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Schnäppchen? : Digitalkamera für 30 Euro von Rollei

Billiger Silberling: Rollei C52 Bild: Pardey

Kaum zu glauben: Im Technik-Supermarkt trug die billigste Digitalknipse den Namen Rollei. Die Compactline 52 kostet 29,99 Euro. Taugt sie auch was?

          Agfa, Rollei - welch stolze Namen der deutschen Kamera-Industrie. Zwar ist der Glanz schon eine ganze Weile matt geworden, doch es tut beinahe weh, diese Marken als Schüttgut auf dem Grabbeltisch im Technik-Supermarkt zu finden. Lassen wir uns trösten: Auch heutige gute japanische Namen trifft man auf dem Planeten Saturn. Auf der billigsten Digitalknipse, deren wir dort für 29,99 Euro ansichtig wurden, stand tatsächlich Rollei: die Compactline 52.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dass es gewisse Unterschiede zwischen einer Kamera für 30 Euro und einer, die zehnmal so viel kostet, geben wird, weil es sie geben muss, das ist natürlich völlig einsichtig. Aber was kann man von einem Bilder machenden Gegenstand erwarten, den man seines geringen Preises wegen vielleicht für ein Kind erwirbt? Solche Kameras, billig, aber doch mehr als ein Spielzeug, hat es immer gegeben: Dass Sohnemanns Adox Polo von 1960 für 49,50 Mark nicht mit Vaters Zeiss Ikon Contaflex II zu vergleichen war, die sich preislich ziemlich genau im Verhältnis 1:10 verhielten, war klar. Aber die Adox Fotowerke Dr. C. Schleussner verbauten in ihrer ganz einfachen Polo mit dem vollvergüteten Adoxar 1:3,5/45mm doch eine Optik, die prima Bilder gelingen ließ.

          Bildgrößen von 3 bis 12 Megapixel

          Die Rollei Compactline 52 prunkt über eine Gravur mit einer „Precision Lens 1:2,8/8,5mm“. Auf einem im Internet von der Hamburger RCP Technik GmbH, seit 2010 auf der ganzen Welt Inhaberin der Marke Rollei, zu erhaltenden Datenblatt wird die Brennweite mit „0,8 Meter bis unendlich“ angegeben. Da ist wohl gemeint, dass es sich um ein in diesem Bereich abbildendes Fixfokus-Objektiv handelt. Dem Sensor wird ohne Größenangabe bescheinigt, ein 5-Megapixel-CMOS zu sein. Im Menü lassen sich dann Bildgrößen von 3 bis 12 Megapixel wählen. Genauso wie beim achtfachen Digitalzoom bedeutet dies, dass veränderte Bildgröße oder anderer Bildausschnitt Ergebnis von Rechnerei auf derselben optischen Grundlage ist.

          Nehmen wir als Einstellungen 12 MP in der Qualität Superfein und stellen die Empfindlichkeit (ISO) und den Weißabgleich auf Automatik, dann ergeben sich laut den Metadaten Bilder der Größe 4032 × 3024 Pixel mit einer Auflösung von 180 dpi in beiden Achsen bei 24 Bit Farbtiefe. An den drei Werten Blende 2,8, Brennweite 8,5 mm und ISO 200 scheint sich von Bild zu Bild nichts zu ändern; ISO 200 ist die höchste manuell einzustellende Empfindlichkeit. Der einzige veränderliche Wert scheint die Verschlusszeit zu sein. Es wurden Werte gespeichert, die deutlich kürzer waren als die mit 1/1000-Sekunde im Datenblatt stehende kürzeste Verschlusszeit.

          Die Qualität der Bilder ist grottenschlecht. Ästhetisch ähneln sie Billigabzügen einer Kassettenkamera von anno dazumal, abgesehen davon, dass ein viel größerer Prozentsatz schlicht (bewegungs-)unscharf ist, weil die Verschlusszeiten von der Programmautomatik ohne Warnung unhaltbar lang gebildet werden. Auf dem kleinen 2,4-Zoll-Display ist das schwer zu kontrollieren, aber schon auf dem PC-Bildschirm sind die Ergebnisse unbefriedigend. Es macht so gut wie keinen Unterschied, welche der Einstellungen man wie verändert. Ausgefressene Lichter, abgesoffene Schatten: Die Belichtung ist höchst unausgewogen, jedes iPhone macht es um Längen besser. Da mochten wir erst gar nicht ausprobieren, wie die 720p-Videos geraten. Nicht zuletzt: Die simple Billigkamera ist ein Stromfresser, zwei AAA-Batterien lutschte sie mit 71 Aufnahmen (17 geblitzt) aus. So viel Murks sollte man nicht einmal Kindern zumuten; gleich daneben gibt es auf dem Grabbeltisch Besseres.

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