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Porsche Panamera Sport Turismo Laden ist die Zukunft

 ·  Nach dem Geländewagen Cayenne und der Limousine Panamera wird es von Porsche bald eine Art Kombi geben. Hybrid-Antrieb gilt als selbstverständlich. Wir fuhren den ersten Prototypen.

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© Hersteller Vergrößern Eine neue Front mit großen Lufteinlässen und Blinkern sowie Positionslichtern in einer C-förmigen Leuchteinheit. Gemeinsam mit Vier-Punkt-Scheinwerfern prägen sie die Frontansicht der Studie.

Er war eine der Sensationen des Pariser Automobilsalons im Oktober, der Porsche Panamera Sport Turismo. 4,95 Meter lang, fast zwei Meter breit, rundes, kombiähnliches Heck, Coke-Bottle-Form und eine neue Front mit großen Lufteinlässen und Blinkern sowie Positionslichtern in einer C-förmigen Leuchteinheit. Gemeinsam mit Vier-Punkt-Scheinwerfern prägen sie die Frontansicht der Studie.

Es darf gewettet werden: So wird das neue Gesicht der zweiten Generation des Panamera aussehen, die für spätestens 2015 zu erwarten ist. Und höchstwahrscheinlich wird es auch eine „Art Kombi“ geben. So gesehen schlägt der Prototyp zwei Fliegen mit einer Klappe, und mit Blick auf die Technik sind es sogar drei. Der Prototyp ist ein Plug-in-Hybrid.

Ob der Sport Turismo tatsächlich auf die Straße kommt, steht noch nicht zu 100 Prozent fest, das hänge auch von Car Clinics in Asien und Amerika ab, sagte Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz im Gespräch mit dieser Zeitung. Und: „Käme es nur auf Europa an, wäre es schon beschlossen.“ Die Resonanz auf dem Autosalon sei überwältigend gut gewesen. (In einer Car Clinic werden ausgewählte Kunden zu einem kommenden Automodell befragt.)

Konfrontiert mit der Aussage, man hätte den Panamera gleich in dieser Form bauen sollen, widerspricht Hatz nicht wirklich. Und Porsches Design-Chef Michael Mauer hat nach wie vor Probleme, einen Gattungsbegriff für den Sport Turismo zu finden. „Ich will ihn nicht Kombi nennen“, sagt er und spricht davon, dass das Heck die größte Herausforderung war. Er ist aber offensichtlich sehr zufrieden mit seiner Arbeit, die jetzt vor ihm steht. Die Coke-Bottle-Form (in der Mitte schlanker als vorn und hinten) sei besonders gut gelungen.

Mauer ist wichtig, dass man bei Porsche in der Entwicklung eines neuen Modells noch „klassisch“ mit gegenständlichen Modellen aus Ton, Wachs und/oder Holz arbeite, auch in der Größe 1:1. Mauer: „Ich kann mit das auch gar nicht anders vorstellen.“ Autos, deren endgültige Form aufgrund rein virtueller Studien festgelegt werde, seien unfertig, und man sehe es ihnen auch an, so Mauer. Aufwendiger ist das Arbeiten mit realen Modellen allemal, aber es lohne sich.

Wer neben dem Sport Turismo steht, unterschreibt das sofort. Doch nicht nur die äußeren Kurven sind es, die den Prototypen so einzigartig machen. Es ist fahrfertig und bringt Zukunftstechnik mit: eine Kombination aus einem 3,0-Liter-Sechszylinder-Motor mit 245 kW (333 PS) und einer 70-kW-E-Maschine (95 PS). Zwar kann man das schon jetzt bei Porsche haben, aber im Prototyp lässt sich die Lithium-Ionen-Batterie, die im Heck des Wagens sitzt, an der Steckdose aufladen. In nur zweieinhalb Stunden steht sie wieder voll im Saft. Und bislang verwendet Porsche leistungsschwächere Nickel-Metallhydrid-Akkus. Dank Lithium ist fortan immerhin eine Kapazität von 9,4 kWh möglich. Und der Laderaum wird von den Akkus so gut wie nicht eingeschränkt. Sie langen für eine rein elektrische Reichweite von 30 Kilometer - wenn nicht schneller als 130 km/h gefahren wird. Natürlich kann der Sport Turismo auch fixer, schließlich beträgt die Systemleistung 306 kW (416 PS), wenn der Verbrenner- und der E-Motor Hand in Hand arbeiten. So ist der Porsche in weniger als sechs Sekunden auf 100 km/h. Die Batterien lassen sich während der Fahrt aufladen.

