Nein, es ist nicht unfair, ein Geländerad für knapp 4000 Euro und einen Allwetter-Renner für rund einen Tausender zu vergleichen. Tatsächlich entspricht diese scheinbar unsachgemäße Paarung ziemlich genau der Lage, aus der heraus die Frage nach dem Sinn eines alltagstauglichen Querfeldeinrades wie des Focus Mares AX 4.0 in der Praxis beantwortet wird. Für die Straße und den Sommer hat man seine Rennmaschine, und in die wurde angemessen investiert. Dann kam, der Berg ruft, ein Mountainbike hinzu. Man möchte ja nicht nur mal sonntagnachmittags zur Waldschenke fahren, also wurde auch in diesem Fall zu etwas richtig Feinem gegriffen, eben wie dem Haibike Greed 29 RC. Und kaum war mit dem Twentyniner dem Zeitgeist Tribut gezahlt, wollten die Sportskameraden alle mit dem Rennrad ins Gelände: Cyclocross, sprich Querfeldein ist - mal wieder - angesagt. Da erscheint es verlockend, statt eines dritten Spezialrades einen Allrounder zu wählen, noch dazu, wenn der nicht so teuer ist.
Ein mit deutlich erkennbaren Verstärkungen versehener Aluminiumrahmen aus dreifach konifizierten Rohren ist das Grundgerüst des Mares AX 4.0. Sowohl die Gabel als auch der Hinterbau, aber auch der Übergang vom Steuer- zum Unterrohr sind einerseits auf den Einsatz abseits der Straße und außerdem auf den Einbau von Scheibenbremsen (Tektro Lyra mit Bowdenzug, Scheibe vorn 160, hinten 140 Millimeter) vorbereitet. Je nach verwendeten Pedalen summiert sich das Gesamtgewicht auf etwas über zwölf Kilogramm - inklusive der dezent, aber stabil befestigten Schutzbleche. Die stellen sich jedoch als etwas zu kurz heraus, wenn es wirklich nass und schmutzig wird. Bei Antrieb und Schaltung wurden eine Kurbelgarnitur FSA Gossamer mit den 10fach-Komponenten der Shimano Tiagra-Gruppe kombiniert. Alles zusammen rollt auf Focus-Concept-Laufrädern mit kräftigen Reifen (Continental Cyclocross Speed).
Verglichen mit dieser preisgünstigen Ausstattung wirkt das knapp unter zehn Kilogramm wiegende Haibike Greed 29 RC wie eine Komposition aus lauter technischen Leckerbissen. Ein Carbon-Rahmen, der mit seinen Formen und Kanten elegant den Kraftlinien folgt, eine wuchtige Federgabel (Fox 32 Terra Logic mit Kashima-Beschichtung, Federweg: 100mm), der Antriebsstrang komplett von Sram X 0 mit dreißig Übersetzungen, Lenker und Vorbau aus Carbon, hydraulische, mit zwei Fingern bedienbare 180-Millimeter-Scheibenbremsen (Magura MT6) vorn und hinten, als sehr scharf aussehender Laufradsatz Crank Brothers Cobalt 3 mit Steckachsen, auf Schwalbe Racing Ralph Evolution (faltbar) rollend. Bei dieser Ausstattung, die bis zum roten Farbtupfer der Sattelstützklemme so ästhetisch gelungen wie qualitativ überzeugend wirkt, geht der Preis voll in Ordnung. Keine Frage: Das Haibike rollt in einer anderen Klasse als das Cyclocrossrad von Focus.
Aber nun fahren wir mal mit beiden Rädern ins Gelände. So lange wie man auf Wald- und Wirtschaftswegen unterwegs ist, macht das Mares ordentlich Tempo. Bocksteif donnert es über Unebenheiten, zirkelt schön um Kurven, lässt sich gut beschleunigen und verlangt bergab eine harte Hand: Die zum Bremsen erforderlichen Kräfte sind erheblich. Das Greed kommt locker mit auf seinen großen Schlappen, die wie ein Hummelschwarm auf dem Asphalt klingen. Wo der Straßenbelag aufhört, stecken die Reifen auch bei blockierter Federgabel die meisten Unebenheiten wie nichts weg. Wo der Weg ganz aufhört und die Forstwirtschaft in einer Senke ein Schlammbad angerichtet hat, watet das Mountainbike so mutig wie unvermutet leichtfüßig hinein, um sich auf der anderen Seite wieder heraus zu arbeiten. Der Fahrer des Cyclocrossrads, das im Schlamm blockiert hat, ist abgestiegen, schultert sein Gefährt und gratuliert sich, dass er unter dem Schuhabsatz Stollen wie ein Fußballspieler unter seinen Sohlen hat. Es muss kein Schlamm sein, um das Mares an Grenzen zu bringen: Es reicht auch der Abhang eines Buchenwalds mit viel Laub und Windbruch.
Das Fazit: Ein sehr gutes Mountainbike auf 29-Zoll-Laufrädern ist kaum langsamer als ein Cyclocrossrad und meistert fast alles, was einem im Gelände querkommen kann, souveräner. Einzige Ausnahme: der Lauf mit geschultertem Rad. Dabei ist anzumerken, dass man mit dem Cyclocrossrad häufig schon läuft, wo man mit dem Mountainbike noch fährt - bergab wie bergauf. Auch ein leichtes Mountainbike wie das Greed trägt sich nicht so toll und will zumal bergauf eher geschoben sein. Wer im Gelände herumtoben will, hat mit dem Mountainbike mehr Spaß. Mit dem Cyclocrossrad, speziell in der aufgerüsteten Form des Focus Mares AX 4.0 ist preisgünstig gut bedient, wer gelegentlich radsportlich ins Gelände will, vorwiegend aber ein robustes Rad für schlechte Wege und schlechtes Wetter sucht. So ist das Mares keineswegs die Alternative zum Mountainbike, sondern eher eine Ergänzung zum Straßenrennrad.
@Ivo
Horst Delmen (Dr.Delmen)
- 17.04.2012, 17:26 Uhr
Sehr willkürlicher Vergleich, dennoch nicht uninteressant
nick fury (monoman)
- 16.04.2012, 19:50 Uhr
Wer weiss was ?
Ivo Gömöry (heymanheyman)
- 16.04.2012, 14:57 Uhr
fairer Vergleich ?
Ivo Gömöry (heymanheyman)
- 16.04.2012, 14:43 Uhr
ROAD/CX/MTB
Wilfried Goesgens (dothebart)
- 16.04.2012, 12:32 Uhr