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Diesel-Kommentar : Reiz des Fortschritts

Eine Nachrüstung älterer Diesel mit technischen Bauteilen, die sogenannte Hardwarelösung, ist teurer Nonsens. Das liebe Geld gehört in die Zukunft investiert.

          Volkes Stimme ist absehbar. Kaum fliegt die Automobilindustrie mit Betrügereien im Abgasstrang auf, gelingt es deren Ingenieuren, Motoren, insbesondere Dieselkraftstoff verbrennende, mit wundersam niedrigen Emissionen zu entwickeln. Jahrelang haben Hersteller und ihre Lobbyverbände immer dann verlässlich gejammert und gestöhnt, wenn die EU die Grenzen enger gezogen hat, jetzt können die Werte plötzlich nicht nur eingehalten, sondern locker unterboten werden.

          Die Branche stellt sich auch wirklich dämlich an, stets rennt sie aus dem Kraftfahrtbundesamt oder dem Bundesverkehrsministerium sickernden Meldungen über die nächste Manipulation hinterher. Es spielt längst keine Rolle mehr, ob jemand außerhalb des Volkswagen-Konzerns auch betrogen hat, wofür es bislang keinen Beweis gibt.

          Trotzdem lohnt es sich, nüchtern auf Forderungen und Fortschritt zu schauen. Eine Nachrüstung älterer Diesel mit technischen Bauteilen, die sogenannte Hardwarelösung, ist teurer Nonsens. Sie führt zu höherem Kraftstoffverbrauch, die Kosten sind beträchtlich, der Effekt relativ gering. Das liebe Geld gehört in die Zukunft investiert.

          Welchen Ertrag es dort auch und gerade für Umwelt und Gesundheit bringt, zeigt Mercedes-Benz jetzt beispielhaft auf. Deren neue Dieselmotoren stoßen unter realen Fahrbedingungen durchschnittlich zwischen 40 und 60 Milligramm Stickoxid je Kilometer aus. Das ist weit weniger als der auf der Straße maßgebliche Grenzwert von 168 Milligramm und liegt sogar unter dem wegen seiner realitätsfernen Anforderungen kritisierten Laborwert von 80 Milligramm.

          Der Aufwand dafür an Motor und Abgasanlage ist enorm. Natürlich gelang die Entwicklung nicht über Nacht, sie ist das erfreuliche Ergebnis höchster deutscher Ingenieurskunst, die es anzuerkennen gilt und um die uns das Ausland beneidet. Sie sollte dem Dieselmotor seine Zukunft sichern. Er und das an CO2 bemessene Klimaziel verdienen sie.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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