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Reisefahrräder Die fünf von der Landstraße

 ·  Fünfmal „Sehr gut mit Sternchen“, um nicht zu sagen: exzellent. Diese fünf Räder für die Reise mit Sack und Pack rollen alle in der obersten Liga - preislich ebenso wie qualitativ. Unter ihnen einen „Testsieger“ küren zu wollen, wäre schlicht Unsinn.

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© Schmitt, Felix High-End-Reisefahrräder im Test

Vollausstattung bis zum Schmutzlack

Tilmann Waldthaler, der Rad-Weltreisende (über den Daumen gepeilt eine halbe Million Kilometer in mehr als 120 Ländern), schaut so liebenswürdig wild und haarig aus, als stamme er aus dem Dorf von Asterix. Seit 1996 und inzwischen als gesponserter „Koga Ambassador“ fährt Waldthaler das Modell WorldTraveller, das Reiserad des niederländischen Qualitätsherstellers. Mit völlig verdrecktem Bike, abgeschabten Packtaschen und durchgescheuertem Lenkerband hat Waldthaler schon auf zahlreichen Fahrrad-Messen gestanden.

Die aktuelle 29-Zoll-Version des World Traveller (rund 2000 Euro) präsentiert sich in einer sandfarbenen, matten Lackierung, die aussieht, als habe das Rad schon einen längeren Waldthaler-Ritt hinter sich. Und es kommt als ein so vollständig ausgestattetes Reiserad aus dem Karton, dass nicht mehr viel zu tun bleibt: Pedale anschrauben, Lenker gerade stellen, Gepäcktaschen dranhängen, losfahren.

Der in drei Höhen (46, 51 und 56 Zentimeter) erhältliche Rahmen aus dreifach konifizierten und ovalisierten Aluminium-6069-Rohren ist der eines länglichen Hardtails. Ins Bild dieses „Mountainbike“ passt der Antriebsstrang, ein Mix aus Deore LX und SLX. Dem höheren Gesamtgewicht eines nackt knapp 17 Kilogramm wiegenden Reiserads entsprechen die hydraulischen HS-11- Bremsen von Magura. Ob die Beleuchtung (Busch und Müller), die 40 Kilo verkraftenden Gepäckträger von Tubus oder das Ringschloss, das bei den Niederländern dazugehört, alles ist sehr stimmig. Der kleine Ständer am Vorderrad ist praktisch, man darf ihn bloß nie beim Losfahren vergessen. Und die Position der Luftpumpe ist so, dass die gar nicht anders kann, als heillos zu verdrecken. Nein, das WorldTraveller29 ist nicht das Nonplusultra. Dafür gehen die Meinungen viel zu weit auseinander, was ein Reiserad ausmache. Aber an Waldthalers Wahl ist nichts verkehrt.

Viel Stabilität mit hohem Komfort.

Einmal aus dem Vollen schöpfen: Das ist die Idee, die hinter dieser Zusammenstellung von Rädern für die Radreise steckt. Eine Reise soll es werden, die nicht bloß über ein langes Wochenende entlang der Donau gemütlich geradelt wird, sondern eine Tour, die lang und hart sein wird, eine, die den Fahrer, aber vor allem auch das Rad, seine technische Konzeption genauso wie die Zuverlässigkeit seiner Komponenten gründlich prüft.

Wer weiß, dass schlechte Wegstrecken auf ihn zukommen, wird sich auch beim Reiserad Gedanken um ein gefedertes Fahrwerk machen. Zu den Pionieren der Vollfederung gehört der Darmstädter Hersteller Riese und Müller. Sein Delite Traveller gibt es in zwei Varianten, mit einer Kettenschaltung oder mit Rohloffs Speedhub, der 14-Gang-Schaltnabe. Die zweite Variante wurde mit 42 zu 15 Zähnen erprobt. Der Rahmen ist in beiden Fällen der gleiche und verbindet eine hohe Steifigkeit mit Komfort. Die aktive Eingelenk-Schwinge hat ein kräftiges Industrielager als Drehpunkt und stützt sich auf ein einstellbares Federelement (X-fusion Glyde R-PV, Stahlfeder, Öldämpfung). Vorn sitzt im Aluminium-7005-Rahmen eine Marzocchi 44 RLO als Federgabel (100 Millimeter Federweg, Luftfeder, Öldämpfer), die sich vom Lenker aus blockieren lässt.

