Fast hatten wir diesen Winter aufgegeben, nun aber scheint er doch noch mit sibirischer Kälte über uns zu kommen. Frischen Pulverschnee bringt er vorerst nur in einigen Landesteilen. Dieser freut die Kinder, treibt dem Hausbesitzer aber Schweißperlen auf die Stirn. Denn wenn es in der Nacht mit aller Kraft gestöbert hat, muss morgens der Gehweg vor dem Grundstück geräumt und bis zum Abend freigehalten werden. Für gewöhnlich gilt, dass von 7 Uhr bis 20 Uhr das Trottoir gut begehbar sein sollte, so informiert der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU).
Details dieser Pflicht legen Städte und Dörfer individuell in ihren Ortssatzungen fest. Das betrifft neben der Räumzeit auch die Breite des freizuhaltenden Weges. Knapp und klar heißt es beispielsweise in Rastatt, wo werktags von 7 Uhr bis 20 Uhr (sonntags und an Feiertagen erst ab 8 Uhr) der Schnee entfernt werden muss: "Gehwege sind in der Regel auf 1,20 Meter der Gehwegbreite zu räumen, bei schmaleren abgesetzten Gehwegen auf deren tatsächlicher Breite. Sind keine Gehwege vorhanden, ist eine Breite am Rande der Fahrbahn von 1,20 Meter zu räumen."
Dass solcher Privatwinterdienst in harte Arbeit ausarten kann, haben die Menschen in den beiden vergangenen Wintern selbst in Gefilden mit durchwegs milder Witterung gespürt. Entsprechend groß war der Bedarf an Werkzeug, das den Kampf gegen den Schnee erleichtert. Die Palette reicht dabei von einfachsten Schaufeln bis zum Land Rover Defender, dem der Gartenbauer in der Nachbarschaft einen Schneeschild anmontiert hat. Zu derart schwerem Gerät wird der Privatmann zwar selten greifen, die Motorisierung des Winterdienstes schreitet aber auch im heimischen Bereich voran. Hier reicht die Auswahl der Geräte vom elektrisch angetriebenen Klein-Schneepflug bis zur auf Raupenketten laufenden Schneefräse.
Zumindest im Ballungsraum, der auch bei Einfamilienhäusern eher überschaubare Gehwegflächen bietet, herrscht die Handarbeit noch vor. "Die meisten Kunden entscheiden sich derzeit für eine Schneeschaufel mit Blatt aus Aluminium oder Kunststoff in der Preisklasse zwischen 30 und 40 Euro", berichtet Horst Guthmann, Geschäftsführer der Raiffeisen-Genossenschaft in Rüsselsheim-Bauschheim. Als wichtigste Kaufargumente nennt Guthmann das leichte Gewicht, die ergonomische Form des Stiels und die hohe Steifigkeit des Blattes in Verbindung mit einer stabilen Kante, um den Schnee gut vom Boden trennen zu können. Dabei sei Leichtmetall nicht die ausschließliche Wahl - denn wer die Nachbarn beim morgendlichen Schneeräumen nicht mit schaurigem Scharren wecken wolle, der entscheide sich häufig für ein Blatt mit PVC-Kante. Material und Formgebung, aber auch die Befestigung des Stiels am Blatt entscheide über die lange Haltbarkeit einer Schneeschaufel, sagt der Fachmann und empfiehlt Klemm- oder Steckverbindungen mit einer definierten Flexibilität anstelle der manchmal zu starren Schraubverbindungen.
Älteste Form des Winterdienstes
Den Gehweg vor dem eigenen Haus mit Schaufel und Besen vom Schnee frei zu halten, dürfte die älteste Form des Winterdienstes sein. Denn in früheren Jahrhunderten war das Straßenverkehrsaufkommen so gering, dass man bei starkem Schneefall nicht die Fahrbahn räumte, sondern eher die Fahrzeuge wechselte. Statt der Kutsche wurde dann eben ein Schlitten eingesetzt. Erst mit stärkerem Verkehrsaufkommen wurde der Ruf nach geräumten Straßen laut. Das beschreibt zum Beispiel Laura Cheshire in ihrem Aufsatz "Have Snow Shovel, Will Travel", den das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) der Vereinigten Staaten 1997 veröffentlichte. Schneepflüge, so Cheshire, wurden in Nordamerika gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt.
Hier wurde wie in vielen anderen Ländern auch die sogenannte Weißräumung praktiziert. Dabei tragen Schneepflüge oder Schneefräsen den frisch gefallenen oder durch Verwehungen angesammelten Schnee ab, eine kompakte Schneedecke auf der Straße bleibt aber als Fahrbahn erhalten. Fernstraßen und kommunale Hauptverkehrsstraße werden dagegen heute in Deutschland nach dem Prinzip der Schwarzräumung von Schnee und Eis gesäubert. Dabei entfernt man mechanisch und chemisch den gefrorenen Niederschlag. Am weitesten verbreitet ist dabei der Einsatz von Räumschilden in Verbindung mit Feuchtsalz-Streuung.
