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Renault Mégane GT ist, wenn man trotzdem lacht

Der Renault Mégane geht nach seinem Facelift mit runderen Backen ins Rennen um die Käufergunst. Die GT-Line gibt es auch für die schwächeren Motorversionen.

© Hersteller Vergrößern Die Zeiten von Design-Experimenten bei Renault scheinen vorüber zu sein

Die Zeiten von Design-Experimenten bei Renault scheinen vorüber zu sein. Abgesehen vom windigen Elektro-Zweisitzer Twizy, kommen die Wagen der französischen Marke eher brav, fast bieder daher. Das hat sich mit dem Facelift, das die Kompakt-Baureihe Mégane im Frühjahr erfahren hat, nicht geändert. Ob mit zwei oder vier Türen ausgestattet - der Golf-Kontrahent gefällt sich in weichen Linien und Rundungen und versöhnt das konservativere Publikum, das mit dem kantigen Vorgängermodell herzlich wenig anfangen konnte.

22069590 © Hersteller Vergrößern Der Golf-Kontrahent gefällt sich in weichen Linien und Rundungen und versöhnt das konservativere Publikum

Aber damit die Emotionen nicht ganz auf der Strecke bleiben, gibt es den Mégane auch als leistungsstarken GT mit bis zu 140 kW (190 PS) und knackig ausgestellten Kotflügeln sowie markanten Schürzen vorne und hinten. Den sportlichen Zierrat bietet Renault als Ausstattungslinie auch für die weniger kräftigen Versionen an. 1490 Euro kostet es, den Mégane ins Athleten-Trikot zu stecken. Dafür bekommt der engagierte Autofahrer Leichtmetallräder im 17-Zoll-Format, die bezeichnenderweise auf den Namen „Sturm“ getauft wurden. Stoßfänger vorne und hinten sind straffer als beim Serienmodell gestaltet, die Scheinwerfer haben schwarz gefärbte Reflektoren. Innen gibt es ein lederbezogenes Volant mit roten Steppnähten, Sportsitze und eine Alu-Pedaliere. Weiß ist die Skala des Drehzahlmessers unterlegt, GT-Schriftzüge geben außerdem Aufschluss darüber, dass es sich hier um den besonders sportlichen Mégane handelt.

22066897 © Hersteller Vergrößern Enger als im großzügig geschnittenen Innenraum für Fahrer und Beifahrer geht es auf der Rückbank zu

Der Look des GT ist freilich schneller als die Technik des kompakten Renault. Der Vierzylinder-Benziner im 1.6 16V liefert 81 kW (110 PS), damit braucht der rund 1300 Kilogramm wiegende Viertürer 10,3 Sekunden, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Der Motor klingt dabei zwar nicht wirklich angestrengt, aus dem Handgelenk erledigt er diese Aufgabe jedoch nicht. Neben den aufgeladenen Benzinern anderer Modelle wirkt der klassische Sauger immer ein wenig müde. Seine Drehmomentspitze erreicht er bei 4250 Umdrehungen in der Minute, die Durchzugskraft bei geringerer Tourenzahl fehlt. Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h schafft der Mégane nur mit langem Anlauf, fleißiges Schalten ist gefragt, wenn einer mit dem Schmalspur-GT flott unterwegs sein will.

Wenigstens ist die Schaltung leichtgängig und genau, das versöhnt etwas. Obendrein gibt sich der Motor zumindest bei niedrigeren Drehzahlen als Ohrenschmeichler. Nur wer das Gaspedal auf das Bodenblech drückt, erlebt ein kehliges Gurgeln aus dem Auspuff, sonst bleibt die Maschine unauffällig und sehr ruhig.

22069583 © Hersteller Vergrößern Hier schränkt nicht nur die dynamisch nach unten gezogene Dachlinie den Platz für die Köpfe großer Passagiere ein

Beim Verbrauch übt sich der Mégane dagegen nicht in Zurückhaltung. 7,1 Liter Benzin (163 g/km CO2) für 100 Kilometer nach Messnorm sind ein ordentlicher Schluck. Unter 6,0 Liter über die Standardstrecke zu kommen gelang uns zumindest nicht, wohl aber, den Konsum auf satte 8,9 Liter zu steigern. Der Mittelwert von 7,6 Liter ist in dieser Leistungsklasse eindeutig zu hoch. Das Tanken ist sehr komfortabel, die Tankklappe ist gleichzeitig Dichtungsdeckel des Einfüllstutzens. Ein Handgriff wird eingespart, wenigstens eine Hand bleibt sauber. 60 Liter Treibstoffvorrat sind an Bord.

Spaß am Fahren bereitet die Federung, die an den früher so geschätzten Komfort der Autos aus Frankreich fast anzuknüpfen vermag. Trotz der im Vergleich zu den übrigen Ausstattungsversionen um 1,2 Zentimeter tiefer liegenden Karosserie gibt der Mégane als GT-Line den galanten Charmeur, wenn der Belag rauh und die Straße schlecht wird. Gleich ob Bodenwellen oder Frostaufbrüche, kaum etwas bringt ihn aus der Ruhe und verärgert die Mitreisenden. Die angenehm gepolsterten Sportsitze filtern die letzten Vibrationen weg, geben außerdem in zügig gefahrenen Kurven anständigen Seitenhalt. Die ausgeprägten Wangen stören zwar beim Ein- und Aussteigen, wer es sich aufgrund seiner Körpergröße leisten kann, den Sitz mit der serienmäßigen Höhenverstellung nach oben zu pumpen, kommt deutlich müheloser durch die Türöffnung und wieder hinaus.

22066891 © Hersteller Vergrößern Sportlich eng zugeschnitten

Enger als im großzügig geschnittenen Innenraum für Fahrer und Beifahrer geht es auf der Rückbank zu. Hier schränkt nicht nur die dynamisch nach unten gezogene Dachlinie den Platz für die Köpfe großer Passagiere ein, auch deren Beinen mangelt es an Freiheit. Die recht kurz geschnittene Sitzfläche der asymmetrisch geteilt umklappbaren Bank gaukelt Raumgewinn vor, ist in der Praxis und bei längerer Fahrt für Erwachsene aber eher ungemütlich. Großzügiger sieht es im Kofferraum aus. 405 Liter Gepäck passen hier hinein, eine Erweiterung der Frachtabteilung auf 1025 Liter ist möglich. Nur 444 Kilogramm erlaubte Zuladung erscheinen in Anbetracht des Stauvermögens als sehr knapp.

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Die Ausstattung des Mégane Dynamique GT ist durchaus umfangreich. Aufpreise müssen nur für die üblichen Sonderwünsche bezahlt werden, unter anderem für die Metallic-Lackierung, die Einparkhilfe hinten, Xenonscheinwerfer mit Kurvenlichtfunktion und das Infotainmentsystem, das mit einer preisgünstigen Tom-Tom-Navigation ausgerüstet ist.

So werden aus dem Einstiegspreis von 19 250 flugs 23 450 Euro. Und damit kommt der Mégane schon auf das Niveau seiner Konkurrenten wie VW Golf oder Ford Focus, die nicht durch ein Facelift, sondern aufgrund einer kompletten Erneuerung an Attraktivität gewonnen haben. Immerhin gefällt der Mégane mit französischem Charme und einer Schnelligkeit verheißenden Figur, die sich gerne trotz oder gerade wegen der eher verhaltenen Fahrleistungen mit einem Lächeln kommentieren lässt.

Quelle: F.A.Z.

 
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