Vorn und hinten sitzen in den auf faltbaren Schwalbe-Marathon-Mondial-Reflexreifen der Dimension 50-559 rollenden Laufrädern Scheibenbremsen (Tektro Auriga SUB). Zusammen mit den aufwendig befestigten Gepäckträgern hat das alles natürlich auch sein Gewicht: Rund 19 Kilogramm lobt der Hersteller als vergleichsweise leicht, womit er angesichts des Aufwands wohl auch recht hat.

Aber das Delite Traveller Rohloff ist schon für sich allein ein netter Brocken, und erst recht, wenn es beladen wird. Die Überraschung dabei ist, dass sich weder an der Fahrstabilität noch am Komfort durch die Zuladung grundsätzlich etwas ändert. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein gefederter Hinterbau mit Gepäcktaschen sich aufschaukelnd das ganze Rad in Schwingungen versetzen kann, wird angenehm überrascht. Solche Unarten minderwertiger Konstruktionen sind dem bis auf die Beleuchtung und ein Schloss vollständig für die Reise ausgerüstet 3600 Euro kostenden Delite Traveller Rohloff völlig fremd. Und das bleibt auch so, wenn die Wegstrecke schlechter wird. Wer mit viel Gepäck komfortabel unterwegs sein möchte, wird mit diesem Rad vielleicht keine Geschwindigkeitsrekorde brechen. Aber er wird auch keine feuchten Hände bekommen, wenn es einen Holperweg bergab geht.

Dezenter Chic darf auch auf Reisen sein

Gerrit Gaastra stellt in vierter Generation Fahrräder her. Wer mit ihm über seine Räder der Marken Idworx oder Gaastra redet, erlebt einen Begeisterten, der auf Details versessen ist: Zum Beispiel wie lang Bowdenzüge sein sollten oder wie Kabel verlegt gehören. Und immer ist Gaastra für kompromisslos qualitative, eigene Lösungen von erst auf den zweiten Blick erkennbarer Schlichtheit zu haben. Genauso hat er die Akzente bei einer limitierten Sonderserie des Idworx Easy Rohler gesetzt. Drei Details - nicht gerade die unwichtigsten - des Easy Rohler X sind optisch getunt: Zu einer blau eloxierten Rohloff Speedhub-Nabe gesellen sich in gleicher Farbe der spezielle Son 28 Wide Body Nabendynamo und ein Edelux-Scheinwerfer desselben Herstellers. Dazu gibt es als gröber profilierte Reifen von Schwalbe den Marathon Dureme. Das Ganze kostet in Weiß oder in Schwarz und ohne das Zubehör eines Kettenkastens 3850 Euro.

Das Rad wiegt rund 15 Kilogramm und ist in vier Rahmenhöhen zu bekommen (Version Lady: drei Höhen). Der Rahmen aus dreifach konifizierten Aluminium-6061-Rohren mit dem Tubus Logo als Gepäckträger steckt die Belastung mit Tourengepäck ohne Weiteres weg, obwohl das Rad nicht das spezielle Reiserad von Idworx ist. Auch die hydraulischen Magura-HS-33-Bremsen erweisen sich auf Gepäckfahrten ihrer Aufgabe voll gewachsen. Die Spannung der extra gehärteten Kette lässt sich über den Tretlager-Exzenter regeln - ein typisches Gaastra-Detail wie die Lenker-Anschläge am Steuerrohr. Das Easy Rohler X ist ein problemloses Reiserad für den, der vor allem Augen für die bereiste Gegend hat, der es aber auch schätzt, dass sein Rad ein Hingucker ist.

