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Reiseräder von Tout Terrain Die Schaltbox fürs Rad

Reiseräder gelten - wie Radreisende - als konservativ. Hochmoderne Reiseräder entstehen bei Tout Terrain in Gundelfingen.

© Hersteller Vergrößern Testfahrt ohne Öl in Vietnam: Das Pinion-Getriebe hielt durch

Was die Technik seines Fahrzeugs angeht, hat ein Radfahrer auf großer Abenteuer-Tour eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder er wählt einen Rahmen und Komponenten, die nach menschlichem Ermessen nicht kaputtgehen können, weil sie in der Wüste Gobi einfach nicht versagen dürfen. Oder aber er setzt auf eine so simple Technik, dass er auch am Hindukusch mit einem Hammer und einer geliehenen Lötlampe einen Schaden selbst richten könnte. Die meisten, die auf Radreisen durch unwirtliche Weltgegenden in die Pedale treten, kombinieren beide Optionen. Nur Bewährtes und nicht zu Kompliziertes, das aber in erstklassiger Qualität, kommt an ihr Rad dran.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:  

Radreisende, und da sind vor allem die gemeint, die nicht nur wochenlange Touren machen, sondern manchmal Monate oder gar Jahre abseits asphaltierter Straßen unterwegs sind, rechnen nicht nur konservativ mit dem Schlimmsten. Sie sind auch ausgesprochene Individualisten. Die jeweils höchst persönlichen Erfahrungen haben sich bei ihnen zu in des Wortes wahrer Bedeutung eigensinnigen Vorstellungen darüber verfestigt, wie ihr Rad beschaffen sein muss.

Wer lange mit sich und seinem Rad allein ist, entwickelt nicht selten geradezu skurril wirkende Vorlieben und Abneigungen. Kleinigkeiten, die ein Gelegenheitsradler kommentarlos an einem Rad zur Kenntnis nimmt, können einen einsamen Reisenden wahnsinnig wütend machen. Scheinbar Nebensächliches wie eine Trinkflaschenhalterung zu wenig oder zu viel werden zu k.-o.-Kriterien bei der Auswahl eines neuen Rades. Radreisende sind - je nachdem, wie herum man sie betrachtet - die allerschwierigsten oder geradezu ideale Kunden: Sie wissen genau, was sie wollen, und ebenso klipp und klar, was sie keinesfalls wollen.

Ausschließlich über Fachhändler

Hydraulische Scheibenbremsen am Reiserad? Da bekreuzigen sich immer noch manche Reiseradler alter Schule. Und Oliver Römer sagt: „Wir haben diesbezüglich viel Aufklärungsarbeit leisten müssen. Aber wenn man eigene Erfahrungen sammelt und sich mal umhört: Wem ist denn schon mal eine Hydraulikleitung geplatzt?“ Oliver und Stephanie Römer sind der Gründer und gemeinsam die Inhaber des Fahrradherstellers Tout Terrain. Das Gespräch mit dem Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau) und der Betriebswirtin (Marketing und Vertrieb) findet im lichten Showroom ihres Unternehmens in einem eher öden Gundelfinger Industriegebiet nördlich von Freiburg statt.

22616899 Zusammen unterwegs: Tout-Terrain-Inhaber Stephanie und Oliver Römer © Hans-Heinrich Pardey Bilderstrecke 

Rundherum stehen die Räder und Anhänger, die Tout Terrain ausschließlich über knapp siebzig Fachhändler in Deutschland und der Schweiz vertreibt: Kein einziges Stück der Modellpalette ist billig und keins effekthascherisch modisch. Es sind nicht nur Reiseräder, sondern es gibt da ebenso das coole Stadtfahrrad Chiyoda wie den Crosser X-Over oder das 28-Zoll-Alltagsrad Via Veneto. Rohloff-Nabe, Gates-Riemenantrieb, SON-Nabendynamo, Supernova-Scheinwerfer und -Mini-Rücklicht, von diskreteren Standards wie Chris-King-Steuersätzen und Extras wie dem Hydraulik-Umsetzer unter dem Rennlenker-Vorbau oder der USB-Steckdose „The Plug“ auf dem Steuerrohr ganz zu schweigen: Die Zutaten bei Tout Terrain sind durchweg von erster Qualität und nicht billig. Streamliner, ein halbes Fahrrädchen, mit dem sich mittretende Kinder bei Mama oder Papa anhängen können, kostet knapp 1300 Euro, die mit einem zweiten Rad vervollständigte Version des Fullys für die Kleinen rund 1500 Euro. Für Erwachsene beginnen die Preise eines Chiyoda mit Kettenantrieb und einer Acht-Gang-Nabe bei rund 1700 Euro.

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Und nun also das Pinion P1.18, ein in der Fahrradwelt einzigartiges 18-Gang-Getriebe. Angeboten wird in den drei Modellen Silkroad, Tanami und Panamericana, gekennzeichnet jeweils mit dem Namenszusatz Xplore. Die drei Räder mit dem für die Aufnahme des Getriebes modifizierten Rahmen markieren in der Basisausstattung pekuniär die 5000-Euro-Marke weiträumig umspielend das obere Ende der Tout-Terrain-Preisliste. (Mit Sonderwünschen und mit Extras geht freilich noch mehr.)

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