Zwei Monate nach der Vorstellung der beiden hubraumschwächeren Versionen des X10 hat Piaggio nun die stärkste Variante seiner eleganten Luxusliner-Flotte präsentiert. Der X10-500 unterscheidet sich von den kleineren Familienmitgliedern nicht nur durch einen kräftigeren Einzylindermotor, sondern auch durch einige technische Finessen. Dazu zählen ein in seiner Vorspannung elektronisch einstellbares Mono-Federbein sowie die Multimedia-Plattform PMP. 7790 Euro kostet der 500er, dafür muss der Käufer auf fast nichts verzichten.
Statt 24 kW (33 PS) im Fall des X10-350 mobilisiert der 500-Kubik-X10 30 kW (41 PS). Angesichts des Gewichtszuwachses von 216 auf 242 Kilogramm ist das nicht die Welt, und so macht sich das Leistungsplus auch weniger durch eine gesteigerte Agilität als durch größere Durchzugskraft und ein niedrigeres Drehzahlniveau bemerkbar. Man fährt einfach souveräner mit dem X10-Flaggschiff. Der etwas höheren Leistung angepasst worden ist auch die Telegabel; statt 35 Millimeter beträgt der Durchmesser der Standrohre 41 Millimeter, was der Fahrstabilität fühlbar guttut. Gelungen ist auch die Abstimmung des liegend montierten Zentralfederbeins, welches das Hinterrad im Zaum hält. Zwei Knöpfe im Cockpit erlauben die stufenlose Verstellung der Federbein-Vorspannung; eine zusteigende Sozia kann also nur das Gefühlsleben des Fahrers, nicht aber die Fahrstabilität des Rollers beeinträchtigen (denn wer kramt schon in diesem Fall das Werkzeug raus und verstellt manuell die Federvorspannung). Alles in allem ist der X10-500 komfortabel, ohne als Schiffschaukel zu erscheinen; er lässt ein sehr flottes Landstraßentempo zu.
Neue Wege beschreitet Piaggio mit seiner Multimedia-Plattform PMP, die diesem Modell serienmäßig mitgegeben wird. Fahrzeug-Informationen wie der Reifendruck oder Warnungen vor Fehlfunktionen werden nicht ins Cockpit-Display eingeblendet, sondern an die PMP geleitet, die mit dem Can-Bus des Fahrzeugs verbunden ist. Wer sein iPhone (vom späten Herbst an auch ein Android-Smartphone) mittels USB-Kabel mit dem X10-500 verbindet, kann mit Hilfe einer Gratis-App sofort Daten des Fahrzeugs einsehen. Liegt eine Störung vor, liefert die Software Tipps fürs richtige Verhalten und zeigt auch die Kontaktdaten des nächstliegenden Piaggio-Servicestützpunkts an. Eine Navigations-Software ist ebenfalls enthalten; mit deren Hilfe lässt sich die Servicestelle dann auch leicht finden. Die Navigations-Software ist insofern außergewöhnlich pfiffig gestaltet, als sie jeweils beim Abstellen des Motors den Standort des X10-500 markiert. Verliert der Besitzer beispielsweise in einer ihm fremden Stadt die Orientierung, leitet ihn die Software zum Parkplatz zurück.
Aber natürlich kann man über die PMP noch viel mehr Daten einsehen: Die Funktion „Instrumente“ zeigt diverse Betriebszustände auf dem Display an, dazu gehören Geschwindigkeit, Drehzahl (selbstverständlich hat der X10-500 im Cockpit ohnehin beides, nebenbei gut ablesbare Anzeigen), Motorleistung, Drehmoment, Beschleunigung und Verzögerung, Momentan- und Durchschnittsverbrauch, Durchschnitts- und Maximalgeschwindigkeit, Batteriespannung und mancherlei mehr.
Freilich wäre es sinnvoller, wenn das iPhone nicht direkt auf dem Lenkkopf montiert werden müsste, sondern weiter entfernt im Cockpit ein sicheres Plätzchen fände; hier lässt Piaggio leider keine Wahl. Immerhin hat der Hersteller daran gedacht, Unterwegs-Spielereien am iPhone zu unterbinden: Oberhalb von 5 km/h lassen sich die Anzeigen nicht mehr wechseln. Es versteht sich fast von selbst, dass PMP-Nutzer sämtliche Daten einer Tour hinterher auf einen Rechner übertragen können, und zwar mittels USB-Kabel oder auch per E-Mail.
Die beiden schwächeren X10-Varianten, der X10-125 und der X10-350, können gegen Aufpreis mit PMP ausgerüstet werden. Weitere Piaggio-Scooter sollen folgen.
O je
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 22.07.2012, 23:03 Uhr