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Schneeschippen Die richtige Waffe gegen den Schnee

Auch wenn es manch einer schön findet: Wer Schnee vor seinem Haus liegen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Zeug muss also weg. Mit den richtigen Geräten geht das recht schnell.

© dpa Vergrößern Vor über dreißig Jahren (1979) gab es schneereiche Winter und hilfreiche Schneeschaufeln. Mittlerweile ist der Winter schneeärmer, dafür aber das Angebot an Gerätschaften reichhaltiger geworden

Fast hatten wir diesen Winter aufgegeben, nun aber scheint er doch noch mit sibirischer Kälte über uns zu kommen. Frischen Pulverschnee bringt er vorerst nur in einigen Landesteilen. Dieser freut die Kinder, treibt dem Hausbesitzer aber Schweißperlen auf die Stirn. Denn wenn es in der Nacht mit aller Kraft gestöbert hat, muss morgens der Gehweg vor dem Grundstück geräumt und bis zum Abend freigehalten werden. Für gewöhnlich gilt, dass von 7 Uhr bis 20 Uhr das Trottoir gut begehbar sein sollte, so informiert der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU).

Details dieser Pflicht legen Städte und Dörfer individuell in ihren Ortssatzungen fest. Das betrifft neben der Räumzeit auch die Breite des freizuhaltenden Weges. Knapp und klar heißt es beispielsweise in Rastatt, wo werktags von 7 Uhr bis 20 Uhr (sonntags und an Feiertagen erst ab 8 Uhr) der Schnee entfernt werden muss: "Gehwege sind in der Regel auf 1,20 Meter der Gehwegbreite zu räumen, bei schmaleren abgesetzten Gehwegen auf deren tatsächlicher Breite. Sind keine Gehwege vorhanden, ist eine Breite am Rande der Fahrbahn von 1,20 Meter zu räumen."

18459456 Kunststoffschaufel © Hersteller Bilderstrecke 

Dass solcher Privatwinterdienst in harte Arbeit ausarten kann, haben die Menschen in den beiden vergangenen Wintern selbst in Gefilden mit durchwegs milder Witterung gespürt. Entsprechend groß war der Bedarf an Werkzeug, das den Kampf gegen den Schnee erleichtert. Die Palette reicht dabei von einfachsten Schaufeln bis zum Land Rover Defender, dem der Gartenbauer in der Nachbarschaft einen Schneeschild anmontiert hat. Zu derart schwerem Gerät wird der Privatmann zwar selten greifen, die Motorisierung des Winterdienstes schreitet aber auch im heimischen Bereich voran. Hier reicht die Auswahl der Geräte vom elektrisch angetriebenen Klein-Schneepflug bis zur auf Raupenketten laufenden Schneefräse.

Zumindest im Ballungsraum, der auch bei Einfamilienhäusern eher überschaubare Gehwegflächen bietet, herrscht die Handarbeit noch vor. "Die meisten Kunden entscheiden sich derzeit für eine Schneeschaufel mit Blatt aus Aluminium oder Kunststoff in der Preisklasse zwischen 30 und 40 Euro", berichtet Horst Guthmann, Geschäftsführer der Raiffeisen-Genossenschaft in Rüsselsheim-Bauschheim. Als wichtigste Kaufargumente nennt Guthmann das leichte Gewicht, die ergonomische Form des Stiels und die hohe Steifigkeit des Blattes in Verbindung mit einer stabilen Kante, um den Schnee gut vom Boden trennen zu können. Dabei sei Leichtmetall nicht die ausschließliche Wahl - denn wer die Nachbarn beim morgendlichen Schneeräumen nicht mit schaurigem Scharren wecken wolle, der entscheide sich häufig für ein Blatt mit PVC-Kante. Material und Formgebung, aber auch die Befestigung des Stiels am Blatt entscheide über die lange Haltbarkeit einer Schneeschaufel, sagt der Fachmann und empfiehlt Klemm- oder Steckverbindungen mit einer definierten Flexibilität anstelle der manchmal zu starren Schraubverbindungen.

Älteste Form des Winterdienstes

Den Gehweg vor dem eigenen Haus mit Schaufel und Besen vom Schnee frei zu halten, dürfte die älteste Form des Winterdienstes sein. Denn in früheren Jahrhunderten war das Straßenverkehrsaufkommen so gering, dass man bei starkem Schneefall nicht die Fahrbahn räumte, sondern eher die Fahrzeuge wechselte. Statt der Kutsche wurde dann eben ein Schlitten eingesetzt. Erst mit stärkerem Verkehrsaufkommen wurde der Ruf nach geräumten Straßen laut. Das beschreibt zum Beispiel Laura Cheshire in ihrem Aufsatz "Have Snow Shovel, Will Travel", den das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) der Vereinigten Staaten 1997 veröffentlichte. Schneepflüge, so Cheshire, wurden in Nordamerika gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt.

Hier wurde wie in vielen anderen Ländern auch die sogenannte Weißräumung praktiziert. Dabei tragen Schneepflüge oder Schneefräsen den frisch gefallenen oder durch Verwehungen angesammelten Schnee ab, eine kompakte Schneedecke auf der Straße bleibt aber als Fahrbahn erhalten. Fernstraßen und kommunale Hauptverkehrsstraße werden dagegen heute in Deutschland nach dem Prinzip der Schwarzräumung von Schnee und Eis gesäubert. Dabei entfernt man mechanisch und chemisch den gefrorenen Niederschlag. Am weitesten verbreitet ist dabei der Einsatz von Räumschilden in Verbindung mit Feuchtsalz-Streuung.

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