Der Prototyp ist ein Blick in die nahe Zukunft von Porsche, und die spielt sich nicht nur im und unter dem Blech ab. Auch im Innenraum waren die Designer kreativ: Der durchsichtige Acryl-Boden im Laderaum, der den Blick auf die (beleuchtete) Batterie freigibt, wird so wohl nicht realisiert werden. Aber es sieht superschick aus.

Mehr als vier Millionen Euro Gestehungskosten hat der Prototyp verursacht, der gleichzeitig ein rollendes Versuchslabor ist. Mit Sondergenehmigung und eskortiert von der Polizei, gab Porsche vergangene Woche einigen Journalisten die Gelegenheit, den Prototyp in Los Angeles selbst zu fahren. Abgesehen von der Hybrid-Technik fasziniert ein technisches Detail besonders: Der Turismo hat keine Außenspiegel (die hassen alle Designer ohnehin), stattdessen zeigen zwei kleine Monitore rechts und links neben dem analog dargestellten Tacho die Rücksicht. Zwar wäre so eine Lösung auf keinem wichtigen Automarkt der Welt zulasssungsfähig, doch spannend ist sie allemal.

Unser Eindruck: Daran könnte man sich gewöhnen, ähnlich wie an ein Head-up-Display. Allerdings müsste das Monitorbild noch deutlich besser werden. Bei Sonne sieht man fast nichts. Die gesamten Instrumente im Prototyp sind virtuell, statt des Tachos und den beiden „Spiegel-Bildchen“ kann man sich die Landkarte zeigen lassen oder ein komplettes Rückbild, dann kommen die Informationen einer dritten Kamera dazu. Die Kameras für die beiden „Außenspiegel“ sitzen in den seitlichen Luftauslässen. Gestartet wird per Knopf, und auch der ist „virtuell“, links auf der Instrumentenfläche. In der Mittelkonsole thront eine Art Ipad, das für die Musik zuständig ist. Per Smartphone lässt sich das Laden des Porsche steuern, wenn er zu Hause am Kabel hängt. Dann kann schon die Heizung laufen, bevor gestartet wird.

Das Fahren ist schon wegen der fehlenden Dämmungen ein besonderes Erlebnis. Sobald sich der Benzinmotor zuschaltet, macht der Wagen einen Höllenlärm, sonst aber fährt der Sport Turismo für einen handgefertigten Prototypen sehr gut. Ein kurzer Zwischenspurt auf 70 km/h lässt das Beschleunigungspotential erahnen.

Bei den Car-Clinics kann gar nichts anderes herauskommen, als grünes Licht für den Sport Turismo. Die Studie ist wie aus einem Guss und könnte (mit Außenspiegeln) so gebaut werden. Wie sehr sie fasziniert, zeigt eine kleine Begebenheit während unserer Probefahrt: Ein SLS-Mercedes-AMG überholt, vor einer roten Ampel geht die linke Flügeltür auf, der Fahrer springt heraus und macht mit seinem Smartphone Fotos vom Porsche-Prototypen. Wahrscheinlich schickt er die Bilder sofort weiter zu Porsche Beverly Hills, um den Wagen zu bestellen. Aber da muss er noch warten. Mindestens bis 2015.

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10.12.2012, 10:44 Uhr

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Von Lukas Weber

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