Ausstattungsvorschlag VK-4, der leichte Querbeet-Tourer

Es sei ein eher untypisches Reiserad von Velotraum, sagte Stefan Stiener bei der Übergabe in Weil der Stadt. Aber als der Hersteller von Rädern, deren Markenname nicht von ungefähr kommt, ist er gewohnt, seinen Kunden Vorschläge zu machen und dann im Detail auf ihre Wünsche zu hören. Und so sei dieses Rad „für die Aufgabenstellung - ein leichter Querbeet-Tourer - die beste Lösung, die wir realisieren können“. Bei dem pechschwarzen (RAL 9005) „Ausstattungsvorschlag VK-4 - Vielfahrer, Disc“ wurde ein kleiner sportlicher Aluminiumrahmen, den es von S bis XL in vier Größen gibt, vorn mit der blockierbaren Federgabel Magura Menja bestückt. Für Velotraum und seine XXXL-Fraktion wird die Gabel mit 350 Millimeter Gabelschaftlänge produziert.

Der Hausherr ist ein Hüne und gibt seinen Kunden außer einer aufs Schräubchen und drei Zugendkappen genauen Stückliste eines jeden Rades auch ein „maximal zulässiges Systemgewicht“ an: in diesem Falle 130 Kilogramm. Auf ein Fahrergewicht von 70 Kilogramm ist das blaue Elastomer in der auffälligen Sattelstütze abgestimmt. Es ist eine Cane Creek Thudbuster LT, und sie hat positiv überrascht: Ohne viel kraftzehrende Schaukelei dämpft sie vorzüglich die Stöße auf Holperwegen. Antriebsstrang und Scheibenbremsen entstammen der Komponentenserie Shimano XT, die Laufräder sind Shimano WH-M775, bestückt mit grobstolligen Schwalbe Smart Sam der Dimension 559-54, der Gepäckträger ist ein Tubus Cargo Evo.

In dieser Ausstattung summiert sich der Preis des Rades auf knapp 3400 Euro. Ausstattungsvorschlag VK-4 ist ein flottes Rad, das mit und ohne Gepäck Freude macht, auf Asphalt und Straßen allerletzter Ordnung genauso wie im Gelände. Es verkraftet Gepäck gut und gewinnt noch, wenn ihm eine Lenkertasche aufgehängt wird. Was ein Velotraum dem, der weiß, was er will, zum Traumvelo machen kann, das sind Kleinigkeiten wie etwa die, bei der Bestellung bestimmen zu können, welcher Bremshebel auf welche Bremse wirken soll.

Der aktualisierte Klassiker

Der Papalagi (gesprochen: Papalangi)? Das ist doch dieses einem Südseehäuptling in den Mund gelegte zivilisationskritische Werk, das im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts noch einmal Karriere machte? Jawohl, und deshalb war Papalagi genau der richtige Name, als der Schweizer Butch Gaudy 1984 ein schlankes Mountainbike entwarf, mit dem er dann von Alaska nach Mexiko tourte. Als eine Modell-Serie hat MTB Cycletech, wo Gaudy gerade im Streit ausschied, den Papalagi als schnörkelloses Reiserad noch bis heute im Programm.

Der Klassiker wurde kontinuierlich überarbeitet und 2005 von seinem Schöpfer neu konstruiert. Bei dem „Expeditionsfahrrad“ besteht der Chrom-Molybdän-Rahmen aus einem speziell ovalisierten 853-Reynolds-Rohrsatz, den Gaudy mit Keith Noronha, dem Eigner von Reynolds Tubing, entwickelt hat. Bloß etwas über 11 Kilogramm wiegt das rund 4000 Euro kostende Papalagi Expedition nackt: ohne Pedale, ohne Beleuchtung, wahlweise mit rundem Tourenlenker und Lenkerendschaltern oder mit geradem Lenker zu haben. Es ist bis auf die M15-Naben, die von White Industries stammen, mit Shimano XT (27 Gänge, V-Brakes) aufgebaut.

Die gestreckte Rahmenform und der vergleichsweise große Nachlauf der Gabel sorgen für ruhigen Geradeauslauf und Fußfreiheit nach hinten zu den Gepäcktaschen. Die hängen an Bruce-Gordon-Trägern. Das vom Eigner erst noch zu komplettierende Papalagi ist das Reiserad für den, der es puristisch mag und dem es beim Radreisen auf das Fahren ankommt. Das ist mit und ohne Gepäck ein Genuss.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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