plus von 39 Liter. Über ein Minus von 90 Kilo beim Gesamtgewicht freuen sich die Ingenieure, möglich wurde das unter anderem wegen der Verwendung von mehr hochfesten Stählen, die Rohkarosserie allein hat rund 40 Kilo abgespeckt, dennoch ist die Steifigkeit um 15 Prozent gestiegen. Es wird erwartet, dass der Leon alle relevanten Crash-Tests (Euro-NCAP) mit Bravour besteht.

Auf ersten Probefahrten leistete sich der Leon keine Schwächen. Was das Fahrverhalten angeht, ist er sehr nah am so vorbildlichen Golf. Er lenkt präzise mit der neuen elektromechanischen Servolenkung, lässt sich kaum aus der Ruhe bringen und federt jetzt auch gut. Bisher war das eine Schwäche von Seat. Die Autos waren um der Sportlichkeit willen zu straff abgestimmt. Das hat sich geändert. Wie im Golf kommen an der Hinterachse zwei verschiedene Konstruktionen zum Einsatz. Bis 110 kW (150 PS) ist eine Verbundlenkerachse verbaut, die Topversionen nutzen eine aufwendigere Vierlenker-Achse. Dazu gibt es eine elektronische Quersperre, die das Verhalten in Kurven weiter verbessern soll. Frontantrieb ist selbstverständlich, eine Version mit Allradantrieb in Vorbereitung.

Im Innenraum offenbaren sich freilich deutliche Unterschiede zum Golf. Hier darf der Seat nicht ganz so vornehm sein, aber beschweren kann sich der Kunde nicht. Die Instrumente sind klar gezeichnet, der Tacho reicht bis 260 km/h. Die Scheibenwischer laufen wieder konventionell und nicht mehr gegenläufig, dafür muss man sich an die eckigen Außenspiegel gewöhnen. Das Platzangebot ist für ein Kompaktauto gut, und ein Detail hat uns schmunzeln lassen: An der Heckklappe gibt es zwei Haken, an die bei offener Klappe Sachen gehängt werden können. Die Rückbank ist asymmetrisch geteilt (nicht in der Basisversion), beim Umklappen bleibt eine Stufe im Boden. Die Länge des Laderaumbodens beträgt dann knapp 1,60 Meter. Wer einen zweiten Laderaumboden bestellt, eliminiert die Stufe und muss Ladegut nicht so tief nach unten reichen. Im Boden ist Platz für ein Notrad.

Der Basispreis für den Leon beträgt 15 390 Euro, etwas weniger als bisher. Wieder arbeitet Seat neben der Basis (Serie: sieben Airbags, elektrische Fensterheber vorn, Funk-Zentralverriegelung) mit den Ausstattungslinien Reference, Style und FR, eine Klimaanlage ist ab Reference an Bord, Style bringt unter anderem 16-Zoll-Aluräder, Tempomat und hochwertiger gestalteten Innenraum. FR setzt ganz auf Sportlichkeit.

Der Leon hat gewiss das Zeug, Seat wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, zumal nächstes Jahr auch noch ein Coupé sowie erstmals ein Kombi die Flotte verstärken werden. Doch viel hängt davon ab, wie sich der automobile Gesamtmarkt entwickelt. Und da hat Seat mit seinem Heimatmarkt Spanien einen wahrhaft humorlosen Löwenbändiger zu ertragen.

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