Privathaushalte dürfen in vielen Kommunen hingegen kein Auftausalz einsetzen, sie sollen die Glätte des Eises auf dem Trottoir vielmehr durch abstumpfende Mittel wie Sand, Splitt oder Blähton-Granulat beheben. Bevor solches Streugut ausgebracht wird, muss jedoch zunächst der Schnee entfernt werden. Noch haben die Kunden in diesem Jahr die Wahl, wenn es um den Kauf ihres perfekten Schneeschiebers geht. Das war in den vergangenen Wintern mit ihrem für gemäßigte Regionen außergewöhnlich starken Schneefall anders: Wer sich zu spät entschloss, eine neue Schneeschaufel zu kaufen, musste oft nehmen, was der Markt hergab - falls die Regale nicht schon komplett leergekauft waren. Da ging es dem Privatmann nicht anders als der öffentlichen Hand, die sich mit leeren Streusalzlagern und schleppendem Nachschub konfrontiert sah.
Die winterliche Gretchenfrage
Wer zurzeit in neue Schneeräumtechnik für den Hausgebrauch investieren will, sollte sich zunächst die winterliche Gretchenfrage stellen, wie er es denn mit dem Schnee hält: Schieben und kehren oder schippen und fräsen? Bei der ersten Variante wird der Schnee nur zur Seite geschafft. Im Zweifelsfall landet er dabei auf der Straße, wo ihn kommunaler Winterdienst oder Automobilverkehr im Lauf des Tages zurück auf den Gehsteig werfen. Wer schippt oder fräst, der kann die weiße Last hingegen etwas weiter entfernen - beispielsweise über die eigene Mauer in den Vorgarten. Das beugt der Kumulation von allzu großen Mengen gefrorenen Wassers im öffentlichen Verkehrsraum vor, ist aber beispielsweise in Innenstadtbereichen, wo die Häuserfronten direkt am Trottoir beginnen, nicht möglich.
Die klassische Schneeschaufel mit breitem Blatt und Stiel ist in dieser Hinsicht ein Alleskönner: Mit ihr lässt sich Schnee ebenso schieben wie schaufeln. Das gilt auch für die sogenannte Schneehexe. Diese großformatige Schaufel mit langem Bügelgriff rutscht auf ihrem Bauch daher und sammelt den Schnee ein, zum Entleeren wird sie gekippt. Das Prinzip des Schneepfluges nimmt dagegen der Schneefuchs der Westenfelder Metallverarbeitung (WMV) auf: Hinter dem Blatt, das den Schnee zur Seite schiebt, läuft eine einzelne Achse, das 185 Euro teure Wägelchen wird von Hand geschoben. Alternativ gibt es den Schneefuchs für 840 Euro mit Elektroantrieb.
Eine besonders komfortable Form des Schieben bieten wintertaugliche Kehrmaschinen und Anbauschilde für Aufsitz-Rasenmäher. Wer sich jedoch für wirklich starken Schneefall rüsten will, der schafft eine Schneefräse an. Diese Geräte besitzen an der Front eine sich schnell drehende, horizontal angeordnete Schraube, die den Schnee sammelt. Hinter dieser Schnecke wird das Räumgut mechanisch beschleunigt und durch einen verstellbaren Kamin zur Seite in hohem Bogen ausgeworfen. Ab einer Räumfläche von 100 Quadratmeter und in Gegenden, wo der Schnee über 30 Zentimeter hoch fällt, lohnt sich der Einsatz solch schweren Gerätes.
Komfortabel ausgestattete Maschinen haben einen eigenen Antrieb, Elektrostart für den Verbrennungsmotor und Beleuchtung. Dazu zählt beispielsweise das Modell STH 8.66 W von Kärcher, mit dem man bis zu 2000 Quadratmeter in der Stunde räumen kann. Die 2450 Euro teure Fräse richtet sich gleichermaßen an professionelle Anwender wie an Kunden, die häufig ein großes Grundstück räumen müssen. Bei Wolf-Garten hat man Fräsen verschiedener Leistungsstufen und Räumbreiten im Angebot. Das Topmodell Ambition SF 66 TE (1650 Euro) befreit einen 66 Zentimeter breiten Weg von Schnee und rollt zur besseren Traktion auf Raupenketten.
Ob mit Schaufel oder Motorfräse: Die Räumpflicht lässt sich nicht umgehen. Wer den Schnee einfach liegen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Außerdem, so heißt es beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, kann man dann auch für Schäden haftbar gemacht werden, die sich Passanten bei einen Sturz zuziehen.