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Renault Twizy Ich bin so frei

 ·  Der Twizy ist ein elektrisch betriebenes Quad, das sich fährt wie ein frisierter Autoscooter. Es gibt ihn in zwei Versionen, eine darf mit 16 Jahren und Führerschein S bewegt werden.

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© Hersteller Ab durch die schmalen Gassen: Renault Twizy

Carlos Ghosn ist nicht gerade als Spaßvogel bekannt. Doch irgendwann muss ihm eine Idee so witzig vorgekommen sein, dass selbst der Vorstandsvorsitzende von Renault nicht nein sagen konnte. So kommt es, dass Audi, VW und Opel auf Autoausstellungen neumodische Kabinenrollerstudien präsentieren, die Franzosen aber ihren Twizy jetzt tatsächlich auf die Straße bringen. Dessen Name setzt sich zusammen aus Twin (Zweisitzer) und Easy (für das Lebensgefühl), und er fällt nach den Kriterien für gewöhnliche Autos in allen Disziplinen gnadenlos durch. „Nimm ihn doch mal so, wie er ist“, fordert uns Pressesprecher Thomas May-Englert auf. Also gut.

Der Twizy ist ein elektrisch betriebenes Quad, das sich fährt wie ein frisierter Autoscooter. Es gibt ihn in zwei Versionen, eine (Twizy 45) darf mit 16 Jahren und Führerschein S bewegt werden, sie ist 45 km/h schnell und soll kleinen Motorrollern Konkurrenz machen. Die andere läuft 80 km/h und macht nach erster Durchsicht der Auftragseingänge mehr als 90 Prozent der Bestellungen aus. In beiden Fällen bekommt die jugendlich-frische Zielgruppe zwischen 16 und 66 Jahren einen forschen Elektroantrieb, der mal wimmert, mal heult, die Fertigung des Reduktionsgetriebes scheint zu streuen. Renault arbeitet nach eigenem Bekunden daran, Kunden sollten darauf achten, eine leise Ausgabe zu erwischen. Das Fahrverhalten ist narrensicherer, als der Twizy aussieht, wer es übertreibt, rutscht über die Vorderrädchen weg, das aber passiert spät. ESP, ABS und Heizung fehlen ebenso wie Servounterstützung für Bremse oder Lenkung.

Es gibt aber einen Fahrerairbag und die Sicherheitszelle, so dass leichte Unfälle glimpflicher verlaufen sollen als auf einem Roller. Der 2,30 Meter kurze und 1,20 Meter schmale Twizy darf ohne Helm gefahren und quer geparkt werden. Allenthalben piepsen Warner, der Blinker klingt wie ein Wellensittich im Stimmbruch. Das soll cool sein, ist es insgesamt auch. Türen (ohne Scheiben) sind für 590 Euro extra zu ordern, wir finden die vollständig offene Variante lässiger, dann freilich zieht es vernehmlich. Gegen Herausfallen schützt der Gurt. Hinten (wahlweise der Platz für Passagier oder Gepäck) ist der Aufenthalt kommoder als erwartet, gelenkige Zeitgenossen können sich herausschälen, ohne den Vordersitz nach vorne zu schieben. Schick ist das optionale Glasdach, dann ist das Gefühl noch freier. Voll uncool finden wir das öde Lenkrad und den schnöden Schlüssel.

Für den Weg zu Disko, Eisdiele und an den Strand genügt die Reichweite, vielleicht auch bis zur Schule. Je nach Fahrweise sind 60 bis 80 Kilometer sicher. Aufgeladen wird recht rasch, zwischen leer und voll liegen an der Haushaltssteckdose dreieinhalb Stunden, eine Ladung erfordert in Deutschland etwa 1,50 Euro, in Frankreich 70 Cent. Der Twizy 45 kostet 6990 Euro, der flinkere 7690 bis 8490 Euro. Hinzu kommen jeweils 50 bis 72 Euro monatliche Miete für die Batterie. Das ist teuer. Aber auch einzigartig.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für „Technik und Motor“.

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