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Tempolimit und Radarfalle : Sind Blitzer-Apps verboten?

Apps und Navigationssysteme warnen vor Blitzern. Ist das legal? Bild: dpa

Dutzende von Gratis-Programmen sollen vor mobilen Geschwindigkeitsmessanlagen warnen. Die Blitzer-Apps sind schnell aufs Smartphone geladen. Aber die Tücke liegt im Detail.

          Tempolimit und Radarfalle: Immer öfter wird in Deutschland geblitzt. Wer unschöne Porträtfotos auf amtlichen Dokumenten vermeiden will, lädt eine Blitzer-App auf sein Smartphone. Sie warnt den Autofahrer vor der Falle. Man begibt sich jedoch in eine juristische Grauzone. Geräte, die dazu bestimmt sind, Anlagen zur Geschwindigkeitsmessung anzuzeigen, dürfen nicht im Auto mitgeführt werden. Das besagt jedenfalls Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung. Dennoch gibt es immer mehr dieser Programme fürs Smartphone. Manches Navigationsgerät im Auto hat die Warnung vor Starenkästen sogar gleich ab Werk eingebaut.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Ein Blick auf die Technik zeigt die Hintergründe. Wird die Blitzer-App überhaupt vom Geltungsbereich der Straßenverkehrsordnung erfasst? Wenn das Navi oder Handy vor dem Blitzer warnt, sucht es nämlich keineswegs nach Radargeräten, mit denen die Geschwindigkeit eines herannahenden Autos ermittelt wird. Auch die Sensor- und Lasergeräte der Polizei kann die Software nicht erfassen. Sie sieht ebenfalls nicht die in der Fahrbahndecke zu Messzwecken eingelassenen Induktionsschleifen oder Piezo-Messstreifen.

          Der Radarwarner per Software arbeitet allein mit den Standortdaten der rund 4300 stationären Blitzer in Deutschland, und gegebenenfalls kennt er auch Einsatzorte der mehr als 10.000 mobilen Messgeräte. Die Einnahmen aus solchen Anlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung lagen im vergangenen Jahr übrigens bei rund 600 Millionen Euro.

          Hohe Fehlerquote

          Die Apps setzen auf elektronische Karten, GPS-Ortung und ein gemeinsames Meldesystem. Blitzerstandorte werden von Nutzern an die App-Betreiber gemeldet, und diese ergänzen zudem ihren Datenbestand fortwährend aus weiteren öffentlichen Quellen. Nähert man sich mit aktiver Blitzer-App einem bekannten Standort, warnt das Gerät vor dem Blitzer; egal, ob er nun tatsächlich dort im Einsatz ist oder nicht. Das System funktioniert einfach, basiert aber auf der Mitwirkung von Nutzern und deren Zuverlässigkeit. Insbesondere bei mobilen Blitzern auf dem Land ist die Fehlerquote hoch, weil weniger App-Nutzer die Anlagen passieren. Häufig wird viel zu spät gemeldet - und viel zu spät widerrufen.

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          Die meistverwendete App in Deutschland ist Blitzer.de, die App läuft auf beiden Smartphone-Betriebssystemen, auch im Hintergrund, so dass man selbst dann gewarnt wird, wenn das Smartphone-Navi im Vordergrund läuft. Dass der permanente Zugriff auf GPS und andere Ortungsmethoden sowie die Bildschirmanzeige viel Strom verbrauchen, versteht sich von selbst. An einem typischen Nachmittag waren 45.000 Menschen in Deutschland mit der App unterwegs, sie zeigt dies am unteren Bildschirmrand an. In unserem Umkreis von 50 Kilometer führte sie fünf mobile Blitzer und 100 stationäre auf. Die Art und Weise der Warnung lässt sich einstellen. Indes: Kommt der erste Hinweis ein Kilometer vor der Anlage, hört man in der Stadt eine Warnmeldung nach der nächsten. Die App berücksichtigt nur die Annäherung. Auf welcher Straße und in welche Richtung man fährt, weiß sie nicht. In Verbindung mit der prinzipbedingten Unzuverlässigkeit, dass sie nicht jede Messanlage anzuzeigen in der Lage ist, relativiert sich der Nutzwert einer solchen Software. Sie warnt oft, aber nicht immer. Man ist also gut beraten, die jeweils geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht zu überschreiten.

          Quelle: F.A.S.

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